Sonntag, 12. September 2021

Mehr von Lapplands Wäldern - "Sommer"urlaub der Zweite

Da ich im vergangenen Jahr übermäßig fleißig war (sein musste...), konnte mein Sommerurlaub extra lang ausfallen. Und von Wäldern kann man eigentlich keine Überdosis kriegen. Nach gerade mal zwei Wochen im Büro machte ich mich also Mitte August zum zweiten Mal auf den Weg in den Norden - dieses Mal zum Wandern. 
Erste Station war der

Pyhä-Luosto-Nationalpark.

 
Die ersten paar Tage verbrachten wir in Luosto. Wie man das aus Lappland inzwischen zu Genüge kennt, war nicht das beste Wetter vorhergesagt... Aber trocken reicht zum Wandern, also raus in die Natur! :)

Und rauf auf den Luostotunturi...

... was soviel heißt wie rein in die Wolken!
(Aber schöner Weg, oder? :) )


"Taking in the Landscape" sagt eine der Tafeln am Aussichtspunkt Ukko-Luosto. Vielleicht ein andermal...

Auf dem Weg nach unten sehen wir wieder mehr. :) Und es zeigt sich bereits die beginnende Herbstfärbung.

Wandern durch den Wald hinter dem Berg. Stille und unberührte Natur... einfach schön!

Ameisenhaufen sind ein bisschen größer hier.

Zum Schluss noch mal ein kleiner Anstieg. Inzwischen hängen die Wolken höher!
 
Nach dieser Wanderung ließen wir uns im gemieteten Mökki nieder, wo uns der Regen der folgenden zwei Tage dazu anhielt, viel zu lesen und in die Sauna zu gehen. :D
Zwischendurch gab es aber mal einen kurzen Lichtblick, den ich natürlich gleich für einen kleinen Spaziergang nutzte:

So schön kann es hier sein, wenn die Sonne scheint!
 
Und als die Regenpause einmal etwas länger ausfiel und mein Bewegungsdrang zu groß wurde, bin ich halt noch mal rauf auf den Nebelberg. Jetzt mit Fernblick!

 
Nach ein paar Tagen in Luosto machten wir uns auf den Weg zum nächsten Nationalpark, jedoch nicht ohne vorher noch in Pyhätunturi zu stoppen. Nach acht Jahren wollte ich gerne noch mal die Schlucht Isokuru besuchen (und meinem Besuch zeigen). Leider war der Wanderweg durch sie hindurch diesen Sommer wegen Renovierung geschlossen, aber zumindest ein kleines Stück konnte man hinein.
 
Spazieren auf dem Fjäll

Tiefe Schluchten... jedenfalls für finnische Verhältnisse!

Was für ein Zufall, genau von hier habe ich auch damals fotografiert! Vielleicht, weil's so schön ist? :)
Bis zum Wasser kommt man noch, dahinter geht's leider erst nächstes Jahr wieder weiter.


Wasserfall Pyhänkasteenputous

scheuer Bewohner :)
 
Nach diesem kleinen Zwischenstopp ging es weiter nach Südosten. In Kemijärvi legten wir einen Essenstopp ein und fanden dort eine Menge wetterfeste Teppiche:

 
Was mich an ein Internetmeme erinnert, das ich vor Jahren mal gesehen habe - als in Australien ein Urteil gefällt wurde, dass Kinder, die einen Gehweg mit Straßenmalkreide bemalen, gegen das Grafittigesetz verstoßen! Leider finde ich das Meme nicht mehr, aber es war ein Bild der Fußgängerzone von Jyväskylä, die fast vollständig mit bunten Streifen angestrichen war in der Art eines überdimensionalen Teppichs (also deutlich größer als hier in Kemijärvi) mit dem Titel "Meanwhile in Jyväskylä". :D

Ziel des heutigen Tages war Ruka, oder besser gesagt eine Unterkunft inmitten der Natur 8 km von dort, die zufällig unser Büro geplant hat. :) (Ich muss zugeben, was die handwerkliche Umsetzung angeht, war ich nicht so überzeugt, aber das sind wahrscheinlich alles Kleinigkeiten, die nur die Architekten und Handwerker unter uns überhaupt wahrnehmen...) Ein Ort also, an dem man auch noch ein paar weitere regnerische Tage ganz gut überstehen kann.
 
Die "Iglus"
 
Aussicht ins Grüne und auf den See - in seltenen Fällen auch mal mit Sonnenschein!
 
Ein gutes Frühstück darf im Urlaub ruhig sein ;)
 
Oder mal eine Teatime am Nachmittag. Schon in meinem ersten Jahr in Finnland hatte ich mir diesen Kuchen als Geburtstagskuchen vorgenommen, aber aus irgendwelchen Gründen ist nie was draus geworden. Mussten also über acht Jahre vergehen, jetzt war die Zeit reif! :)
 
Nachbar
 
Am "magischen Teich", der der Anlage ihren Namen gab ;)
 
...gibt es natürlich auch eine Feuerstelle für das klassische Abendessen.
 
In der nächsten Umgebung kann man bereits ein paar Spaziergänge unternehmen. Typische Landschaft, Wälder und Sumpfgebiete.


 
Oder man macht ein paar Ausflüge, zum Beispiel in den

Oulanka-Nationalpark.

 
In erster Linie war ich neugierig auf all die kleinen Ecken am Rande des Karhunkierros, die ich noch nicht besucht hatte, weil sie nicht direkt auf dem Hauptweg liegen. An einem Tag ging es also auf die kleine Runde des "Kanjonin Kurkkaus" (was so viel heißt wie "Erspähen des Canyons").
 
Interessante Steine haben sie da!

Und natürlich haben wir auch den Canyon erspäht. :)

Da die Runde nur 6 km misst, konnten wir am gleichen Tag noch ein weiteres Ziel ansteuern. 
Mit den üblichen Unterbrechungen auf der Strecke: Manchmal grenzt es ja schon an Vorsatz, wie die Rentiere am Rand warten, um genau dann auf die Straße zu treten, wenn man für sie bremsen muss! Und die Jungtiere kennen da nix - wenn sie bei Mama saugen wollen, dann ist es auch egal, wenn das mitten auf der Straße ist. In diesem Fall war Mama allerdings dagegen ;)

 
Zweites Ziel heute: Noch einmal Kiutaköngäs. Katja, weißt du noch...? :)


Ein anderes Ziel, das schon lange auf meiner Liste stand, war der Kleine Karhunkierros. Eine Hälfte von ihm sind wir ja schon an Mittsommer vor fünf Jahren gelaufen, aber eben noch nie den ganzen. Und mit seinen 12 km ist er auch gut schaffbar, selbst wenn man nicht so gut im Training ist.

Myllykoski, die "Mühlenstromschnellen" in der Nähe des Startpunkts

bislang unbekannte Wegstücke

Es wird Herbst - Pilzzeit

Auch hier können wir nicht auf der ganzen Strecke die Knie schonen, Hügel sind schon mit dabei. Aber so sieht man mehr!

Auch hier scheint es stürmisch gewesen zu sein. Aber der Weg war natürlich längst aufgeräumt. Und man kann schön sehen, wie eine Kiefer in späteren Jahren langsamer wächst als am Anfang.

ungewöhnliche Pilze

Wo wir schon von Pilzen sprechen, ja es ist Herbst:
 
Es gibt auch die ganz klassischen.
 
Ein Fliegenpilz, der seinem Namen alle Ehre macht
 
Und weitere ungewöhnliche Exemplare.
 
Auch von unserer Unterkunft aus konnte man wandern gehen. Dort im Wald bin ich den unerschrockensten Rentieren ever begegnet. War an einem der Tage zuvor noch eins mit fliegenden Hufen vor mir davongerannt, weil ich nicht in eine Blechkiste verpackt daherkam, so blieben hier Mutter und Jungtier völlig unberührt von meinem Auftauchen und futterten friedlich jeder an seinem Straßenrand weiter. Tapfer! Frage mich, ob sie das auch gewagt hätten, wenn ich auf einem Fahrrad gesessen hätte?
 

Nachdem ich mir den Weg durch Feuchtgebiete und Schlamm erkämpft hatte (inklusive einiger Umwege, weil meine Karte nicht zwischen Wanderweg und Motorschlittenstraße unterschied und letztere häufig über Sümpfe führen), erreichte ich noch einmal das letzte Stück des großen Karhunkierros. Einfach für die Aussicht und Bewegung in freier Natur - bzw. um mir das Abendessen auch zu verdienen ;)

Blick vom Valtavaara

Felsentreppe

Auch der 
 

Riisitunturi-Nationalpark

 
ist nicht allzu weit von Ruka. Und hier gibt es ebenfalls eine Runde für einen Tagesausflug. Im Sommer lässt sie sich auch besser finden als damals im Schnee! ;)

noch mehr Pilze :)
 
Und auch die Aussichten sind natürlich noch da. "Leider" ist allerdings noch "Sommer". In Anführungszeichen deshalb, weil uns dieses Jahr eine Kaltfront im Griff hat - während Mitteleuropa auf der Vergleichskarte zur üblichen Durchschnittstemperatur gelb bis rot aussieht, ist unsere Gegend ein sattes blau. Meine Begleitung war entsetzt, als das Thermometer 5 Grad anzeigte "Im AUGUST!?!?" :D Ja, manchmal leider schon. Und wenn schon das Wetter nach tiefstem Herbst aussieht, hätte ich mir ein wenig mehr Herbstfärbung gewünscht. Aber dafür war es im August halt wirklich noch zu früh. Also nun die sommerlichen Farben in tristem Herbstwetter. Man kann nicht alles haben...


Kaum verlässt man allerdings Lappland wieder, kennt das Wetter plötzlich wieder blauen Himmel und Temperaturen in den Zwanzigern. Vielleicht sind demnächst ja doch mal andere Gegenden dran! :)

In erster Linie meine ich damit natürlich, dass, wenn man von Wäldern spricht, Finnlands Osten für mich in Teilen noch unentdeckt ist und auch die mir bisher weitgehend unbekannte Westküste sicher einen oder mehrere Besuche wert ist. Da ist das Wetter bestimmt besser! :P
Aber ich kann nicht leugnen, dass das Wandern in den Nationalparks noch ein weiteres Ziel wieder in den Blick gerückt hat. An unzähligen Feuerstellen wurde gegrillt oder sich während der Pause einfach aufgewärmt, der Geruch von Holzfeuer lag also oft in der Luft. Und da Erinnerungen so wunderbar mit dem Geruchssinn verknüpft sind, fühlte ich mich immer wieder in den Himalaya zurückversetzt. Das war mehr als nur schöne Erinnerungen, das war der Wunsch, bald wieder nach Nepal zurückzukehren! Inzwischen ist es schon neun Jahre her, dass ich dort war. Damals war ich mir sicher, nicht zum letzten Mal dort gewesen zu sein. Und ich glaube, der Tag fängt langsam an, näher zu rücken...

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