Montag, 16. August 2021

Sommerurlaub 2021 der Erste

Von dem Moment an, wo feststand, dass ich den diesjährigen Sommer in Finnland verbringe, war ebenfalls klar: Dieses Jahr wird wieder Radurlaub gemacht. 
Bis sechs Tage nach Urlaubsbeginn stand allerdings immer noch nicht fest, wo. Im Rennen waren:
 
- Norwegen: Lofoten (mein Favorit - pro: Landschaft!!!, kontra: die organisatorischen Herausforderungen, u.a. auch wegen Corona)
- Finnland, der Süden: Archipel von Turku und Westküste (pro: Sehenswürdigkeiten und die Annehmlichkeiten der Zivilisation, kontra: die Schattenseiten der Zivilisation)
- Finnland, der Norden: Lappland, Teil zwei (pro: die Ruhe und Natur, kontra: Lapland Air Force, teils schon bekannte Strecken von vor fünf Jahren und die Schattenseiten der fehlenden Zivilisation)

Norwegen flog wegen einer Änderung im finnischen Infektionsschutzgesetz raus. Zu riskant, bei der Rückkehr exakt 3-5 Tage nach Grenzübertritt einen Test machen zu müssen, wo wir doch schon von damals wissen, dass nur alle 100 km eine "Stadt" (=Tankstelle, Souvenirshop und zehn Häuser im Umkreis von mehreren Kilometern) kommt. Wer weiß, wo und wann dort überhaupt getestet wird und wie schnell wir eigentlich vorankommen...
 
[Dank an GoogleMaps für die Karte!]
Letzten Endes half ein Blick auf die Karte bei der Entscheidung: Trotz generell weniger Straßen in Lappland gab es noch eine bislang unentdeckte Runde, die zudem nur so von Nationalparks, Naturparks und Wildnisgebieten (gibt es dafür eigentlich einen feststehenden Ausdruck im Deutschen oder spielt das keine Rolle, weil es so was dort nicht mehr gibt?) umzingelt ist. 
Ruhe+Natur brauchte ich nötiger als Sightseeing und Kultur. Und gegen die Mücken gibt es Moskitonetze, sowohl im Zelt als auch zum über-den-Kopf-Ziehen.
Passenderweise waren Bustickets für Fahrräder nach Norden auch deutlich leichter zu bekommen als Zugtickets für Fahrräder nach Süden. Beschlossene Sache! :)

Der grobe Plan: Start in Sirkka/Levi. Von da über Lemmenjoki nach Inari und von dort nach Angeli. Die norwegische Grenze entlang nach Utsjoki und zurück Richtung Süden, mindestens bis zum Abzweig von vor fünf Jahren, oder eben so weit wie wir Lust und Zeit haben. Größtmögliche Flexibilität, denn auf dem Teil der Strecke kommt jeden Tag ein Bus zurück nach Oulu! :D
Auf der Karte seht ihr, dass wir letztendlich noch ein paar kleine Abstecher hinzugefügt haben... (blau=2021, gelb=2016 finnischer Teil).

Los geht's!

 
Finnische Skiorte im Sommer. Irgendwie versuchen sie alle, finnischen und alpenländischen Baustil zu vereinen. Und im Sommer ist hier herzlich wenig los. 
 
You shall not pass - haben wir dann aber trotzdem, denn es war schon fortgeschrittener Nachmittag

Endlich im Sattel - und Lappland grüßt mit viel Wasser und blauem Himmel

Einer der vielen Flüsse, von denen es nur wenige Fotos gibt, denn sie sind irgendwie immer genau da, wo man den Schwung mit auf die nächste Steigung nehmen will ;)

Und dann ging es durch Wälder. Huskyfarmen warben mit tiefverschneiten Winterfotos für ihr Unternehmen (die im grünen, heißen Sommerwald etwas deplanziert wirkten und uns unmissverständlich mitteilten, dass wir gerade außerhalb der Saison unterwegs sind). Das Ende des befestigten Straßenbelages ließ auch nicht lange auf sich warten. Nur mit einer Vorhersage lag ich (zunächst) falsch: Die vermuteten "drei Autos pro Stunde" entpuppten sich an einem Samstag Nachmittag eher als drei Autos pro Minute. Es handelt sich hierbei eben immer noch um eine von wenigen Verbindungsstraßen zwischen Lapplands Städten! Gegen Abend beruhigte sich aber auch das. Nur andere Radfahrer hatten unerwarteten Seltenheitswert: Gerade mal ein anderer war unterwegs - der kam dafür aus Soest und man konnte sich ein wenig unterhalten! :)

Dichte Wälder...

... und lichte Wälder.
 
Wer hingegen viel unterwegs war, waren die Insekten. Auf keinem anderen Stück der Reise hatten wir so viele Fliegen und Bremsen und alles dazwischen um uns herumfliegen. Nervige Biester, aber zum Glück harmlos, bisher noch kein einziger Stich/ Biss! ... Bis wir abends an einem Fluss unser Zelt aufschlugen. Wasser ist grundsätzlich eine sehr willkommene Sache, aber mit ihm kommen in vielen Fällen die Mücken. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie an einem einzigen Abend so viele Mückenstiche kassiert! Aber so schlimm sie auch optisch waren, es waren die freundlichen, die nach kurzer Zeit von selbst aufhören zu jucken und am nächsten Tag vergessen sind! (Sonst hätten mich gewisse von ihnen am nächsten Tag im Sattel vermutlich auch verrückt gemacht. In Gegenden wie dieser ist es von Vorteil, ein Mann zu sein...;) )

Am nächsten Tag ging es -natürlich- weiter durch Wälder, es kamen noch ein paar Hügel dazu.
 
Und überhaupt mehr verschiedene Landschaft. Sümpfe, wie man sie im Norden viel findet...
 
...und natürlich kam auch die Tierwelt nicht zu kurz! Wie schon vor fünf Jahren hat Jori sich wieder ans Rentierzählen begeben. Spoiler: Natürlich haben wir die angepeilten 250 Tiere auf dieser Tour locker übertroffen - trotz eines zähen Anfangs von einigen hundert Kilometern entlang eingezäunter Wege. Das tierische Highlight war natürlich der Elch!


 
In einem kleinen Örtchen namens Pokka hatten wir den Asphalt wieder und es gab sogar Zivilisation in Form eines kleinen Cafés! Nicht die größte Auswahl oder die motiviertesten Mitarbeiter, aber sehr willkommen nach den durch die Topografie sehr zähen ersten drei Stunden.
Frisch gestärkt ging es danach zum Glück schneller weiter, denn trotz aller guten Vorsätze, uns genau so viel Zeit zu lassen, wie wir brauchen, standen wir schon an Tag zwei unter Zeit-/Kilometerdruck: Die Wettervorhersage drohte uns für die kommenden zwei Tage Regen an und wie wir von vor fünf Jahren wussten, könnte man sich dagegen wunderbar irgendwo ein Holzhüttchen mieten - nur, dass das nächste erst in der Gegend von Lemmenjoki zu haben war! Weiterstrampeln!

Wald, so weit das Auge reicht

bergab geht's schneller :)
 
Auch mit Zeitdruck sollte man genießen, was die Strecke zu bieten hat. Wir waren fast da, da ging noch mal eine Pause! Am Ufer des begleitenden Flussesgibt es viele Feuerstellen - hätten wir zelten wollen, wären hier gute Plätze gewesen. Jetzt wurden nur ein wenig die Füße im flachen Wasser gekühlt und kleine Fische beobachtet.
 
Jee, endlich angekommen! Wir werden schon noch fit werden! 2016 war unser längster Tag der letzte der Tour, dieses Jahr können wir schon am Tag zwei (oder Tag anderthalb, da Tag eins hauptsächlich aus Busfahren bestand) über 105 km verbuchen! Puuhh, das reicht aber auch für's Erste. Schließlich SIND wir noch überhaupt nicht fit!

Es hat sich gelohnt - super Aussicht!
 

Lemmenjoki - Wildnis pur

 
Als wir 2016 im Sámimuseum in Inari waren, lernte ich zum ersten Mal über den größten finnischen Nationalpark Lemmenjoki, eine zusammenhängende Wildnis rund um den gleichnamigen Fluss. Damals schien diese Landschaft so undurchdringlich und weitab von jeglicher Zivilisation (abgesehen von den Samen), jetzt war ich vor Ort und wollte natürlich unbedingt dort wandern gehen, Wetter hin oder her. Wenigstens ein bisschen.
So machten wir uns an unserem "Ruhetag" ohne Gepäck an die letzten gut 10 km zum Wanderparkplatz. Was für ein anderes Fahrgefühl! Aber gut - so wie die Straße Wellen warf...

mystische Regenlandschaft auf dem Weg

Startpunkt des Naturpfads

Muurahaislampi ("Ameisenteich")

Wald pur und unberührt. Selbst die Wanderpfade sind nicht menschen-, sondern rentiergemacht.


Was meint ihr, welcher Baum kommt in diesen nördlichen Breiten nicht mehr vor? Hören zuerst die Laubbäume auf oder vielleicht doch der eine oder andere Nadelbaum...? (Denkt doch mal kurz drüber nach bzw. ratet, bevor ihr weiterlest!)

Keine Überraschung: Kiefernwälder gibt es natürlich noch und nöcher!

 
Birken übrigens auch. Aber sind irgendwelche Fichten zu sehen?
Nein, deren natürliche Grenze liegt am südlichen Rand des Parks, die wir natürlich längst überschritten haben! Hatte ich vorher nie drüber nachgedacht...

Der versprochene Starkregen blieb aus und am Abend kam an unserem traumhaften Campingplätzchen sogar noch die Sonne raus!



Campingplätze sind bei uns auch sehr beliebt für den Luxus des Wäschewaschens und einer heißen Dusche ;)

Am nächsten Morgen schien wieder traumhaft die Sonne. Ein guter Grund, den Nationalpark noch auf einem anderen Weg als zu Fuß zu erkunden - DEM Weg schlechthin: auf dem Lemmenjoki.

 
Das Ziel: Der Wasserfall Ravadasköngäs. Um bis dorthin zu wandern, war am Vortag nicht genug Zeit bzw. für unseren Geschmack eine zu schlechte Wettervorhersage gewesen. Alles richtig gemacht! So gab es den Park nicht nur aus einer neuen Perspektive, sondern auch in einer ganz anderen Lichtstimmung! 
Und ich konnte wieder einmal erfreut feststellen, dass einem die Fähigkeit, über unsere Erde zu staunen, auch nach den vielen verschiedenartigsten Landschaften, die ich schon besucht habe, immer noch nicht verloren geht. Da oben gibt es doch nur Wald? Ja, aber was für einen! Wow!




"Kaapin Jouni" - Landmarke im Park, Ende des 19. Jahrhunderts gegründeter Hof zur Rentierzucht, noch bis 2004 bewohnt
 

Weiter nach Inari

 
Am Nachmittag hatte ich das Gefühl, schon super viel gesehen und erlebt zu haben, aber erst jetzt ging es wieder auf die Straße in Richtung Inari. Sonnenschein, so weit man schauen kann. Zum Glück kühlte der Fahrtwind :)

 
Eigentlich war kein Regen mehr vorhergesagt, aber wir kamen dem Norden Lapplands immer näher. Pünktlich in Inari verdunkelte sich der Himmel. Das erinnerte schwer an vor fünf Jahren! Ist das Wetter hier immer so? 
Essen mussten wir sowieso, das traf sich gut. Vom letzten Mal kannten wir da ja noch so einen vorzüglichen Platz, wo es sogar ein kleines Vordach für unsere Räder gab. Zeit für Folge zwei der Serie "Underdressed im Hotel Inari"! :D
Ich fürchte, dieses Mal waren wir NOCH unpassender angezogen für ein gutes Hotelrestaurant als damals. Zum Ausgleich haben wir ein umso besseres Menü bestellt und so vielleicht finanziell ein wenig für unser Erscheinungsbild wieder gutgemacht... Und in weiteren fünf Jahren Folge drei? ;)

Ein guter Platz, um die Wetterentwicklung zu verfolgen. Inarisee - es gibt ihn auch im Sonnenschein!

Inari, die Stadt mit der größten Zebrastreifendichte EVER. Es geht so weiter, auch hinter der Kurve! :)

Die Straße nach Angeli (und darüber hinaus)

 
Ist heute wirklich noch der gleiche Tag, an dem wir morgens in einer Holzhütte aufgewacht sind und eine wunderschöne Bootstour unternommen haben? Muss wohl, auch wenn es schwer vorstellbar ist!

Wir haben Inari in nördlicher Richtung verlassen und auf den nur 4 km bis zu unserem Abzweig waren wir geschockt, wie sehr der Verkehr zugenommen hat. Im Vergleich zu unserer vorherigen Route sowieso, gefühlt aber sogar im Vergleich zur gleichen Strecke in 2016. Was waren wir froh, in die ruhigere Straße nach Angeli einbiegen zu können! 
Dort sah man auch gleich die Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerung, wenn man erst mal nicht mehr auf der Hauptstraße ist: Als wir anhielten, um unser Gepäck neu zu sortieren, setzte ein gerade vorbeigefahrenes Auto tatsächlich zurück, um zu fragen, ob bei uns alles ok sei oder ob wir Hilfe brauchen! Was Jori als typischem Finnen unangenehm war, beruhigte mich aber: Wenn in dieser demnächst echt verlassenen Gegend wirklich mal was wäre, wären wir zumindest nicht aufgeschmissen!

Der Rest des Tages war nicht mehr spektakulär. Es setzte doch noch mal Regen ein, wir interpretierten ein (verwirrend geschriebenes) Schild falsch und fuhren so auf der Suche nach einer vermeintlich nahen Wildnishütte 4 km in einen Wald hinein, aus dem wir unverrichter Dinge auf der gleichen Holperstraße wieder herausmussten, fanden aber schließlich doch noch einen geeigneten Schlafplatz.

Die Mückensituation war nicht mehr so schlimm wie im "Fiaskowald", aber immer noch kein Grund zur Freude - außer über das Moskitonetz zwischen uns und ihnen ;)
 
Nächster Tag, aller guten Dinge sind drei: Nach Lemmenjoki-Nationalpark zu Fuß und Lemmenjoki-Nationalpark per Boot jetzt auch noch Lemmenjoki-Nationalpark mit dem Rad! :)


Wald, so weit das Auge reicht. Hier sind die drei Autos pro Stunde eine realistische Schätzung.

Und die Luft ist so frisch, wie man sie in Deutschland vielleicht nirgens mehr bekommt...

Blicke bis nach Norwegen

Angeli: nicht nur hier, aber auch hier blüht es am Wegesrand
 
Ab jetzt führte unsere Route an der norwegischen Grenze entlang. Mal sah man sie (in Form des Flusses), mal war der Weg auf beiden Seiten von Wald gesäumt. Immer noch ein herrlich ruhiges Stück Natur!

naturbelassen (zählt nicht mit beim Rentiercounter)

Man kann hier in schönster Lage und völliger Stille zelten!

Und sogar kochen, ohne vorher die Waldbrandgebiete zu googlen...

Wenn man auf dem Weg mal Flussblick hat, sieht es so hübsch aus!









Am Teno entlang nach Norden

 

Nicht benutzter Grenzübergang Nummer 1 ;)
 
Wir erreichten Karigasniemi gerade mit Einsetzen des bald täglichen Lapplandregens und mussten leider feststellen, dass die so nette Unterkunft von damals (wo wir pitschnass den Tee aufs Haus bekamen) momentan nicht als solche erkennbar ist. Hoffentlich nur in Renovierung und nicht wegen der Pandemie für immer geschlossen!
Zum Glück kann man sich hier auch anderswo eine Hütte mieten. Viel Komfort, nur der Weg zur Toilette grenzt an eine Bergwanderung - wenn man den nachts machen muss, ist man erst mal gut wach! ;)

Luxusfrühstück - der Ort hat einen Supermarkt!

Trotz kompakten Gepäcks schaffen wir es immer wieder, dass es aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen :D

Zum Glück hat der Regen über Nacht sein Ende gefunden. Ab hier wieder Asphalt, Hügel, noch mehr Wald...

... aber auch deutlich öfter Flussblick.

Steine hüpfen lassen und Sandbänke kucken

"Die schönste Straße Finnlands" - an Orten wie diesem möchte man's glauben!

Nur das mit den Zeltplätzen wird schwieriger, aber irgendwo findet man immer was.

In Norwegen liegt noch Schnee! Und irgendwer wusste, dass wir eine Pause brauchten...

Gerade erst die Essenspause hinter uns, aber dann machen wir halt gleich die nächste! Wer hätte auch ahnen können, dass es so kurz drauf ein Café gibt, wo der Kuchen auch noch so lecker aussieht (und schmeckt)!

Beschriftung der Box: "Sand". Ja, den braucht man hier...?!?

Wir nähern uns Utsjoki (und dem nicht benutzten Grenzübergang Nr. 2)
 
Und weil das ziemlich weit im Norden liegt, war mal wieder viiieel Regen vorhergesagt! Was machen wir dagegen? Schon wieder für zwei Nächte eine Hütte buchen und uns dem fügen, was da kommt...

Am nächsten Morgen allerdings: Überraschung! Die Sonne scheint doch! (NOCH...) 

Planänderung. Oder besser gesagt: zurück zum umgeworfenen Plan.
 
Also nutzten wir, dass wir ohne Gepäck unterwegs sein konnten und fuhren zum nördlichsten Ende der EU. Nur um dagewesen zu sein. Und um ein Foto mit dem berühmten Stein zu machen.

Nuorgam - nicht benutzter Grenzübergang Nr. 3
(technisch gesehen haben wir hinter dem Stein unsere Füße auf norwegischen Boden gesetzt)


Ihr fleißigen Leser wisst schon... Darf nicht fehlen ;)

Schlemmen ist wichtig! Das Eis ist hausgemacht.
 
Noch schnell ein Besuch im Supermarkt, denn hier gibt es tatsächlich einen großen, die haben Seltenheitswert! Mittlerweile drohte uns allerdings der Himmel schon wieder... Aber die Kassiererin meinte, diesen Aussichtspunkt dürften wir auf keinen Fall verpassen, wenn wir schon einmal in Nuorgam sind! Auf die Frage, wie weit es denn wäre: "Ach, das ist nicht so weit, aber sehr steil, kommt drauf an, wie fit ihr seid, vielleicht so zehn Minuten..." Zehn Minuten? Klar, das verpassen wir nicht, die nehmen wir uns!
 
Hmm... im Flachland vielleicht. Runter auch weniger. Aber rauf??? Eher 30! Aber wenn man schon mal da ist... 
 
Isokivenvaara. In der Tat, toller Rundumblick und wieder richtig ruhig hier. Aber der Regen am Horizont treibt uns zur Eile :(
 

 
Rückweg: Sehenswürdigkeit am Wegesrand: eine samische Farm. Eins der Häuser ist noch heute bewohnt - Fahrrad und Auto sahen aber eher modern als traditionell aus :)
 
Schlemmen ist wichtig, nächster Teil: Haben im Supermarkt Rentierfilet erstanden und Jori hat gekocht! Mjam! So kann man genießen, dass draußen wieder der Regen prasselt. Heute mal ein Hoch auf die unzuverlässigen Wettervorhersagen!
 

Wieder nach Süden

 
Ausnahmsweise. Die nächsten Tage entpuppten sich als eine Art Puzzlespiel. Wie puzzlen wir unsere Fahrabschnitte so zusammen, dass wir immer zum Regenguss gerade in einem Restaurant, einer Sehenswürdigkeit oder im Zelt sind? Pausen nicht nach dem Magen oder der Kondition, sondern einzig und allein nach dem Wetter.
War klar, dass wir das nicht durchweg schaffen. Immerhin sind wir aber nur ein einziges Mal richtig klitschnass geworden! Zum ersten Mal schaute ich gefühlt mehr in den Himmel als auf die Straße. Na ja, die war ja auch 'ne Hauptstraße. Für die nächsten Tage keine Stille mehr.


Zum Glück gibt es noch kleine Stücke Nebenstraße

Auch am nächsten Tag: Die Wolken drohen uns weiterhin. Aber wir radeln passend zum Wind und bleiben trocken, jee!
 
Was einem das Radeln auf der Hauptstraße schmackhaft macht, sind gewiss nicht die anderen Verkehrsteilnehmer. Aber das hier schon so'n bisschen:

Lappländische Weite I

Lappländische Weite II

Lappländische Sumpfgebiete

Lappländische Weite III
 
Im Gegensatz zu all den schönen, ruhigen Straßen bisher scheinen sich die Radfahrer allerdings alle für diese Hauptverkehrsader entschieden zu haben. Unser Vorteil: Bei einem Gespräch mit einem entgegenkommenden Rentnerehepaar erfuhren wir von den Vorzügen dieser Unterkunft und blieben dort, auch wenn ausnahmsweise mal KEIN Regen für den Abend vorhergesagt war!
Klare Empfehlung, wenn ihr mal dort vorbeikommen solltet: Neljän Tuulen Tupa in Kaamanen. Sehr günstige Hütten mit eigenem Kamin, ein Restaurant, wo man sehr satt wird und im Preis enthalten die selbst mit Holz zu beheizende uralte Ufersauna. Wow!

Vogel- und Eichhörnchenbeobachtung direkt aus dem Restaurant
 
Saunaterrasse. Im See war ich auch. Erfrischend!
 
Heiße Dusche. Aber die Lufttemperatur: ebenfalls sehr erfrischend ;)
 
5 km später schloss sich der Kreis, die folgende Strecke war bekannt. Irgendwann passierten wir Inari und hingen dort mehrere Stunden fest, bis die schlimmsten Wolkenbrüche vorbei waren. Also so langsam dürfte es jetzt wirklich mal wieder sommerlicher werden!

Inzwischen sind wir wahre Experten darin, uns mit dem Wind genau zwischen den Regenwolken treiben zu lassen ;)
 
Und haben auch ziemlich viel Glück damit, uns zum richtigen Zeitpunkt für Sehenswürdigkeiten am Wegesrand zu entscheiden. Hier die "Bärenhöhle" (weil sich der Legende nach mal jemand vor einem Unwetter hier untergestellt hat und erst am nächsten Morgen gemerkt haben soll, neben einem Bären im Winterschlaf genächtigt zu haben).

Fordern wir doch mal andere Muskeln! :)
 
Gut, dass der Eingang beschildert ist! :)

im Bärennest
 
Und kaum waren wir am Café/ Souveniershop, regnete es wieder. Aber wie heißt es so schön, nach Regen kommt Sonne! :D
 
Myössäjärvi
 
Ukonjärvi (den ich vor fünf Jahren versehentlich schon für den Inarisee gehalten hatte, sorry)
 
Nach all den Elchschildern endlich mal ein Rentierschild! Wo man die doch mindestens 300 mal so oft sieht!
 

UKK (Urho Kekkonen Nationalpark)

 
Da die Hauptstraße wirklich nicht unseren Vorstellungen von Ruhe entsprach, nahmen wir dankbar Googles Vorschlag an, 8 km mehr zu fahren und dafür einen großen Bogen um den Verkehrslärm zu machen. Der Bonus: ein weiterer Nationalpark (zumindest sein Rand, wo man mit Fahrrädern noch entlang darf) auf dem Weg!

Heidekraut in großen Mengen am Wegesrand, hübsch! :)

Die Straße landschaftlich auch, allerdings der Untergrund... Eher was für Mountainbikes ohne Gepäck als für Stadträder mit...

Nationalpark-Infrastruktur. Daumen hoch!

Schön hier, also für meinen Teil hat sich der Umweg gelohnt! Hatte zwischendurch allerdings schon ein bisschen Sorge, ob Reifen und Gepäck die Strapazen überstehen...

Aber haben sie zum Glück! :)
 
Der Umweg endete in Saariselkä, wo wir uns schon vor fünf Jahren aufgrund der Wetterlage ein Hotel gegönnt haben. Leider war dieses Mal das Spa (wohl wegen der Pandemie) geschlossen, aber "unser" Hotel gab es noch - langweilig, wie wir sind, blieben wir einfach da. Im Sommer ist das Preis-Leistungsverhältnis wirklich unschlagbar. Tolles Frühstücksbuffet für gerade mal 6,50 € pro Person! :)

Von Saariselkä bis Kemijärvi



Zaun in Vuotso, dem südlichsten Ende des Samenlandes

Wie vor fünf Jahren...

Eins von vielen Cafés an der Strecke - gestern zum Abendessen noch Pfannkuchen mit Frühlorchel oder Rentier, heute dann Kaffeepause mit Himbeer-Blaubeer-Pfannkuchen und Moltebeerenkuchen. Genau hier machten wir 2016 unsere erste Frühstückspause! :)

Die beiden kennen wir auch noch von damals :)

Abendmocktail in Sodankylä

So, jetzt haben wir bald die 250, was noch kommt, wird Bonus ;)

Es blüht am Wegesrand

Kairala - das Dorf, das als einziges der Gegend nicht im Krieg zerstört wurde. So viele tolle alte Holzhäuser. Und in diesem natürlich zur Freunde der Touristen wieder ein Café!

Pelkosenniemi, Heimat von Andy McCoy (Hanoi Rocks)

Von dort geht es dann wieder auf eine ruhigere, unbefestigte Straße. Die Ruhe ist super, gute Zeltplätze aber leider rar, so wird der Abend länger als geplant.

Endlich ein kleines Dorf mitten im Nichts mit Schild zu einer Badestelle. Klingt gut, nehmen wir! Und wie in einem Lied stellen wir (frei übersetzt) bald fest: "Die Sonne scheint und es regnet, es mag wohl Sommer sein".
 
Kurz vor Kemijärvi sagte Jori "I wonder what that plant is". Da waren viele Pflanzen am Wegesrand, also fragte ich nach: "Which one?" Er: "The big one." Mir war zwar klar, dass er nicht die Kiefern meinen kann, aber ich versuchte es als Witz, denn es waren nun mal wirklich die größten weit und breit! Und ganz unabsichtlich behielt ich Recht. Doppelbedeutungen...

"The big plant" - holzverarbeitende Industrie. Und das hier ist nur ein Bruchteil der Lagerflächen, es scheint, als wäre bald halb Lappland gefällt! Aber wir haben ja zum Glück gesehen, dass der Wald trotzdem noch steht ;)
 

Endspurt zum Mökki

 
Unsere Tour näherte sich also ihrem Ende. Zwei Wochen und zwei Tage nach unserem Start wussten wir, dass heute der letzte Fahrtag ist. In der "Bar um die Ecke" vom Mökki (also nur gut 40 km entfernt von da ;) ) kamen wir gerade noch rechtzeitig für ein typisches Hausmacher-Mittagsbuffet an. Wie schon erwähnt, Essen ist wichtig! :D

Die Landschaft ab dort war viel schöner, als ich sie von meiner letzten Durchfahrt mit dem Auto in Erinnerung hatte. Vielleicht bekommt man mit dem Fahrrad einfach eine andere Sicht auf die Dinge?


 
Jee, Sommer! :)



Zurück im Süden! Wieder am Polarkreis. Deswegen scheint also endlich wieder so herrlich die Sonne!


Lappland. Man muss sich sein Abendessen erst mal verdienen! ;)

Aber es wartet bereits auf uns. Joris Vater war angeln! Und die Sauna ist auch schon heiß...
 
Irnijärvi im Sommer. 1100 km liegen hinter uns uns Nichtstun vor uns.

 
Nachbarn.

Und wenn man dann nichts mehr zu tun hat, findet man wieder was zu tun:

Moltebeeren sammeln!


Eigentlich braucht man aber auch nichts zu tun außer Ruhe und Sonne zu genießen und in die Sauna zu gehen.

Oder in den See.
(Jori bekommt man immer noch nicht rein. "Zu kalt" ist die offizielle Begründung, aber ich glaube ja fast: zu nass! ;) )

 
Und nach drei Nächten am Mökki, viel Entspannung sowie dem vermutlich besten Schlaf des bisherigen Jahres ging es dann wieder zurück in die Stadt.

Nightwish-Livekonzert für nullu - in Pandemiezeiten hätte ich mir kein Ticket für ein 20000-Leute-Festival gekauft, aber vom gegenüberliegenden Ufer hört man auch noch ganz gut :)
 
Spätfolgen der Tour: Jetzt waren aber wirklich neue Mäntel fällig!
 
Was außer ihnen und vielen Fotos, Erinnerungen und (vorerst) Beinmusekeln noch von diesem Urlaub bleibt, sind der neu geprägte Begriff des "Lapin tihku", was so viel heißt wie "lappländischer Fisselregen" und von uns im Besonderen für solchen eingesetzt wird, der nicht vorhergesagt war, sowie "Lapin lisä", das, frei übersetzt, "lappländische Extra" - ein Phänomen, dass Entfernungsangaben mit zunehmenden Hügeln unpräziser werden, als ob Schilder nicht die tatsächliche Weglänge, sondern nur die Strecke auf einer imaginären Projektionsebene angeben. Als ob das irgendwem was nützte...

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