Mittwoch, 10. August 2016

Grandiose Landschaft, echte Städte

So langsam wird es Zeit für Teil drei unseres Roadtrips. Ein Sorry an meine erwartungsvollen Leser, doch ich habe es einfach nicht eher geschafft - und wenn ich es weiter aufschiebe, muss es wahrscheinlich noch ganze zwei Wochen warten, also jetzt oder nie!

Am Nachmittag des schönen, sonnigen Tages verließen wir also Honningsvåg. Mit dem Bus - ja, schon wieder! - in erster Linie, um die Tunnel auch auf dem Rückweg sicher zu passieren, aber auch, um Zeit zu sparen, denn diesen Teil der Strecke waren wir ja schon in Gegenrichtung geradelt, das ließ sich also gerade noch mit unserem Gewissen vereinbaren.

Im altbekannten Dörfchen Olderfjord schwangen wir uns wieder in den Sattel. Unser nächstes Ziel: Hammerfest.

Dafür hieß es erst mal rauf auf den nächsten Berg. Aber wo's rauf geht, geht's auch wieder runter und zwar derartig dauerhaft, dass es die wahre Freude war! Leider war es inzwischen bedeckt, aber die Straße war ruhig und die Blicke weit... Trotz des späten Starts würden wir gewiss noch einige Kilometer machen können!

Aus einigen Kilometern wurden noch einige mehr, denn es ging weiter bergab - war der Berg wirklich soo hoch gewesen? - oder vielleicht war es auch einfach nur eben und wir hatten zur Abwechslung mal keinen Gegenwind... Auf jeden Fall machte es einfach Spaß. Trotz der späten Stunde. Oder vielleicht auch gerade wegen ihr? Abgesehen von einer Schlange von Kirmesfahrzeugen war wirklich wenig Verkehr! Und mit der Zeit wurden die Meerblicke auch immer schöner.

Dort am Wasser haben wir ein seltsames Phänomen entdeckt:
Wie kommt es, dass Unmengen von Enten exakt gleichzeitig vom Ufer aus losfliegen, allerdings so flach überm Wasser, dass es spritzt? Ist es eine Jagdtaktik? Wir konnten nichts erkennen, was sie erschreckt hätte und konnten dieses Verhalten mehr als einmal beobachten!

Weiter ging's vom einen Dörfchen zum nächsten, vorbei an viiiel Landschaft.
Wer die Wettergeschichte ein bisschen verfolgt hat, wird sich jetzt denken, wie spät war es denn? Müsste es nicht längst regnen?
Richtig, da fielen auch schon die ersten Tropfen. Also schnell umgeschaut und ein paar hundert Meter weiter einen "halbwegs tauglichen" Platz gefunden. Zelt hingestellt, Sachen reingeworfen und schwupps, fiel der Regen auch schon in Strömen.
Der Uhr nach wurde es wirklich Zeit für unser Nachtlager, aber ich hätte noch so weiterfahren können, es war soo schön!

Wie jeden Morgen war ich auch am folgenden wieder früher wach als Jori - nicht zuletzt, weil unser Zelt inzwischen eine Sauna war. Sonne, obwohl Regen versprochen war! Es geht also auch andersrum, yay! :)
Also habe ich einen kleinen Morgenspaziergang gemacht.
"Halbwegs tauglich"? Wunderschön!


Autos hinter mir? Stört mich doch nicht!
U-ooo, was ist das denn...?
Gegen Mittag ging's weiter. Und wie so oft waren wir da nicht allein. Allerdings haben wir etwas auf dieser Tour gelernt: Fahrräder sind viel bedrohlicher als Autos!
Ich kenne zwar auch einen äußerst süßen Husky, der dieser Meinung ist, aber ich hielt das für eine Ausnahme. Doch die Rentiere ganz Lapplands und der Finnmark schließen sich an!

Hilfe, Fahrradfahrer!
Inzwischen war gar nicht mehr viel Strecke bis Hammerfest übrig. Wirklich schade, wenn sie doch so aussieht:




Aber auf die Stadt hatte ich mich ja auch schon gefreut. Laut Werbesprüchen keine geringere als die "nördlichste Stadt der Welt"!
Also ich hatte ja erst tags zuvor eine nördliche mit eigenen Augen gesehen - aber das zählt wohl nicht. Als Honningsvåg Stadtrecht erhielt, haben die beiden anscheinend eine Art Werbevertrag geschlossen. (Und um ehrlich zu sein, Hammerfest fühlt sich auch viel mehr nach Stadt an!)

Es ist schön, sie im Sonnenschein zu sehen, doch bei diesem Wetter kommt es einem fast wie  Verschwendung vor, Geld für ein Hotelzimmer auszugeben. Aber mitten in der Stadt zeltet es sich so schlecht... Haben also dieses Mal einfach nur den übertriebenen Luxus genossen. Und natürlich einen Bummel gemacht. Um zu sehen, was an einem Sonntag zu sehen ist. Läden jedenfalls nicht...
Dafür hat die (erstaunlich morderne) Stadt eine schöne, neu anmutende Uferpromenade und auch ein bisschen Architektur zu bieten.




Und Meeresgetier! Viele große Quallen und noch mehr kleine Fische.

Und Kuriositäten. Oder schwarzer Humor?


Wenigstens haben wir ein für norwegische Verhältnisse günstiges Restaurant entdeckt. Nur umgerechnet sechzehn Euro für eine Pizza, von der zwei satt werden! Normalerweise kostet die einfache schon mindestens zwanzig... Ja, wir mussten es schon mehrfach feststellen, Preise sind hier locker anderthalb mal so hoch wie in Finnland. Auswärts essen ist auch zu Hause nicht gerade günstig, aber hier erreicht es eine neue Dimension... Aber im Urlaub vergisst man das dann auch ganz schnell wieder. :)

So. Über die Hälfte unserer Zeit ist schon rum. Wie fahren wir denn nun weiter? Diese Frage beschäftigte uns natürlich, nachdem wir Hammerfest gesehen hatten. Es gab mehrere Alternativen. Unsere verbleibende Reisezeit wurde gegen Kosten und Abfahrtszeiten von diversen Verkehrsmitteln sowie Prioritäten verschiedener Orte abgewogen und heraus kam... dass ich mir einen Traum erfüllte und gleichzeitig die Gewissheit erlangte, dass ich die Gesamtstrecke mit gutem Gefühl um dreißig Jahre vertagen kann: Eine Schifffahrt auf der Hurtigrute.

Die Trollfjord lag gerade im Hafen, also gingen wir an Bord und kauften uns Tickets nach Tromsö, Abfahrt in anderthalb Stunden.
Den Rest des Tages, insgesamt 11 Stunden, verbrachten wir also auf Rentnerkreuzfahrt.
Nichts gegen Rentner und auch nicht gegen Kreuzfahrten (mit welchen ich selber noch keine Erfahrungen habe, außer wie hier auf einem Fährschiff), aber es war schon eine Welt für sich... Insbesondere konnte ich leicht vergessen, dass ich mich in Norwegen befand - wo ich ging und stand, konnte ich in meiner Muttersprache mitverfolgen, was den Rentner auf See so bewegt. Nicht, dass ich das unbedingt immer wissen wollte... ;)

Insgesamt habe ich trotzdem die Fahrt sehr genossen - endlich Zeit, mein Buch zu lesen, immer wieder umwerfende Meer- und Bergblicke und das auch noch schön geschützt vor dem schlechtem Wetter.
Die Unterhaltungsmöglichkeiten an Bord sind etwas beschränkt, wenn man keine nassen Klamotten wieder einpacken möchte, aber ich denke, wenn ich selber in Rente bin, wird mir die Ausstattung voll und ganz genügen.



Schließlich war es halb zwölf, Einfahrt in Tromsö!


Verständlicherweise fielen wir an dem Abend nur noch in unsere Hotelbetten, aber wir hatten ja den ganzen nächsten Tag für unsere Erkundungen.
Und das ist schließlich das Schöne, wenn man mit den eigenen Fahrrädern unterwegs ist: Man kann einfach eine Rundfahrt machen. Über das eigentliche Zentrum hinaus erkundeten wir so auch ein wenig die äußeren Gebiete. Das meiste zu sehen gibt es natürlich trotzdem in der Stadtmitte: Schöne Holzhäuser, nette Plätze und Gassen...




Und schließlich, architektonischer Höhepunkt: Die Eismeerkathedrale.


Auch wenn ich das Eintrittsgeld ziemlich happig fand (für eine Kirche! Inschusshaltenmüssen hin oder her, ich hätte gedacht, dass man das auch mit nur z.B. zwei Euro pro Person schon gut hinkriegen müsste), irgendwie wollte ich sie dann ja doch sehen. Und wenn alle so denken, ist schon klar, dass es sich lohnt...

Anschließend machten wir noch eine Wanderung auf den Fjellstua, den Hausberg von Tromsö. Der Weg war ziemlich steil und matschig, zusätzlich kamen wir unter unserer leider mal wieder nötigen Plastikverkleidung ordentlich ins Schwitzen, doch wenigstens die Aussicht hat sich gelohnt!

Für den Bergabweg entschieden wir uns für eine Alternativroute - weniger matschig, dafür noch steiler, direkt unter der Seilbahn entlang. (Die Quittung für das Benutzen solch ungewohnter Muskeln folgte dann auch prompt am nächsten Tag...)

Hier noch ein kleines Bild zu Kuriositäten, aufgenommen mitten im Zentrum: Anscheinend zapft man in Norwegen Stromkästen an, um sein Telefon zu laden. (Scheint ja ganz normal zu sein, aber falls es doch nicht gewünscht ist, verstecken wir mal den "Täter"...)

Um Tromsö herum gäbe es noch viele schöne Wandergebiete, doch das sportliche Ziel dieses Urlaubs lag nun mal mehr im Sattel als auf den eigenen Füßen und es lagen ja noch viele Kilometer bis nach Oulu vor uns, also ging es am folgenden Tag an die wirklich letzte Etappe: den Heimweg.

Der war wirklich wunderbar. Hinter Tromsö wurde die Fahrradroute öfter mal auf kleine Nebenstraßen gelenkt, so dass wir mehr durch ruhige Bauerndörfchen als auf der E8 fahren konnten. Landschaft, fast kein Verkehr, Idylle... So macht es richtig Spaß. Dafür sahen wir auch gerne über den erneuten Gegenwind hinweg...


Immer wieder fühlte ich mich an die Alpen erinnert.


Teilweise mussten wir zwar auf die E8 zurück, doch dann, um zwischen wildesten Felsformationen hindurch zu radeln, links Steilklippen, rechts Berge voller Wasserfälle durch die Schneeschmelze auf den Kuppen... Man hätte hinter jeder Kurve fünf neue Fotos schießen können, so schööön war es! Schließlich hatten wir dann eine weitere Dorfstraße erreicht und hätten den Kilometern und dem Hunger nach gerne bald ein Plätzchen für unser Nachtlager finden können.


Der Nachteil dieser Landschaftsgestaltung liegt allerdings darin, dass es verdammt schwierig ist, einen Zeltplatz zu finden. Über 150 m Abstand von Häusern zu halten, wenn alle 300 m eins steht, ist eine Herausforderung! Wenn mal mehr Platz ist, ist es garantiert entweder ein bewirtschaftetes Feld oder eine dschungelartige, meterhohe Wiese, auf der man ohne Machete kaum durchkommt, geschweigedenn ein Zelt aufstellt. Wir suchten also geschlagene 15 km - was aber hier nicht so schlimm war, denn der Abendregen blieb aus (!) und alles, was wir heute schafften, mussten wir ja morgen nicht mehr.

Der nächste Tag hielt gleichermaßen Landschaft für uns bereit - Norwegen ist SCHÖN!


Nach einiger Zeit erreichten wir den Abzweig Richtung Kilpisjärvi und verließen den Fjord, um uns langsam, aber sicher daran zu machen, Finnland zu erklimmen. Diese Farben! Kein Meer mehr, aber schön auf völlig andere Art. Irgendwie mussten wir ja auch belohnt werden - auf 562 m lag der heutige Höhepunkt der Straßen und die Sonne kannte kein Erbarmen.


Neben uns ein bewaldetes Flusstal, das sich langsam weitete und nach wie vor Berge! Selbst, als wir bergab mit beinahe überhöhter Geschwindingkeit durch die Zollstation ins EU-Land rollten, immer noch Bergblicke! Finnland ist wirklich nicht überall so platt wie in Oulu!


In Kilpisjärvi fanden wir ein Zeltplätzchen am See. Aussicht: umwerfend. Mückenlage: spitzt sich zu.


In Norwegen herrschten keine guten Bedingungen für die Quälgeister. Anfangs noch zahlreich, hatten sie sich innerhalb der letzten Woche quasi komplett verflüchtigt. Fast hatten wir vergessen, dass es sie noch gibt! Auch hier in Kilpisjärvi herrschte noch nicht der gleiche Kriegszustand wie zu Beginn unserer Reise, aber wir bekamen zu spüren, dass es nicht ewig so friedlich weitergehen kann...

Für uns ging es von hier aus aber erst mal weiter bergab und bergauf. Auf U-Straßen, die nur ein wenig besser sind als vor Karigasniemi sausten wir runter und quälten uns wieder hoch, bis wir ihn schließlich erreichten: Den höchsten Punkt finnischer Landstraßen. Yay, zumindest im Schnitt geht's von nun an bergab, was ganz im Gegensatz zum Sprichwort hier mal wahrer Grund zur Freude ist!


Allerdings hat die Sonne heute noch weniger Erbarmen als gestern. Es klingt verlockend, in einen der vielen Flüsse zu springen, nicht zuletzt, um nach der letzten Tromsöer Hoteldusche mal wieder etwas Körperpflege zu betreiben. Und warum nicht, wir haben ja inzwischen nun wirklich alle Zeit der Welt!
Ich sag' euch, warum nicht: Diese Flüsse sind a....kalt. Jori war mit den Füßen drin und quasi sofort quietschend wieder draußen. Mit Wasser hat er's einfach nicht. Aber wenn schon, denn schon, dachte ich mir, stinkig, wie ich mich fühlte... Tadaa! Geht doch! :)


Diese Pause hat Spaß gemacht, aber schwitzen tun wir auch den Rest des Tages über in der prallen Sonne. Gut, dass wir abends wieder an einem See rasten können - allerdings leider mit weiter verschärfter Mückensituation...


Manchmal sind es die kleinen, unerwarteten Dinge am Wegesrand, die unsere Fahrt auch am nächsten Tag abwechslungreich gestalten. Wenn schon die Landschaft kaum noch Abwechslung zu bieten hat. Schon seit Kilpisjärvi, also über einen Tag lang, nichts als eine Straße, gesäumt von Wäldern. Immer noch schönen Wäldern und Hügeln, aber nichts so wirklich Neues mehr. Hohe Berge sieht man nicht mehr, nur ab und zu Wasser. Und keine einzige menschliche Siedlung. Wir erwarten in Vorfreude die nächste Stadt, um mal wieder Brot nachzukaufen.

Und so sieht eine alle rund 100 km mal vorkommende finnische Stadt aus: Eine Tankstelle mit angeschlossenem Minimarkt sowie Caférestaurant, ein Souvenirshop und ein Parkplatz, der auch für Busse reicht. Das ist das Zentrum. Drumherum in einigem Abstand das eine oder andere Holzhaus, wovon vielleicht ein weiteres eine Snackbar beinhaltet oder zwei, drei Gästezimmer. Fertig ist sie, groß genug, auf jeder Landkarte zu erscheinen. Klar, wenn es auch sonst keine Zivilisation gibt!

Allerdings erwartete uns ausgerechnet hier unsere nächste Überraschung des Tages - in Form einer unerwarteten Begegnung.
Wir waren gerade nach einer ausgiebigen Mittagspause wieder aufgestiegen und ein paar hundert Meter weit gekommen, da sah Jori jemanden wild aus dem Autofenster winken. Ich selber hatte natürlich nichts bemerkt. Er meinte, es ginge weit über den gewöhnlichen Gruß eines Wohnmobilfahrers hinaus - entweder das sei jemand Verrücktes oder jemand, der uns kennt. Und da eine gewisse Ähnlichkeit zu meiner Freundin Hilde bestanden hätte... Ein Blick auf mein Handy bestätigte es: "I just passed you!" Sie hatte spontan eine Woche Urlaub in Norwegen vor! Woraufhin wir unsere Mittagpause noch ein wenig weiter ausdehnten...

20 km später passierten wir eine Rentierfarm mit spärlichem Erfrischungsgetränkeverkauf. Das Highlight: Ein erst zwei Monate altes Rentier, dessen Mutter bei der Geburt gestorben war und das von der Herde nicht angenommen wurde, wohnt nun als "Haustier" auf der Farm, bis es ohne Flasche überleben kann. Jori hatte sichtlich Spaß, während es an seinem Daumen nuckelte!

Ja und sonst? Es gab noch diese raren Augenblicke, in denen sich wieder ein wunderschönes Stück Landschaft auftat. Wie dieser See hier.
Aber die meiste Zeit ging es durch Wald. Wald, Wald und noch mehr Wald. Gefühlt seit drei Tagen nichts als Wald. Was sich schleichend ändert, ist die Höhe der Bäume. Gegen die Sonne hilft uns das aber leider auch nicht, wenn die Schatten erst am Spätnachmittag beginnen, langsam die Fahrbahn zu berühren.


Es ist natürlich immer noch schön. Ich fühle mich fitter als je zuvor auf dieser Tour, vielleicht weil es im Schnitt bergab geht oder vielleicht (=hoffentlich) auch, weil langsam wirklich ein Trainingseffekt einsetzt. Außerdem ist die Straße vielerorts von Blumen gesäumt. Blühendes Heidekraut oder wollige Sumpfpflanzen, je nach Untergrund. Es ist unglaublich, wie viel im Sommer blüht! Ob in Norwegen, ob in Finnland, überall blüht es farbenfroh, wie ich es kaum für möglich gehalten hätte bei den langen Wintern. Im Sommer gibt die Natur alles!



Aber abgesehen von den Blümchen Wald, Wald und Wald.
Weitere 30 km später zwei Souvenirläden, die sich mit ihren Heißgetränk-plus-Gebäck-Angeboten gegenseitig derart unterbieten, dass man einfach zuschlagen muss.
Und im Anschluss daran wieder Wald, Wald und Wald. Ich will es ja nicht wirklich zugeben, aber irgendwie ist es langweilig. Wenn nicht das Fahren selbst gerade so viel Spaß machen würde...

Auch im Wald ist es je nach Dichte des Bewuchses nicht immer einfach, einen Zeltplatz zu finden. Aber mit zunehmender Uhrzeit wird wenigstens die Temperatur erträglicher, also fahren wir bis nach zehn (ohne Regen!) weiter, bis wir endlich einen guten Platz finden.
Und beim Abendessen spontan die Busfahrpläne wälzen. Jori hat seit Tagen Schmerzen im Handgelenk, die eher schlimmer als besser werden und möchte gerne recht bald nach Hause. Die Sonne verbrennt uns eh. Ich will einerseits nicht wahrhaben, dass dies bereits unser letzter Abend sein soll da draußen in der Natur, wo ich das Draußensein doch so genieße. Andererseits, hatte ich nicht eben noch selbst gedacht, wie langweilig die Straße doch eigentlich ist...?
in Muonio
Wir einigen uns darauf (wenn auch meinerseits etwas schweren Herzens), zumindest zu versuchen, morgen in Muonio den Bus zu erwischen.
Fast hätten wir ihn verpasst. Nicht, weil wir zu spät waren, nein, es war sogar noch Essen beim -wie unerwartet- Thailänder drin, aber der Bus hatte schlichtweg Oulu-Rovaniemi-Blablaba-...-Tromsö angeschlagen, wodurch wir ihn für die Gegenrichtung hielten (auf einem Tankstellenparkplatz ist die Fahrtrichtung nicht an der Straßenseite zu erkennen). Gut, dass wir noch mal gefragt haben!

Tja, von da aus ging es dann "ganz schnell" innerhalb von nur 7 Stunden nach Hause. Und das war er auch schon, unser Roadtrip.


Und was war nun das Schönste der gesamten Reise? Ganz gewiss die norwegische Küstenlandschaft.
Im Nachhinein finde ich es geradezu schade, dass wir nicht über Land nach Tromsö gefahren sind, zeitlich hätten wir es doch schaffen können. Wir hätten so viel mehr davon gesehen! Anderseits hätten wir andernfalls ja das Schiff verpasst, was ebenso schade gewesen wäre.
Bei aller Landschaftsschönheit würde ich aber doch sagen, dass der Tag am Nordkapp als einzelner Tag der spaßigste der ganzen Tour war.

Traurig, irgendetwas verpasst zu haben?
Nur ein bisschen. Hätten wir doch den Landweg genommen, wären wir durch Alta gekommen und hätten die prähistorischen Felszeichnungen sehen können. Vielleicht ein andermal.
Und dann war da noch das Dreiländereck in Kilpisjärvi - das nördlichste der Welt, wohlbemerkt! Zunächst waren wir beide völlig begeistert von der Idee, es zu besuchen, auch wenn dass eine 22 km Wanderung einschloss - den einen Tag extra hatten wir ja locker! Aber kaum kamen wir dort an, stellten wir fest, dass die Wanderung 24 km lang sein würde. Also das war Jori nun wirklich zu weit! :D
Es gab auch noch ein Touristenschiff, das die Wanderung deutlich verkürzte, aber dann fand ich das wiederum doch recht teuer, um im Prinzip nichts weiter als eine überdimensionierte "Boje" (Betongrenzstein?) anzukucken. Also cool wäre es schon gewesen, dort gewesen zu sein. Vielleicht also auch das beim nächsten Mal, wenn wir noch mal dort vorbeikommen sollten...

Und wenn ich noch mal fahren würde, was würde ich anders machen?
Ich würde mir noch mehr Zeit nehmen. Selbst, wenn es kein einziges "Muss" bei dieser Reise gab, abgesehen vielleicht vom Nordkapp, wollte ich doch so gerne noch Tromsö sehen, dass ich mich ständig ein wenig selber unter Zeitdruck gesetzt habe. Wer weiß, wie viel rechts und links des Weges noch eine Erkundung wert gewesen wäre, wenn ich nur bereit gewesen wäre, mich darauf einzulassen...!


Zum Abschluss noch ein wenig Statistik:

- Wir waren -viel zu kurze- 21 Tage unterwegs, hiervon 12 Nächte im Zelt, 6 in Motels/ Hotels/ Hostels und 3 in Hütten. (Wobei viel zu kurz relativ ist - den Sonnenaufgängen nach es handelte sich eigentlich nur um zwei Tage, von denen der erste 20 Tage lang war.)
- Wir haben rund 1050 Fahrradkilometer zurückgelegt, zusätzlich hierzu Etappen mit Auto (334 km), Bus (678 km), Taxi (65 km) und Schiff (schwer zu sagen).
- Unsere Durchschnittsgeschwindingkeit einer "normalen" Tagesetappe lag je nach Höhenprofil, Wetter und Fitnessgrad zwischen 13,5 und 17,8 km/h
- Wir erreichten eine aufgezeichnete Höchstgeschwindigkeit von 55,1 km/h (im Regen hatte mein Tacho mehrere Ausfälle, darunter an der steilsten Abfahrt - Joris Tacho zufolge dort 60 km/h. Persönliche Anmerkung: Meine Wohlfühlgrenze wird bei etwa 40-45 km/h überschritten, die meiste Zeit versuchte ich, darunter zu bleiben.)
- Unsere längste Tagesetappe betrug 102 km.
- Die "technischen Probleme" beschränkten sich auf ein abgebrochenes Stück Fahrradhelm (nachdem unsere Räder draufgefallen waren). Keinen einzigen Platten oder andere Reparaturen, abgesehen von mehrmaligem Ölen der Kette! Wir freuen uns, dass Kulkuri und Kaunotar so tapfer mitgemacht haben! (Die beiden sind zu deutsch übrigens Susi und Strolch - und diese Namen haben nicht mal wir vergeben, unsere Räder wurden bereits vem Hersteller so getauft!)

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