Wer am Wochenende viel unternimmt, muss die To-Do-Liste nach Feierabend abarbeiten. Und wenn die Arbeit so viel Arbeit macht, dass der später anfängt als er sollte, schrumpft die Zeit zum Ausruhen rapide zusammen. Aber deswegen auf die Freuden im Alltag verzichten? Auch keine wirkliche Lösung. Also stattdessen noch mehr arbeiten und dafür dann zwei Wochen ganz frei machen? Vielleicht immer noch nicht die beste aller Lösungen, aber definitiv eine, die einem zwei wunderschöne, erholsame Wochen beschert! :)
Also den Arbeits- und privaten Terminkalender befragt, ein bisschen geschoben und tatsächlich einen Zeitslot gefunden, der funktionierte! Jetzt musste nur noch kurzfristig ein Ziel her...
Einen Gutschein für eine Unterkunft hatten wir auch schon, aber wo war der im passenden Zeitraum einzulösen? Am liebsten irgendwo nicht ganz so weit weg, wo aber Anfang Mai schon schönes Wetter ist...
Na ja, ist dann doch weiter geworden als geplant. Immerhin ein Ort, wo es das ganze Jahr über schönes Wetter hat: Die Kanaren. Teneriffa.
Das erklärte Ziel lautete Erholung. Das funktioniert bei mir am besten mit einem ausgewogenen Verhältnis von Faulenzen (für die körperliche) und Aktivität (für die geistige). Die Voraussetzungen hierfür waren schon mal nicht schlecht:
![]() |
| Und was auch gaaanz wichtig ist: Gutes Essen! |
So viel zur faulen Seite der ersten Woche. Nicht verwunderlich, dass es von der aktiven Seite etwas mehr zu berichten gibt! ;)
Der erste Ausflug führte uns in die
Caldeira de las Cañadas.
Schon der Weg dahin ist die Fahrt wert - zunächst fährt man durch kleine Orte und viel Landschaft nach oben, vorbei an zahlreichen, teilweise sogar blühenden Kakteen und, ganz besonders hübsch, unendlich viel gelbem Mohn (und anderen Blumen) am Straßenrand:
Weiter oben geht es dann kurvenreich durch kanarischen Kiefernwald.
Hinter Vilaflor kann man ein ganz besonderes Prachtexemplar dieser Spezies besuchen: "Pina Gordo". Beeindruckende Größe!
Wenn man den Wald hinter sich gelassen hat, kommt Vulkanlandschaft. Unser Ziel: Eine kleine Wanderung auf ca. 2150 m Höhe, bei den "Los Roques" am Fuß des Teide. Die Aufgabenstellung des Reiseführers: "Suchen Sie sich einen möglichst wolkenlosen Tag aus." Na, ich glaub, das haben wir geschafft. Von der möglichen Kälte in der Gegend war für uns nichts zu spüren, ganz im Gegenteil!
| Da ist er, der Teide. |
| Und hier beginnt unser Rundweg. Wetter wie im Backofen, aber auch unglaublich schöne Aussichten! |
| Ganz schön viel Leben hier für so eine karge Gegend! |
| Noch mehr Landschaft |
| Und die ersten Natternköpfe beginnen auch schon zu blühen! Was mag es erst prachtvoll sein, wenn sie alle so rot leuchten! |
| Und zum Ende des Tages gibt die Sonne dann noch einmal ihr Bestes, extra für uns! |
Diese Reise war nicht mein erstes Mal Teneriffa. Schon einmal vor gut 28 Jahren bin ich dort gewesen. Nach dieser langen Zeit sind natürlich viele Erinnerungen verblasst. Wirklich gut erinnern kann ich mich nur noch an vielleicht zwei Handvoll Dinge - unter anderem zum Beispiel daran, dass ich direkt aus meinem Bett Pool- und Meerblick hatte oder an die Tour auf dem Piratenschiff, wo ich zum ersten Mal außerhalb eines Zoos Delfine und Pilotwale sah. Tatsächlich auch an einen Zwischenstopp auf einem Busausflug, wo ich nötigst eine Toilette brauchte und mich mit meinen bis dahin kaum vorhandenen Englischkenntnissen durchfragen musste... aber am meisten immer noch an einen Ort, der mich damals schwer beeindruckt hat, denn er sah ungefähr so aus, wie ich mir das Paradies vorgestellt hätte:
Masca.
Klar, dass ich mir das Dorf knapp drei Jahrezehnte später noch einmal ansehen wollte!
Das hieß früh aufstehen, denn die Straße dorthin ist angeblich wirklich schmal. Ich wollte um jeden Preis vermeiden, dass mir dort in irgendeiner der Kurven ein größeres Touristenvehikel entgegen kommt!
Das war eine gute Entscheidung, denn erstens: die Straße IST verdammt
schmal! Und zweitens haben wir es so tatschlich ohne befürchteten
Zwischenfall in das Bergdorf geschafft.
| Auf dem Weg nach Masca |
Was mir von damals im Gedächtnis geblieben war, war der üppige Bewuchs des Tals. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass Masca über und über von Palmen bestanden war!
Das konnte ich dieses Mal gar nicht mehr so richtig nachvollziehen. Entweder, meine Erinnerung hat im Laufe der Zeit so einige zusätzliche Palmen in meinem Kopf angepflanzt oder das Tal hat sich doch selbst nach so vielen Jahren noch nicht völlig von dem Waldbrand 2007 erholt. Schön war es allerdings immer noch!
| Immer noch üppige Vegetation |
| Aber wie zum Xxx fahren sie hier in ihre Garagen? Doch fahren können sie wohl - wir sahen Autos an Stellen, da wären wir niemals auf vier Rädern hin! |
| Idylle. Weitere Teile des Ortes verteilen sich auf die umliegenden Hänge. |
Eigentlich wäre ich auch gerne noch ein wenig in die Schlucht von Masca hineingewandert, aber leider versperrte ein verschlossenes Tor den Weg. So schade das war, blieb so doch immerhin mehr Zeit, noch andere Orte anzuschauen. Weiter ging es also durch das Teno-Gebirge an die Nordküste.
| Interessante Erosion unterwegs |
Dort liegt Garachico, eine Stadt, die einst Handelsmetropole war, bis sich 1706 Lava über Hafen und Ort ergoss...
| Hübsche Altstadt (auch wenn wir uns nach der Beschreibung im Reiseführer etwas weniger Autos darin vorgestellt hatten) |
| Das ehemalige Hafentor, jetzt wieder freigelegt |
| Blick von der Plaza de la Libertad |
| Im Convento de San Francisco. Einige der Heiligenfiguren sind mehrere Jahrhunderte alt! |
| Das Fort und die Lava. |
Von Garachico aus ist es nur noch ein Katzensprung bis Icod de los Vinos. Und dahin fährt man in erster Linie, um ein Prachtexemplar von Drachenbaum zu bewundern. Es soll der größte der Kanaren sein, vielleicht sogar der Welt. Auch wenn er neueren Erkenntnissen zufolge nicht ansatzweise so alt ist, wie man früher vermutete. Aber ich finde, ein paar hundert Jahre sind auch schon was, müssen ja nicht gleich ein paar tausend sein! :)
| "Drago Milenario" |
Damit hatten wir gesehen, was wir uns für diesen Tag vorgenommen hatten und dachten, von nun an könne uns das Navi nach Hause führen.
Das ist sachlich nicht falsch, aber hätte ich geahnt, dass es so programmiert ist, dass es immer versucht, die der Luftlinie ähnlichste Route zu finden, hätte ich mich doch lieber auf die Karte verlassen!
Es führte uns durch Gassen, so steil, dass unser kleiner Mietwagen nur soeben im ersten Gang hinaufkam und ich an den engen Stellen jedes Mal gebangt habe, dass doch jetzt bitte kein Gegenverkehr... Eine echte Nervenprobe, gerade für jemanden, der wie ich doch eher selten am Steuer sitzt. Aber wie bei allen Dingen im Leben gibt es zwei Seiten der Medaille und auf der positiven kamen wir so durch Gegenden, die wir sonst nie entdeckt hätten!
| Großartiger Kiefernwald, saubere Luft, frischer Duft... hier möchten wir nochmal zum Wandern hin! |
Nach diesen anstrengenden letzten Kilometern haben wir uns ein gutes Abendessen in einem Fischrestaurant mit Terrasse am Meer aber wirklich verdient! Dazu machten wir den kleinen Abstecher nach La Caleta:
| Beste Lage für ein gutes Dinner! Und natürlich exzellenter Fisch! |
| Kitschig können sie hier auch :D |
| Und auch heute bietet die Sonne uns zum Abschluss eines erlebnisreichen Tages wieder ein Schauspiel |
Städtetour rund um die Insel
Nach einem wohlverdienten Faulenzertag waren die Reserven wieder so weit aufgebaut, dass wir eine weitere Rundfahrt unternehmen konnten. Erstes Ziel war Puerto da la Cruz im Norden der Insel (dieses Mal nach Karte und nicht nach Navi, war auch gleich schon viel weniger anstrengend). Parken in der Stadt ist zwar eine Katastrophe, aber nach vorgestern dürfen wir auch mal Glück haben - und hatten! :)
| Auf dem Fußweg vom Parkplatz zur Innenstadt kamen wir an diesem Friedhof vorbei - was ein Blumenmeer! |
| Ein kleiner Hafen und ein Denkmal für die Fischerei. |
| Frühstück in Top-Lage (leider kein Top-Service) mit dem süßesten Kakao meines Lebens. Der Löffel blieb beinahe stecken! ;) Aber manchmal kann Top-Lage ja auch schon genug sein. |
| wieder mal schöne alte Gassen und Holzbalkone |
Im Anschluss daran fuhren wir ein wenig landeinwärts. Und kamen zu meinem klaren Favoriten bei den hübschen Altstädten: La Orotava. Doch seht selbst:
Nicht nur die alten Gebäude mit prachvollen Holzbalkonen und der gelegentlichen Blütenpracht einiger Bougainvilleas machen was her, auch der "Jardín Victoria" ist echt hübsch:
Dritte und letzte Stadt auf unserer heutigen Rundtour war das Unesco-Weltkulturerbe von La Laguna (kurz für San Cristóbal de La Laguna). Die jetzige Universitätsstadt war einst Inselhauptstadt und die Altstadt im Kolonialstil ist seit ihrer Gründung sehr gut erhalten geblieben. Lange Straßenzüge und harmonische Fassaden, heute natürlich auch viele Geschäfte und Cafés.
Ein Spaziergang, um all das auf sich wirken zu lassen, war an diesem Nachmittag genau das Richtige für uns, doch für weitere Sehenswürdigkeiten wie Museen fehlte uns inzwischen doch die Energie... hatten schließlich schon viel gesehen heute!
Für den Rückweg wählten wir noch einmal den grüneren Weg Richtung Inselmitte, wo es auch den einen oder anderen guten Aussichtspunkt gibt. Schließlich ging es aber doch wieder auf die küstennahe Autobahn - ein zweites Mal durch die Caldeira wäre zwar schön, aber auch sehr zeitaufwändig gewesen.
Außerdem hatte uns der Reiseführer versprochen, in Los Abrigos könne man gut speisen. Bei all den kleinen Fischrestaurants muss man sich zwar erst mal entscheiden, wo man einkehren möchte, kann dann aber in aller Ruhe auf einer Terrasse am kleinen Hafen frischen Fang mit guter Soße genießen. Wäre es näher an unserem Domizil gewesen, wäre ich in Versuchung gekommen, noch einmal hinzufahren.
So viel zur ersten Woche. Sie bietet euch jetzt sicher erst mal genug an Lesestoff, so dass ich mich der zweiten in einem anderen Blogpost widme. Zwar habe ich momentan Urlaub, aber der ist auch schon wieder größtenteils mit allerlei schönen und leider auch einigen weniger schönen Aktivitäten verplant... Mal schauen, wann ich Zeit für die Fortsetzung finde, irgendwann bestimmt!
Bis dahin genießt den Sommer!



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen