Kaum war ich aus Finnland wieder da, stand Ostern vor der Tür. Das einzige lange Wochenende des Frühlings.
Schon vor der Pandemie hatten meine Freundin (die wanderbegeisterte, mit der ich bereits 2016 den Karhunkierros gelaufen bin) und ich eine bestimmte Wanderung angepeilt. Damals hatten wir allerdings nur drei Tage Zeit und nach genauerer Untersuchung lagen die Campingplätze auf dem Weg hierfür doch eher ungünstig - wir wollten ja schließlich keine Kilometer fressen, sondern die Landschaft auch genießen! So ist damals nichts daraus geworden.
In der Zwischenzeit sind unsere Träume ein bisschen weiter gewachsen, bis hin zu dem Wunsch, gemeinsam zu Fuß die Alpen zu überqueren...
Auch dieses Vorhaben war allerdings noch nicht konkret geworden, als sich herausstellte, dass der diesjährige Sommer sich dafür doch eher nicht anbietet.
Das brachte meine Gedanken zurück auf unsere früheren Pläne. Und das Schöne: Ich musste es nur aussprechen, da fing Katja schon an, wieder zu recherchieren und zu guter Letzt musste ich selber gar nicht viel tun, dass sich das Wochenende organisiert. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön dafür! :)
Es ist schon gut, wenn man von Natur aus nicht zu den Langschläfern gehört, wenn man an einem Feiertag um Viertel nach sechs das Haus verlassen muss... Vorfreude hilft natürlich auch. :)
Gut vier Stunden später konnte es richtig losgehen.
Und jetzt ist auch klar, was es mit dem Urwald auf sich hat: Ziel war der Urwaldsteig am Edersee!
Leider war das Wetter am Karfreitag noch nicht ganz so toll... aber immerhin trocken.
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Ostern steht vor der Tür
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Arme Schäfchen! :)
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Nachdem es im Ruhrgebiet schon richtig grün war, war ich doch ein bisschen enttäuscht, dass der Urwald noch eher auf Herbst als auf Frühling macht - aber Hauptsache, überhaupt Wald.
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Wenigstens blüht es stellenweise am Wegesrand!
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An diesem Abend steuerten wir einen Campingplatz in Bringhausen an. Und schon hier fing das Universum an, sich gut um uns zu kümmern. ;)
Zwei mögliche Zeltplätze zur Auswahl - entweder nah am Hauptgebäude oder auf einer Wiese weitab, aber dafür auch weitab der anderen Camper. Da ich die Tendenz habe, nachts doch öfter mal ein WC zu brauchen, probierten wir es zunächst auf dem nahen Platz, wo der Boden aber so steinig war, dass die Heringe einfach nicht rein wollten. Ein "Nachbar" bot uns einen Hammer an, doch da hatten wir uns schon entschlossen, doch noch einmal umzuziehen.
Und auf meinem nächtlichen -nun etwas weiteren- Spaziergang musste ich feststellen, dass besagter Hammerzelter schnarcht, als wollte er den gesamten Urwald in einer Nacht abholzen! Richtigen Platz gewählt! :)
Für das Frühstück war uns ein Bäckerwagen versprochen worden, nur wann der auftauchen sollte, hatten wir keine Ahnung. Wir hatten bereits komplett fertig gepackt und immer noch keine Spur von ihm, so dass wir uns schließlich doch entschlossen, loszuwandern und stattdessen nach dem steilen Aufstieg zurück auf den Steig unsere Notration zu vertilgen. Aber auch hier hatte das Universum seine Finger im Spiel: Gerade als wir den steilen Aufstieg begonnen hatten, kam uns der Wagen entgegen und hielt direkt ein paar Meter vor uns in einer Hauseinfahrt. Besser hätte es kaum passen können! Also Brötchen und gekochtes Osterei eingesammelt und schließlich im Wald bei toller Aussicht ein morgendliches Festmahl veransteltet. Inklusive Heißgetränk!
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Die erste Pause des Tages
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Das Wetter meint es heute wirklich gut mit uns
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Da, der Beweis: Wegweiser Urwaldsteig.
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Der Steig hatte schon am ersten Tag seinem Namen alle Ehre gemacht und so ging es auch weiter. Man stieg bergauf und stieg auch wieder bergab, nur um gleich darauf den nächsten Anstieg zu nehmen. Ich hatte ja den Verdacht, die hegen da die gleichen Absichten wie auf der letzten Etappe des Karhunkierros: Dass man noch mal richtig spüren soll, dass man was getan hat. Was war ich froh, dass ich nur mit dem Allerallernötigsten unterwegs war und das Gesamtgewicht des Rucksacks trotz Campingausrüstung und Wasservorräten unter 10 kg blieb!
Die Topographie hat natürlich auch ihre Vorteile - bisweilen gibt es tolle Aussichten!
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Eine der aussichtsreichen Stellen - hier allerdings etwas ab vom eigentlichen Steig auf dem Weg zu unserer Mittagspause
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Eine urige Berghütte in toller Lage für eine Pause - wäre der Eintopf bloß weniger salzig gewesen, hätte es perfekt sein können.
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An der Standseilbahn - die heute nicht fuhr und uns damit vor der Versuchung bewahrte, zu faul zu werden ;)
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Das hübsche Örtchen Hemfurth
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Von wo aus es wieder bergauf ging und ich nach einiger Zeit merkte, dass die nächste Pause nicht mehr allzulange auf sich warten lassen sollte. Aber es kam und kam einfach keine Bank mehr. Bis Katja beim Universum bestellte: Auf den nächsten 500 m möge doch bitte...
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Siehstewohl, klappt doch! Auf's Universum ist Verlass! :D
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Nach einer kleinen Stärkung und Ruhepause waren wir gerüstet für das letzte Stück bis nach Waldeck.
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Mehr Seeblicke
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Schloss Waldeck
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Und hier ist es auch richtig grün (und wir inzwischen sehr faul auf einer Abkürzung zum Hotel unterwegs)
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Ortskern von Waldeck - hübsche Fachwerkhäuser und mehrere Einkehrmöglichkeiten. Bei dem guten Wetter an einem solchen Wochenende war es allerdings gut, dass wir unseren Tisch zum Abendessen schon von zu Hause aus reserviert hatten!
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Morgen ist Ostern!
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Und zum Feiertag haben wir uns was richtig Tolles gegönnt. Da wir bei der Buchung ja noch nicht wissen konnten, wie das Wetter wird, war ein festes Dach über dem Kopf zwischen zwei Zeltnächten sehr willkommen - hätte es geregnet, um uns und unsere Sachen zu trocknen, so aber nun einfach, um ein wenig Komfort und eine warme Nacht zu genießen (bei ein bis zwei Grad muss man sich für eine ausreichend warme Nacht im Zelt nämlich in so viele Schichten Klamotten stecken, dass man sich dabei fühlt wie ein Michelinmännchen).
Besonderer Luxus: Für einen geringen Aufpreis konnten wir uns die hauseigene Sauna für den Abend mieten. Das Tüpfelchen auf dem I: Vom angeschlossenen Garten konnte man, während man sich abkühlte, den Blick über Hügel mit Wiesen und Feldern schweifen lassen, während der Wald im Hintergrund von den letzten Sonnenstrahlen angeleuchtet wurde. Und später ging dann genau hinter jenem Wald groß und leuchtend der Vollmond auf. Was ein Anblick! Wow!
Der weitere Vorteil eines Hotels: Das Frühstück erwies sich eines Ostersonntags würdig - neben dem Buffet gab es eine tolle Aussicht in einen sonnigen Garten. Perfekter Start in den Tag!
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Wieder auf dem Steig - heute schon mit etwas mehr grünen Spitzen an den Bäumen
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Noch nicht der sogenannte Knorreichensteig, aber man hätte den Abschnitt schon dafür halten können. Schöne Abwechslung nach all den Buchen!
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Endlich grün. Geht doch! :)
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Auch auf diesem Stück Weg immer wieder Ausblicke - heute meist direkt über den See
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Unser nächstes Nachtquartier - noch sieht es längst nicht so kalt aus, wie es später noch werden sollte...
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Auch wenn es schade war, dass man nirgends so richtig schön am See sitzen konnte, war der Platz doch in allen anderen Punkten gut ausgestattet und sein Restaurant hatte u.a. eine wirklich reichhaltige Gemüsepizza im Angebot. Genau das Richtige nach einem langen Tag Fußarbeit!
Trotz Temparaturen kurz vor Frost war mir in der Nacht -ob nun Dank Energiezufuhr oder Dank Michelinmännchenfeeling oder einer Kombination aus beidem- zum Glück warm genug und mit einem heißen Haferbrei zum Frühstück war auch die Grundlage für den letzten Wandertag gelegt.
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Wieder Traumwetter und interessante Wegabschnitte obendrein
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Wenn schon nicht die Buchen, dann doch wenigstens der Boden...
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Pause im Wald, Blick nach oben
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Mal läuft man direkt am Seeufer, dann wieder hoch darüber
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Kleine Streckenvariation über den Kellerwaldsteig, um mittags in Asel einzukehren - ruhiges kleines Dorf
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Auf den letzten Metern hätte ich ja beinahe der Faulheit nachgegeben. Es hätte einen bequemen Uferweg gegeben, aber der Urwaldsteig wollte uns noch mal zu sportlichen Leistungen anspornen. Rauf und runter und rauf und runter... Gut, dass Katja mich dazu gebracht hat, nicht klein beizugeben. Ich bin mir nun endgültig sicher, die Macher des Steigs waren darauf aus, die Wanderer zu quälen - oder drücken wir es netter aus: Den Trainingseffekt möglichst groß zu machen! :D
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Ankunft in Herzhausen. Kein wirkliches Eiscafe an der Uferpromenade, aber immerhin andere Einkehrmöglichkeiten, die Eis am Stiel bieten können. Das haben wir uns verdient, bevor es für mich wieder zum Bahnhof und für Katja noch ein Stückchen weiter bis zum Parkplatz geht!
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Vier Tage wandern und doch so schnell vorbei. Aber im Rückblick war es doch eine Menge Abwechslung und vor allem viel frische Luft und Bewegung! Noch mal vielen Dank für dieses Wochenende, liebe Katja!
1 Kommentar:
Das Danke kann ich nur zurück geben: für die Idee, für das wie immer perfekte Miteinander und für den vielen Spaß! Ich habe diese vier Tage ebenfalls sehr genossen und freue mich schon jetzt riesig auf die Alpenüberquerung, wann auch immer wir endlich dazu kommen! :-D
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