Während ich diesen Eintrag beginne, sitze ich im frühlingshaften (die Finnen würden sagen: sommerlichen) Finnland und habe -vom Urlaub einmal abgesehen, dazu irgendwann später- das erste Wochenende ohne Pläne seit über zwei, vielleicht gar drei Monaten verlebt. Wusste kaum noch, wie sich das anfühlt. Vielleicht kommt deswegen jetzt wieder ein bisschen Bewegung in meinen Blog... :)
Folgen wir der Chronologie, kann ich aber jetzt noch nicht vom Sommer in Finnland schreiben, sondern widme mich erst noch einmal dem "Winter" (die Finnen würden sagen: Frühling). Während in Deutschland schon echter Frühling herrschte, machte ich mich im März noch einmal auf in die kalte Jahreszeit - und das noch nicht mal alleine: Auch meine Patentante hatte keine Angst vor Minusgraden.
Übrigens, zum Thema "die Finnen würden sagen": Nicht nur würden. Am ersten Wochenende beim ausgedehnten Spaziergang am Fluss entlang, am Rand des Weges immer noch knietiefer Schnee, sagte eine Passantin genau das zu mir: Wie herrlich doch der Frühling sei! :)
Also, da isser, der finnische Frühling :D :
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Strandurlaub mal anders - ein Sonntag am Meer. Ob das Kunstwerk für die unendliche Weite steht? :)
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Zum Ausklang noch ein Spaziergang mit meiner Mitbewohnerin am Sanginjoki - man sieht klar und deutlich, dass der Frühling kommt! So flüssig, das kann kein Winter mehr sein!
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Hier war wohl ein Biber am Werk :)
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Die neue Woche brachte keine neuen Fotos mit, zumindest meinerseits. Bin ja froh, dass meine selbständige Tante auch ausgedehnte Spaziergänge unternimmt, während ich im Büro sitze und ich nicht alleine für das Gelingen ihres Urlaubs verantwortlich war!
Aber das nächste Wochenende kommt bestimmt und mit ihm der langersehnte Ausflug in den Syöte-Nationalpark, wo wir eine Hütte gemietet hatten und Schneeschuhwandern wollten.
Na ja, Schneeschuhe... Nicht so einfach wie gedacht. Nachdem ich erfuhr, dass meine alten, die ich einer ehemaligen Kollegin überlassen hatte, den letzten Winter nicht überlebt hatten, versuchte ich es beim Verleih des lokalen Outdoorladens. Sah gut aus - bis ein oder zwei Tage vor Abfahrt die Nachricht kam, sie seien defekt zurückgebracht worden und das Ersatzteil käme nicht bis zum Wochenende. Was nun? Ein neues Paar kaufen, ok, aber zwei? Das wäre vielleicht doch etwas übertrieben...
Doch wie immer findet sich eine Lösung: Jemand anders hatte ein paar Gleitschneeschuhe kurzfristig doch nicht ausgeliehen, die konnte ich haben. Angeblich würde ich, wenn ich einmal auf solchen gestanden habe, nie wieder die normalen zurückhaben wollen! Na, wir würden ja sehen...
Fazit: Grundsätzlich schon nette Dinger, aber nicht bei den Wegeverhältnissen! Im tiefsten kalten Winter im Tiefschnee, ja. Aber bei Tauwetter auf vielbegangenen und demnach vereisten Wegen, wo es dann auch noch zwischendurch steil wird und die Bäume um den Weg dicht stehen? Vielleicht doch eher nicht so. Wenn einem dann die Füße unterm Hintern schneller wegrutschen als man kucken kann, verpasst man sich schon mal selbst ein blaues Auge... Aber da mehr nicht passiert ist, sehe ich auch danach immer noch ganz fröhlich aus! ;)
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In der Ebene gleitet es sich besser als am Hang
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Ein wenig schade war es schon, dass eine Woche zuvor die Plusgrade eingesetzt hatten, so war der Großteil der Pracht bereits von den Bäumen gerutscht. Aber das ist um diese Jahreszeit halt Glückssache. Wandern kann man auch im grünen Wald. Und das inzwischen zu unserem Glück sogar auf normalen Wanderschuhen. Also (Gleit)Schneeschuhe abgeschnallt und rauf auf den Hügel!
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Auf dem Weg auf den Teerivaara
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Ein letzter "Schneegnom" ist noch da.
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| Mittagspause - oder das schlechteste Feuer, das ich je angezündet habe. Aus Umweltfreundlichkeit am Holz zu sparen ist nicht immer die beste Lösung. Mit etwas Aufwand und einer Menge Zeiteinsatz wurden unsere Würstchen aber schließlich zum Glück doch noch gar. |
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später am Tag in Iso-Syöte
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Zum Abendessen eine traditionelle Fischsuppe und dann dieser Nachtisch! Manche Sachen klappen auch auf Anhieb.
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Abendstimmung im Skigebiet
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Und schließlich in der Nähe unserer Hütte. Die erhofften Nordlichter ließen vergeblich auf sich warten, aber die Lichter des Nordens sind trotzdem schön!
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Am folgenden Tag gab ich den Gleitschneeschuhen noch eine zweite Chance. Da der Unterschied zu Skiern nicht so riesig ist, habe ich mich auf die Loipe gewagt, die unweit unseres Mökkis verlief. Ging schon deutlich besser als am ersten Tag! Aber der eigentliche Einsatzort ist im Tiefschnee.
Und durch den habe ich mich dann auch bergauf und bergab
gekämpft. Und auch wenn ich anschließend schweißgebadet war und des
Öfteren geflucht habe (schließlich stand ich vor über zwei Jahrzehnten
zuletzt auf Abfahrtsskiern und war nur einmal im Leben langlaufen), so
war es doch ein einfach schöner Sonntagmorgen!
Und schön ging der Sonntag weiter. Nachdem wir unsere Hütte geräumt hatten, wollten wir noch nicht sofort wieder zurück nach Oulu fahren. Da traf es sich gut, dass die Kurzwanderung zu der kleinen Schlucht Vattukuru, die ich schon seit Jahren mal machen wollte, im Winter als Schneeschuhroute freigegeben ist (also im "Frühling" wieder als Wanderroute funktioniert ;) ). Gut, die Schneeschuhe helfen gegen die Glätte, aber Schuhe mit Spikes tun's genauso.
Traumhaftes Wetter + traumhafte Landschaft = traumhafte Laune!
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Päuschen in der Vattukuru
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Und weil's so schön war, wir dann aber doch nicht die gleiche Runde ein zweites Mal laufen wollten, ging es noch nach Pikkusyöte, damit wir an diesem Wochenende auch wirklich alle Schneeschuhrouten (bis auf die 400 m kurze) mal gesehen haben!
Was soll ich groß sagen - hat sich gelohnt, wie ihr seht! Herrliche Aussichten und immer noch gutes Wetter. Und das Verrückte: Trotz Winters ist es bei uns gerade grüner als auf den Wanderfotos einer Freundin auf dem Sauerland! :D
Aber ein Wochenende ist immer (zu) kurz. Für den Rest der Zeit mussten wir uns mit Spaziergängen in Oulu vergnügen. Da das Wetter für die Jahreszeit beinahe einer Hitzeperiode gleichkam, musste meine Tante zwar leider das unschöne Tauwetter miterleben, aber dazu schien wenigstens häufig die Sonne und man musste nicht frieren. Ausgleich für den zu kalten November?
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Wenn ich hier vorbeikomme, muss ich irgendwie immer an Käpt'n Blaubär denken...
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Als echter Finne gehört das zum Programm.
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wieder mal das Meer, immer wieder schön
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Kaum war mein Besuch dann weg, kam der Winter zurück. Also wieder warm anziehen, aber dafür auch wieder schon morgens auf dem Weg zum Büro Landschaft genießen! (Mir fiel gerade auf, dass ich so ziemlich die gleichen Perspektiven auch letzten Herbst fotografiert habe - wer mal vergleichen möchte :) ).
Und schwupps, wieder vier Wochen rum. Gefühlt hatte ich so wenig Freizeit wie selten, wenn ich in meiner zweiten Heimat bin, aber vermutlich habe ich sie einfach ein wenig anders verbracht als normalerweise. Und vielleicht auch ein bisschen zu viel gerarbeitet... Aber das, was an Freizeit dann da war, war doch wie immer wieder sehr schön.
Eine kleine Anekdote noch aus Syöte:
An einem der Tage saßen wir gemütlich im Mökki, vielleicht war es gerade zwischen zwei Saunagängen, da klingelte das Handy meiner Tante. Dachte ich. Bis sie fragte, ob es meins wäre. Meins? Nee, nie gehört den Ton!
Dann kam ihre Erinnerung: Da hatte gerade jemand an ihrer Haustür geklingelt! :D
Die heutige Technik hat schon interessante Seiten. Sitzt du 2000 km weiter nordlich mitten im Wald und kuckst mal eben auf deinem tragbaren Bildschirm, wer da vor der Tür steht. Als ich jünger war, hätte man so was noch SciFi genannt...
Mitte April ging es also mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder zurück nach Deutschland. Da wurden aber schnell zwei lachende draus!
Da ich ja nun zur besten deutschen Frühlingszeit so gar keine Blütenpracht abbekommen habe, wartete zu Hause nämlich eine ganz besondere Überraschung auf mich. "Zum Ausgleich", um alles, was ich verpasst habe, auf einmal und im eigenen Wohnzimmer nachzuholen! WOW! <3 Danke!!! :* <3
Zum Glück hatte ich aber selbst draußen noch nicht alles verpasst, der Schrebergarten zeigte sich auch noch von seiner bunten Seite! Und mit ein bisschen Nachdenken wäre ich vielleicht sogar drauf gekommen, dass das noch nicht meine letzten Tulpen für dieses Jahr waren...
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