Montag, 6. Juli 2020

Mittsommer in Deutschland

Hallo Blogland,

vielleicht hat der eine oder andere von euch gehofft, diesen Frühling etwas mehr hier zu lesen, um wenigstens in Gedanken mal rauszukommen... Fehlanzeige. Die üblichen wenigen Meter Anreise bis zum Arbeitsplatz bieten wenig Abwechslung, über die es sich zu schreiben lohnte und da ich (sollte ich sogar sagen: glücklicherweise?) trotz Pandemie eher zu viel als zu wenig zu tun hatte, hatte ich auch keine Energie/ Motivation übrig. Und Wochenendtrips z.B. zu Ostern mussten ja leider auch allesamt ausfallen.

Ich hätte natürlich von Balkonien berichten können, wo mir die Geranien helle Freude bereiten, der Dill bereits bis auf Brusthöhe wächst und auch der Lavendel inzwischen eine beeindruckende Größe erreicht hat, so dass er nicht mehr lange im Balkonkasten bleiben kann... Aber statt davon zu schreiben, hab ich mich einfach nur dran erfreut. ;)



Nun ist dieser seltsame Frühling in den Sommer übergegangen, ohne dass ich meine Wahlheimat wiedergesehen hätte. Das erste Mal seit acht Jahren, dass ich zu Mittsommer auf die Mitternachtssonne verzichten musste! Ist es nun überhaupt wirklich Sommer geworden...?

Zumindest habe ich versucht, das Fest zu begehen.

Juhannusaatto, der Mittsommerabend, fällt in Finnland ja schon seit den Fünfzigern jedes Jahr vom genauen Datum unabhängig auf einen Freitag.
Nachdem ich schon weder Pfingstmontag noch Fronleichnam hatte, konnte ich wenigstens an diesem Tag das Privileg eines Feiertags genießen und wurde auch noch mit bestem Wetter verwöhnt! Zeit für eine schon länger geplante Radtour in den Essener Süden.

Die Radwege hier sind ja wirklich ziemlich gut für eine deutsche Großstadt, viele Routen auf ehemaligen Bahntrassen und darüberhinaus viele Themenradwege zu Natur und (Industrie-)Kultur. Also habe ich ein bisschen gepuzzlet, einen Teil der "Wasserroute" mit der halben "Route Süd" und einem Stückchen "Naturroute" kombiniert und hatte so einen schönen Rundweg von etwa 50 km mit Mittagsstopp am Baldeneysee. Wie Urlaub! :) Man staunt ja, wie ländlich es im Süden wird...

Erst mal (natürlich!) vorbei an einigen typischen Schrebergartenkolonien, dann durch schöne alte Buchenwaldstücke...

Halbachhammer an der Margarethenhöhe - ursprünglich aus dem Siegerland!

...und schließlich durch Wiesen und Felder, vorbei an Reiterhöfen und Straußenfarm bis zum Baldeneysee. Die Stadtteile hier haben noch ein paar schöne Straßen im alten Kern.


Zwischendurch hat man überhaupt nicht mehr das Gefühl, sich in einem riesigen Ballungsraum zu befinden. Viel Natur und Landschaft.


Aber das Ruhrgebiet ist und bleibt das Ruhrgebiet, irgendwann kommt man doch wieder an der A40 vorbei ;) 


Solche Ausflüge müsste ich öfter machen, dann täte der Hintern nicht mehr so schnell weh. ;)

Laut finnischer Tradition war Mittsommerabend also am Freitag, dem Datum nach aber erst am Samstag. Da habe ich mich ja schon für eine Weile gefragt, ob die Trolle und Naturgeister eigentlich mit Politik und Kalendern was am Hut haben oder ob die Magie der Mittsommernacht nicht doch immer noch in der Nacht zum längsten Tag des Jahres stattfindet...

Schön, dass meine Freundin, mit der ich schon vor vier Jahren das Juhannusfest auf dem Karhunkierros verbracht habe, mich dieses Jahr zur Sommersonnenwende ins Sauerland einlud. So haben wir den Abend in Anlehnung an finnische und schwedische bzw. altgermanische Traditionen im wilden Kulturenmix begangen.

Zunächst galt es, Feldblumen zu finden. Ich war überrascht, wie wenig Buntes an den Wegesrändern wuchs! Wir haben aber trotzdem noch einen hübschen kleinen Strauß zusammenbekommen.

Auch ein paar Birkenzweige konnten wir ergattern - nicht gleich ganze Bäume, um sie rechts und links der Türpfosten aufzustellen, aber genug, um wenigstens das Wohnzimmer mittsommerlich zu begrünen.


Ein zweiter wichtiger Punkt ist natürlich das Essen. Es gab "Sommersuppe", dazu Geräuchertes in Form von Lachs- (und Schinken- :D ) salat sowie (nicht ausschließlich Mittsommer- aber zumindest sehr finnisches Essen) karelische Piroggen mit Eibutter und Roggenknäcke. Noch etwas Birken- und Blaubeersaft und das nordische Gefühl ist perfekt, auch ohne neue Kartoffeln mit Frühlingszwiebelsoße (die ich mir natürlich an einem anderen Tag auch noch gemacht habe!).

Ein Juhannusfeuer konnten wir leider nicht entfachen, aber dafür haben wir mit viel Kreativität und ohne Beispiel oder Anleitung unsere eigenen Blumenkränze gebastelt. Ich finde, für einen ersten Versuch und eine ziemlich kleine Blumenauswahl ("Das Sauerland ist zu grün" - als mir das damals gesagt wurde, konnte ich nicht zustimmen, ich dachte, je grüner, desto besser. Aber wenn man bunt sucht... Plötzlich hatte ich Verständnis für diese Aussage!) haben wir noch was ganz Ordentliches hinbekommen ;)


Und wenn man schon mal im Sauerland ist: Am Sonntag noch ein Spaziergang rund um mein Heimatdorf. Warum in die Ferne schweifen... ;)




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