Mittwoch, 18. Dezember 2019

Garteninsel Kaua'i

Bereits von oben versteht man ihren Spitznamen: die Insel ist grün, so weit das Auge reicht.
Kurz nach der Landung bekommen wir eindrucksvoll demonstriert, dass es tropisches Grün sein muss: nach dem trockenen Wüsten- sowie Flugzeugklima läuft man fast in eine Wand aus feuchtwarmer Luft!
Überhaupt scheint das hier eine etwas andere Welt zu sein als Festland-USA. Der Flughafen besteht im Wesentlichen nur aus einem großen Dach, wo der Wind durchpusten kann. Die Straßen sind schmaler und die Verlegung der Stromkabel erinnert auch eher an entsprechende (na gut, ein bisschen aufgeräumtere) Installationen in Asien.
Auch die Menschen sind irgendwie relaxt. (Später stellen wir z.B. fest, dass Reparaturen hier auf die praktische Art erledigt werden. So hilft ein abgesägter Besenstiel in der Schiebtürschiene schnell und ohne feinmechanische Fähigkeiten gegen kaputte Schlösser! :D )

Auf dem Weg vom Flughafen in den Norden der Insel zu unserer Unterkunft bieten sich großartige "Garten"blicke. Ja, hier bin ich richtig!


Unser Domizil für die nächste Woche ist natürlich auch grün, grün, grün. Mit blau. In den folgenden Tagen wurde noch öfter auf dem Balkon gefrühstückt...


Und wenn man dann im Garten auf dem Cliff steht und sich bewusst macht, dass einen gerade von allen Seiten tausende Kilometer Pazifik umgeben, ist das schon irgendwie fast ein bisschen verrückt. Steht man am Strand, ist die Brandung auch sehr beeindruckend! (Schwimmen geh ich allerdings woanders.)


Im Innenland wird viel Taro angebaut, hier "um die Ecke" auf dem Weg nach Hanalei:


Also, Landschaft schon mal spitzenklasse. Und die Tierwelt? Auch.


die einheimische Nene-Gans
Wo wir schon bei Federvieh sind... die Insel hat übrigens noch einen zweiten Spitznamen: Rooster Island. Ein Souvenirartikel sagt es so: "He who asks 'Why'd the chicken cross the road?' has obviously never been to Kaua'i!" :D
Man erzählt sich, als damals ein Wirbelsturm die Ställe zerstört hat, sei es nicht gelungen, alle Hühner wieder einzufangen. Es soll aber auch schon vorher Wildhühner gegeben haben, die sich im Laufe der Zeit mit den entlaufenen Haushühnern vermischt haben.
Oder waren es vielleicht doch die Hühner, die sich die Insel ausgesucht haben? Weil sie sich hier so sicher wie sonst nirgends fühlen (die Einheimischen essen lieber Fisch, es gibt nur sehr wenige Chicken Restaurants auf Kaua'i)? Wie auch immer: Hühner, wo man geht und steht. Kikeriiki!



Aber zurück zur Landschaft. Wenn es schon so traumhaft grün ist, muss ich natürlich auch wandern gehen. Zum Beispiel im

Waimea Canyon


am anderen Ende der Insel. Ein lohnenswertes Ziel, allerdings nur für extreme Frühaufsteher, denn unweit von hier liegt einer der regenreichsten Orte unseres Planeten - ab mittags gibt es hier nur noch Wolken zu sehen. Wir sind noch vor Sonnenaufgang losgefahren und wurden bereits auf dem Weg dorthin mit herrlichen Ausblicken belohnt!

Von einem Aussichtspunkt sieht man in Richtung des berühmten Kalalau-Tals - wunderschöne Küste!


Auf der anderen Seite liegt der Canyon.


Nachdem ich schon bei einem kurzen Spaziergang erleben musste, wie rutschig es in normalen Schuhen werden kann, wechselte ich für die Wanderung auf dem Canyon Trail auf meine Wanderschuhe, was auch dringend nötig war. Das Ziel lag angeblich nur ca. 3 km entfernt, aber anstrengend war es, als sei es deutlich weiter. Bergab und wieder bergauf ging es durch steilen Wald, immer begleitet vom Geruch vergorener Früchte und hin und wieder zur Abwechslung einem angenehmeren, der an Selleriesuppe erinnerte. Zwischendurch wurde es ein paar Mal richtig schlammig - so sehr, dass wir uns schon fragten, ob umkehren die bessere Lösung wäre, aber dann wurde es auch schon wieder besser. Und es wäre doch echt schade gewesen, die bald darauf folgende Aussicht verpasst zu haben! Ab hier war es dann nur noch "Der Weg ist das Ziel".

Kurz zuvor hatte ich mich noch gefragt, ob ich vielleicht einen Helikopterrundflug machen möchte. Ist bestimmt faszinierend, das alles von oben zu sehen, dachte ich mir. Bis ich mitten im Canyon stand und mich freute, am Boden geblieben zu sein. Helikopter kamen und gingen, aber wir waren näher dran und hatten außerdem viel mehr Zeit, die tolle Landschaft zu genießen!



Am Ziel des Weges warteten zwei kleine Wasserfälle und natürlich noch mehr Aussicht. (Mit der roten Erde werden übrigens die lokalen "Dirt Shirts" gefärbt!)


Mittags, zurück am Parkplatz. Inzwischen tropft es. Auch jetzt hört man noch das Schrappschrappschrapp der Helikopter - arme Fluggäste, so viel Geld bezahlt und so wenig zu sehen!


Auf dem Rückweg noch ein kleiner Abstecher ins historische Hanapepe, bevor uns der Regen auch auf dem Nachhauseweg einholt.


Am nächsten Tag starteten wir den Versuch, ein paar Wasserfälle anzuschauen. Ein unerklärlicher Stau stoppte uns allerdings kurz vor dem Ziel. Ist schon eine Herausforderung, wenn der gesamte Inselverkehr über eine einzige Küstenstraße muss! Bis wir entschieden hatten umzukehren, war der Rückweg genauso verstopft, also wollten wir unser Glück durch ein paar kleinere Dörfer probieren. Mit einem solchen Regen hatten wir allerdings nicht gerechnet! Binnen von Minuten wurden Straßen zu Flüssen und unser Umweg noch ein wenig weiter als geplant. Nein, mit einem normalen PKW will man da nicht durch! Aber so kamen wir an Orte im Hinterland, die wir sonst im Leben nicht gesehen hätten.


Erst jetzt verstand ich: Die lächerlich aufgeständerten Pickups, die man allerorten sieht, sind vielleicht doch nicht nur bloßes Statussymbol, sondern eine Notwendigkeit, wenn man in einem Land lebt, wo es erstens viel regnet und zweitens dieser Umstand beim Straßenbau anscheinend so gar nicht berücksichtigt wird...?
 

Dafür, dass das Nordende der Insel angeblich viel mehr Regen abbekommt als der Süden, war es während unserer Woche dort erstaunlich trocken, selbst während es im "trockenen Süden" oder Osten nass war. Nicht viel später am Leuchtturm von Kilauea schien die schönste Sonne!
Am Abend des gleichen Tages sah man plötzlich auf den Bergen in der Inselmitte Wasserfälle, wo ich vorher nie welche bemerkt hatte.


idyllische Kirche am Wegesrand
An einem anderen Tag (auch hier muss man wieder früh aus den Federn, wer also im Urlaub viel Wert auf lange schlafen legt, sollte sich vielleicht doch ein anderes Reiseziel suchen) machten wir uns auf den Weg zu einer anderen Wanderung. Den Parkplatz des Ha'ena State Parks am nordwestlichsten Ende der Insel muss man Wochen im Voraus reservieren und so auf Zack waren wir bei unserer kurzfristigen Planung natürlich nicht, aber zum Glück gibt es noch einen Shuttlebus, den man auch zeitnah buchen kann, damit man die

Na Pali Küste


vom Land aus erleben kann.
Schon der Weg zum Ke'e Beach, von wo aus der Kalalau Trail startet, gab uns einen Vorgeschmack auf den Dschungel. Am Strand selbst gab es imposantes Wurzelwerk zu bestaunen.


Wer aufgepasst hat, merkt, dass der Name Kalalau schon zum zweiten Mal vorkommt. Richtig, das ist die idyllische Bucht, auf die man von einem der Aussichtpunkte am Canyon schauen kann! Von hier ist es eine Mehrtageswanderung bis dorthin - etwas, was mich zwar gereizt hätte, was aufgrund unserer spontanen Planung aber nicht mehr zu organisieren war. Aber ihr erster Abschnitt ist genau richtig für einen Tagesausflug. Einer meiner Lieblingstage des gesamten Urlaubs!

Aufstieg zu Beginn - Aussicht auf Ke'e Beach
Es geht immer an der Küste entlang. Zu dieser frühen Uhrzeit zum Glück noch größtenteils im Schatten (die benötigten Trinkwassermengen sind auch hier enorm). Zwischendurch laufen wir durch üppigstes Grün, dann wieder tun sich wunderschöne Ausblicke auf. Das Türkis des Wassers wirkt beinahe unwirklich und wenn hier wirklich mal ein Helikopter landen muss, dann hoffe ich auf einen Piloten mit viel Erfahrung. Bilder sagen mehr als Worte:



 

 
 


Opaeka'a Falls & Wailua Falls


Für unseren vorletzten Tag hatten wir einen Bootsausflug gebucht. Auf dem Weg zum Anleger versuchten wir es noch einmal mit den Wasserfällen, heute erfolgreicher als beim letzten Mal:



Na Pali Küste (Teil 2)


Ich weiß, hier waren wir schon mal, doch nun wechseln wir die Perspektive.
Noch sind wir nicht an der berühmten Küste, aber die Aussicht auf die Insel hat was und als zusätzliches Highlight begleitet uns eine Delfinschule.



 Kalalau die Dritte. Ist aber auch bezaubernd, diese Landschaft!

 
Wie es sich für eine "Sunset cruise" gehört: Auf dem Wasser bis zum Sonnenuntergang.


So viel zu unseren landschaftlichen Highlights der Insel.
Ein Erlebnis der ganz anderen Art hatten wir auch noch - eins, das uns einmal mehr das Gefühl gab, das hier sei eine völlig andere Welt, vielleicht gar ein Entwicklungsland?
An unserem ersten Abend hier ging plötzlich das Internet nicht mehr. Heutzutage hat man sich daran gewöhnt, dass es zu haben ist, wenn man (reichlich spät) seine Urlaubswoche planen will, aber auf einen Abend kommt es dabei natürlich nicht an. Als es am nächsten Morgen immer noch nicht ging, fragten wir doch mal an der Rezeption nach, ob sie unseren Router neu starten könnten oder was auch immer nötig sei. Die überraschende Antwort: Die gesamte Insel hat kein Netz, das Unterseekabel zur Nachbarinsel ist kaputt. "Nachbar"insel - mindestens 130 km Pazifik dazwischen! Und da so etwas angeblich noch nie vorgekommen ist, gibt es nicht mal ein Backup. Kein Zweitkabel, kein langsameres Internet via Satellit, kein internes Netz der Insel, das weiterhin geht, während man nur auf die Außenwelt keinen Zugriff hat, nein, NIX! Die zuerst veranschlagte Reparaturzeit sollte zwischen 10 Tagen und einem Monat liegen. Ui! Ein Monat ohne Emails und surfen mag ja drin sein, aber da merkt man erst mal, was sonst noch alles dran hängt: Touren muss man per Telefon buchen und sich die Tickets mit Zettel und Stift ausstellen lassen. Mit Kreditkarte bezahlen ist keine Option mehr, so dass auch Snackautomaten keine Ware ausspucken und daran, Bargeld am Automaten zu ziehen, ist erst recht nicht zu denken! Kurz gesagt, es herrscht Ausnahmezustand und am Abend des ersten Tages berichten die Concierges, es sei ihr schlimmster Arbeitstag ever gewesen.
Was für ein Glück, dass sich die Vorhersage nicht bestätigte. Nach 24 Stunden war das Schlimmste überstanden, mit einigen Aussetzern lief es wieder einigermaßen. Ein paar Tage später war es noch mal für einen Abend weg, der Kellner bat um Barzahlung und erzählte, ein Schiff hätte seinen Anker ins Unterseekabel geworfen. Wie, jetzt noch zusätzlich? Oder war das etwa der Grund für den ersten Aussetzer? Jedenfalls hatten wir Glück, dass es für uns keine unangenehmeren Konsequenzen hatte. Im Urlaub ohne Bezahlmöglichkeit dazustehen wäre nicht lustig.

So, zum Abschluss dieses Posts noch ein Bild vom letzten Tag in Hanalei.
In diesem hübschen Nachbarort gab es neben einem Badestrand auch eine Menge kleiner Läden und Restaurants, wo wir abends öfter essen waren. Immer im gleichen Restaurant, auch wenn das ja sonst nicht meine Art ist, aber am ersten Abend war es einfach so gut dort! Und beim nächsten Mal wieder... Superfrischer Fisch und das zu ganz normalen Preisen - da waren Supermarkt und Selberkochen keine ernstzunehmende Konkurrenz :)


Ein bisschen traurig war ich schon, dass unsere Zeit hier schon wieder vorbei war, es hat mir wirklich richtig gut gefallen! Aber ich wusste ja auch, dass noch mehr auf uns wartet...

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