Da die ostafrikanischen Fahrer nicht gut erzogen sind, gibt es statt 50-Schildern Asphaltwürste am laufenden Band. In jeder Ortschaft von Eingang bis Ausgang alle paar Meter. Nach drei Kilometern wird man wahnsinnig, nach mehreren hundert braucht man den nächsten Urlaub, auch wenn man sich ja eigentlich noch in diesem befindet. Aber was kann man machen? Nichts. Zähne zusammenbeißen und durch und sich mental irgendwie mit der Vorfreude auf die folgenden Tage über Wasser halten...
Bald, ganz bald geht es zu einem weiteren, ganz besonderen Höhepunkt dieser Reise. Löst nicht schon allein der Name Serengeti ein überwältigendes Gefühl aus?
Das Wort kommt ursprünglich aus der Maasai-Sprache und heißt soviel wie "endlose Ebene". Und genau das ist sie.
Dem ostafrikanischen Verkehr könnte ich einen eigenen Artikel widmen, mit all seinen Vor- und Nachteilen, aber ich beschränke mich mal darauf, zu erwähnen, dass Verkehrsregeln überbewertet sind, die richtige Fahrbahnseite mit zunehmendem Verkehr optional wird, jeder sich sein Recht frech rausnimmt, winzigste Lücken ausnutzt, im Gegenzug aber auch um andere Verkehrshindernisse gelassen drumrumfährt und es so irgendwie doch einigermaßen fluppt. Nur plötzliche Vollbremsungen sollte man nie machen müssen, denn dafür sind die Verhältnisse nicht gemacht, sobald es ein bisschen voller wird als auf dem Foto - aber mussten wir zum Glück auch nicht und darum leben wir noch heute.
Von der "Mitte Afrikas", Arusha, wo wir Sid und unsere Crew zurückließen, ging es also immer tiefer ins Land der Maasai - einem Stamm, der bis heute nach seinen uralten Traditionen lebt.
Wir passierten einige Rinder- und Ziegenherden auf dem Weg zum Viehmarkt sowie ein Dorf, in dem nur eine einzige Familie lebt (der Mann mit seinen 12 Ehefrauen mit ihren 71 Kindern und mehreren hundert Enkeln) und sogar ein paar junge Männer am Straßenrand, ganz in Schwarz mit weißer Gesichtsbemalung - der Tradition nach müssen sie sich nach der Beschneidung für einen gewissen Zeitraum weitab von ihrem Dorf aufhalten und das Leben in der Wildnis erlernen, bevor sie zurückkommen und heiraten dürfen.
Einige Stunden später begann mit Ende der Asphaltstraße der Ngorongoro-Nationalpark. (Im Norden Tansanias und sogar über die Granze hinweg nach Kenia hängen verschiedene Nationalparks direkt miteinander zusammen - der Name ändert sich, doch sind sie trotzdem ein zusammenhängendes Schutzgebiet.) Schon bald hielten wir für eine ganz besondere Aussicht an.
Es war einer dieser Momente, wo ich schlichtweg begeistert davon war, genau dort zu stehen, wo ich gerade war und mir voller Vorfreude vorzustellen, in ein paar Tagen selbst dort unten zu sein...
Angriffslustige Vögel haben gelernt, auf picknickende Touristen herabzustürzen und ihnen das Essen vom Schoß, aus den Händen und in einem Fall sogar beinahe aus dem Mund zu klauen. Sicher ist nur, wer sein Essen so gut unter seinem vorgebeugten Oberkörper verbirgt, dass die Vögel es gar nicht erst genauer sichten können! Für die einen ist es Abenteuer, für die anderen die anstrengendste Pause der Welt...
(Im Laufe der folgenden Tage habe ich mich tatsächlich bisweilen gefragt, ob wir in Wirklichkeit nicht alle einfach nur Mitfahrer beim großen Across-the-Serengeti-Autorennen sind...)
Ab hier braucht es eigentlich nicht mehr viele Worte. Auch wenn die großen Herden wegen der Trockenzeit gerade in Kenia verweilen, gibt es immer noch genug Einzeltiere zu sehen. (Ich muss ja zugeben, ein bisschen enttäuscht war ich am Anfang tatsächlich - ich hatte eigentlich nichts Bestimmtes erwartet, meinen Reisezeitpunkt nicht nach der Serengeti gewählt und mich dementsprechend auch nicht näher informiert. Doch nachdem andere Reisende mir erzählten, dass ihnen ihr Reisebüro genau diesen Zeitpunkt empfohlen hätte, stiegen auch meine Erwartungen...)
Das Gute war, dass ich im Gegensatz zu den meisten Mitreisenden tatsächlich noch nach Kenia kommen würde, insofern ließ ich mir die Laune nicht zu lange verderben. Und wie gesagt, auch ohne unendliche Massen gab es immer noch von (fast) allen Tieren etwas.
Wieder verschiedenste Antilopen (hier ein Topi), dazu diverse Vögel mit ihrer Beute, unser erster Gepard, fünf Löwenmütter mit ihren knapp ein Jahr alten Jungen, ... Keine schlechte Ausbeute für den ersten Spätnachmittag!
Für die nächsten zwei Nächte wohnten wir mitten in der Serengeti - mal wieder ganz ohne Zaun. Und wieder weit genug weg von den Sanitäranlagen, um den nächtlichen Spaziergang spannend zu gestalten.
Das Unwetter am zweiten Abend habe ich allerdings sehr genossen: erst ein Regenbogen zum Dinner und später saß ich noch lange in meiner Zelttür und schaute den Blitzen zu, die über den Nachthimmel zuckten...
Manche Leute müssen einen irre guten Schlaf haben. Nachts weckte mich der prasselnde Regen, so ohrenbetäubend, dass man ihn einfach nicht verpassen konnte - oder? So nass, dass er trotz Regenabdeckung in die Ecken des Zeltes kroch... Am nächsten Tag hörte ich, dass drei Guides sich morgens beim Aufwachen wunderten, warum sie pitschnass sind - hatten am Vorabend vergessen, ihre Zelttür zu schließen und keiner hat's gemerkt! Auf den Schlaf könnt' ich neidisch werden...
Doch zurück zu den wilden Tieren. Ich kann mich kaum entscheiden, welche Bilder ich euch zeigen will und ich habe doch schon so unendlich viele aussortiert! Sind es trotzdem noch zu viele? Langweilig? Zebras gehen immer... finde ich. ;) Diese unter dem Titel "Zebra crossing":
Dann die kleineren Bewohner der Savanne. Rechts unten die kleinsten Antilopen, Dikdiks. Sehen aus wie Jungtiere, sind aber ausgewachsen.
Vögel sind auch immer mit dabei.
Natürlich dürfen auch Elefanten nicht fehlen. Eine Elefantenkuh ist wohl irgendwann mal beim Trinken einem Krokodil zu nahe gekommen... armes Tier!
Oh, und die Löwen! Schlafende/ aufwachende Jägerinnen, mehr Pärchen beim Date, ein weiteres Bruderpaar...
Doch das sind nicht die einzigen Katzen. Auch ein Leopard auf Entfernung sowie eine Servalkatze lassen sich blicken. Und Flusspferde. Büffel. Warzenschweine. Antilopen.
Hyänen werden, wie schon einmal erwähnt, zu den "Ugly Five" gezählt - es mag ja sein, dass jemand sie wegen ihres Charakters dazuzählen möchte, aber sind sie nicht trotzdem eigentlich ganz süß? (Der Marabu oben im Zeltcamp soll übrigens zur gleichen Liste gehören!)
Zum Schluss noch ein paar Giraffen, auch immer wieder klasse.
Das hier ist die absolute Kurzfassung. Und das zu einer Jahreszeit, wo sich schon die meisten Tiere verdrückt haben! Angeblich soll es Zeiten geben, da sieht man vor großen Herden kein Gras mehr! Na, davon möchte ich mich vielleicht in ein paar Jahrzehnten noch mal selbst überzeugen. Und mir dann auch gleich eine Heißluftballonfahrt gönnen... wenn ich wieder ein bisschen gespart habe! ;)
| Maasai-Schule |
| Die Frauen des Dorfes |
Auch auf diesem Weg wären wir fast mit einem Zebra zusammengestoßen, aber nur, weil unser Fahrer bremsfaul war. Was er u.a. auch im dichtesten Morgennebel kurz vor einer Hügelkuppe beim Überholen eines Tankwagens mit Vollgas unter Beweis stellte - wir hatten ja noch gut 20 cm bis in den Graben... :/
Was war ich froh, als wir es ohne Unfall bis in den Krater geschafft hatten! Aber wenigstens bekamen wir zum Ausgleich für die strapazierten Nerven eine Belohnung: gleich als erstes begrüßten uns fröhlich spielende Löwenjunge, ca. drei Monate alt, wooow!
Auf dem Boden des Kraters wieder Büffel, ein Hase der von einem Vogel gejagt wurde, Kraniche, Flamingos, Happy Hippos und vieles mehr. Und wie gesagt, Zebras gehen immer! :)
Auch Gnus zählen zu den "Ugly Five" - weil sie angeblich aus fünf verschiedenen Tieren zusammengesetzt sind. Und Warzenschweine sollen bei der Vergabe der Schönheit ebenfalls nicht laut genug "hier" geschrien haben...
Das sind die tierischen Seiten des Kraters - oder ein paar davon. Viele halten sich gerade außerhalb unserer Sichtweite auf, an den Wasserstellen, die fernab der wenigen Straßen in diesem Tal von immerhin ca. 20 km Durchmesser liegen. Also diesmal keine Nashörner für uns. Aber ich wär' auch schon für die Landschaft hergekommen...
Mit dem letzten Bild kehre ich nun ein wenig in die Zivilisation zurück. So viele Tiere man auch sieht, es bleibt nicht verborgen, dass viele andere Menschen diese Tiere ebenfalls sehen und auf Foto bannen wollen. Jeden Tag.
An sich finde ich das nicht schlimm, denn bei der großen Fläche verteilen sich die Menschen gut. Wir Touristen profitieren sogar noch davon, dass die Fahrer sich gegenseitig über Funk über die besten Sichtungen unterrichten, damit auch alle daran teilhaben können und so lange die Tiere damit leben können...
Was ich aus Touristensicht allerdings wirklich schade finde, ist, dass die Veranstalter dieser Touren sich anscheinend keine Mühe mehr geben müssen. Wie schon zuvor erwähnt hat dieses Land die Ressourcen, die Besucherströme nicht abreißen zu lassen. So begeistert ich von den Nationalparks war, so unzufrieden war ich mit der Versogung, sei es mit Information oder mit Essen. Satt konnte man schon werden, aber lecker ist anders. Warm wäre auch anders. Und mit dem Führer hatten wir wahrscheinlich einfach nur Pech, doch weder seine Fahrkünste noch seine Informationen über die Tiere oder die Tourorganisation überzeugten. Ich hätte gedacht, dass man etwas mehr Qualität erwarten dürfte. Hoffentlich geht ein Großteil des Geldes wenigstens in den Erhalt des Nationalparks und nicht in die Taschen eines Veranstalters! Ohne tansanischen Veranstalter darf man nämlich gar nicht erst hin...
| wieder zurück in Arusha - Mount Meru |
Eigentlich war mein Plan, nun gleich auf der anderen Seite der Grenze weiterzumachen, aber momentan habe ich das Gefühl, das wird zu viel Wildnis auf einmal. Und da bei uns gerade endlich einmal wieder die Sonne scheint, bin ich auch nicht unbedingt motivert, den Rest des Wochenendes vorm Computer zu verbringen. Wir sehen uns demnächst in Kenia! ;)
2 Kommentare:
Beeindruckend!!! Der Ngorongoro-Krater ist wirklich atemberaubend! Bin gespannt auf den Bericht aus Kenia, die beiden Länder könnten mich auch reizen, sie mal zu besuchen. Tolle Tierbilder! Mir gefallen die Großkatzen am besten. Aber wen wundert's :)
So schnell, wie Du schreibst, kommt man kaum mit Kommentaren hinterher :D Der Bericht von den Victoria-Fällen war auch toll! Wasserfälle sind ja auch mein Ding, deshalb kann ich Deine Begeisterung nachempfinden und mir ansatzweise die Geräuschkulisse dort vorstellen.
Eine Frage von meinem Klugscheißer-Ich ;-) : wird der Name des Stammes nicht "Massai" geschrieben?
Freue mich sehr auf die weiteren Artikel!!
LG, Katja
Schön, dass du anscheinend noch nicht von meinen Tierbildern gelangweilt bist! ;)
Die Victoriafälle konnte man zwar schon deutlich hören, doch ich fand, es hätte schlimmer sein können - dadurch, dass sie in die Schlucht stürzen, wird der Lärm vielleicht etwas gedämpft...
Was die Schreibweise der Maasai, Masai und Massai angeht, bin ich überfragt - vor Ort sieht man die, die ich verwendet habe, am häufigsten. Gefolgt von der mit fünf Buchstaben. Vielleicht ist deine Version die deutsche Variante? Habe es versäumt, vor Veröffentlichung den Duden zu befragen, kann das aber bis zum nächsten Blogpost mal nachholen :)
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