Donnerstag, 28. April 2016

Japan, Teil 5: Essen und andere (Kultur-)Unterschiede

Zu erst einmal: Wow.
Ihr seid wirklich noch an meinen Reisen interessiert! Mein Blog legt eine Statistik an und die erzählt mir: die Anzahl der Klicks diesen Monat wurde lediglich vom Dezember 2012 übertroffen. Da mache ich einmal große Augen und freue mich, dass ihr immer noch so gespannt mitlest!

Also sollt ihr auch nicht enttäuscht werden und zum Abschluss der Japan-Serie noch ein wenig Einblick in die Kultur (und Appetit auf das Essen) bekommen. Alles natürlich nur basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen und daher rein subjektiv. ;)

Zuerst einmal finde ich bemerkenswert, wie hoch in Japan die gefühlte Sicherheit ist.
In keinem der von mir bisher bereisten Länder habe ich mich wirklich unsicher gefühlt, aber es gibt doch durchaus Orte, an denen man lieber sehr gut auf seine Sachen achtgibt und gewissen Regeln des gesunden bis extrem vorsichtigen Menschenverstandes folgt.
In Japan war das anders. Ungelogen, ich habe mich dort genauso sicher gefühlt wie in Finnland, was heißt: sicherer als in Deutschland.

In dem Zusammenhang fällt mir eine Eigenschaft ein, die Finnland und Japan gemeinsam haben und die hier wie dort auch ohne Weiteres möglich ist, auch wenn sie dort viel größere Ausmaße annimmt: Das Schuheausziehen.
In Privatwohnungen, selbstverständlich. Bei uns im Büro auch, ja. Aber in Japan auch im Restaurant - vor der Stufe werden die Schuhe stehengelassen. Manchmal sogar mit (in Japan wohl unnötigen) Schließfächern, aber oft einfach auf dem Boden oder im Regal.
Aber es kommt noch besser: Auch in den Sehenwürdigkeiten! Wo in Deutschland der gute Originalholzboden mit einem dicken Teppich geschützt würde oder der Besucher Überzieher für seine Staßenschuhe bekäme, bleiben sie in Japan einfach draußen. Manchmal dürfen sie in einer Plastiktüte mit, wenn der Rundweg das Gebäude auf der anderen Seite wieder verlässt, wenn man aber den gleichen Ausgang nimmt, stehen sie auch dort einfach im Regal. Selbst draußen. Ja, auch bei Minusgraden. In Nikko hatten wir etwas kalte Füße, aber immerhin, wir standen auf den Originalböden der Tempel! :)

Noch etwas fällt in Japan auf: Es ist sauber. Man kann ohne Weiteres in Socken rumlaufen und auch andernorts wird einfach auf Sauberkeit Wert gelegt. Man sieht häufig Putzkommandos (interessanterweise besonders an Rolltreppen) und wie jeder Japaner machen sie ihren Job gut, gründlich, verantwortungsbewusst und gar mit etwas Stolz, als würde es ihnen alles in der Welt bedeuten (was kulturell bedingt dort jeder noch so kleine Job wahrscheinlich tut).
Wartet man an der Endstation auf einen Zug, steht die Putzkolonne schon vor Ankunft des Zuges bereit und sind alle Fahrgäste raus, werden für ein paar Minuten die Ketten vor die Türen gehängt, der Trupp bringt alles in Ordnung und erst dann darf die Fahrt in Gegenrichtung losgehen.
Ein wenig befremdlich ist lediglich, dass sie sich vor dir verbeugen, wenn sie fertig sind. Genau, wie sich das Zugbegleitpersonal, bevor es in den nächsten Waggon geht, umdreht und verneigt. Jedes Mal, egal ob jemand hinsieht oder nicht. Aus einer Kultur ohne viele Verbeugungen kommend, wusste ich nicht so recht damit umzugehen. Wie tief bei wem? Und muss das eigentlich überhaupt sein, ich komme mir komisch vor, wenn sich jemand vor mir verneigt! Aber es gehört dazu...

Noch mal zu den Zugputztrupps. Weiterer Bonus und geniale Erfindung: Sie drehen die Sitze in Fahrtrichtung. Jeder Zug hat drehbare Sitze. So kann man in Gruppen von mehr als zwei Personen einfach ein Sitzpaar rumdrehen und hat eine Vierergruppe. Bleiben die Sitzreihen als Zweier, führt dies zu genügend Platz im Fußraum, selbst für große Rucksäcke, zumindest wenn man nicht allen Platz für überdurchschnittlich lange Beine braucht (die Japaner haben mit langen Beinen kein Problem, ich gehörte bereits zu den Großgewachsenen!). Also von wegen Warnungen, japanische Züge wären nichts für Leute mit viel Gepäck, weil es dort höchst selten Kofferregale u.ä. gibt. Im Ernst, wozu auch!

Das ist nur eine der praktischen Erfindungen. Eine weitere sind Automaten für alles. Allen voran für Getränke. Keine Seitenstraße, nicht mal in der Pampa, ohne Getränkeautomaten! Selber Getränke mitnehmen ist völlig überflüssig, bekommt man doch alle paar hundert Meter welche. Teilweise nicht nur gekühlte, sondern gar gewärmte.
Jori hatte seinen Spaß dran und hat sie alle ausgiebig angeschaut und einen Großteil des Inhalts durchprobiert.



Manchmal gab es auch andere Automaten, zum Beispiel für Eis. Oder diesen altmodischen Backautomaten hier. :)
Und dann natürlich die, die den Alltag leichter machen. Im Supermarkt an der Kasse zum Beispiel. Geld wird in die Kasse eingeworfen und das Wechselgeld ausgespuckt, kein Verkäufer muss es da noch selbst abzählen, geschweigedenn im Kopf ausrechnen, falls der Käufer noch nachträglich die passenden Kleinbeträge dazugelegt hat!

Warum ein Volk mit so viel Sinn für Praktisches allerdings immer noch keine Duschmischbatterien kennt und man sich Temperatur und Strahlstärke nach wie vor mühsam von Hand zurechtfummeln muss, ist mir ein Rätsel!

Und wie es kommt, dass diese im Kollektiv hochintelligente Roboternation im Englisch-Unterrichten komplett versagt, verstehe ich ebensowenig. Wirklich, kaum ein Mensch spricht annähernd fließend oder auch nur halbwegs verständlich, auch wenn natürlich ein paar wenige Ausnahmen die Regel bestätigen.

Für die große Anzahl von Automaten ist übrigens trotzdem überall immer noch eine Menge Personal auf den Beinen!

Weil nun einmal alles automatisiert ist, spricht auch alles mit dir. Zu mir sprachen mindestens
- ein Klo
- eine Kasse
- eine Rolltreppe
- ein Geldautomat
- ein Getränkeautomat
- ein Rettungswagen.

Apropos Klo: Es gibt in Japan deutlich mehr öffentliche Toiletten als Mülleimer! (Das heißt, selbst in den Toiletten gibt es nicht immer Mülleimer.) Aber vorbei der Gedanke, den ich sonst auf Reisen so oft habe "Oh, da ist eine Toilette, da geh ich lieber noch mal schnell hin, wer weiß wann die nächste kommt!" Sie wird schon kommen und für umsonst zu haben sein. Es wird eher darauf hingewiesen, dass z.B. in diesem Teil der Burg nun KEINE Toilette zu finden ist, damit man auch nicht plötzlich vor einem Problem steht.
Bei so einem Service kann man dann mal darüber hinwegsehen, dass die Hälfte dieser keine Möglichkeit der Händetrocknung vorsieht und manchmal selbst Seife nicht zu finden ist...

Abgesehen davon sind Toiletten in der Regel sehr gut ausgestattet (z.B. fast überall mit Kindersitz, damit Mama auch in Ruhe "machen" kann) und mindestens eine pro Toilettenanlage, wenn nicht gar alle, sind die vom Hörensagen bekannten "Washlets", sozusagen Klo-Generation 2. Mit Sitzheizung, Hinternwaschanlage, manchmal Fön (aber das würde wohl 15 min dauern, dafür lohnt sich dann doch der Einsatz des Papiers), Gluckergeräuschkulisse und manchmal automatischer Spülung. Und im Gegensatz zu fast allen anderen asiatischen Ländern ausgestattet ausgerechnet mit dem Hinweis, das Papier bitte INS Klo und bloß nicht in den Mülleimer (wenn er denn da ist) zu werfen. Und wie man drauf zu sitzen hat auch:


Die Abwesenheit von Mülleimern kann manchmal ziemlich lästig sein. Denn Müll wird in Japan haufenweise produziert. Klar macht man unterwegs ein bisschen mehr Müll als zu Hause, aber in Europa nicht in diesen rauen Mengen. Ich würde sagen, zwischen Tourist und Einheimischem gibt es in dieser Hinsicht in Japan gar nicht mal so große Unterschiede. Die ganze Kultur ist anscheinend darauf ausgelegt, zu Hause niemals Essen zu machen - es gibt frische Fertiggerichte zu günstigen Preisen in unvorstellbaren Mengen in jedem Supermarkt und Ecklädchen. Sushi und artverwandte Speisen, Salate, Frittiertes... Und immer schön in 'ner Plastikbox (das macht an sich schon Sinn, aber trotzdem... Müll!). 
Und alles kommt dann noch mal in 'ne Plastiktüte, und wenn's nur drei Teile sind. Aber versuch mal, dem Kassierer zu sagen, du bräuchtest keine! Dann werden auf alle einzelnen Waren Aufkleber gemacht, die auf den 5m bis zur Tür belegen, dass du die Sachen auch wirklich bezahlt hast. Na, wenigstens kann man so seine ggf. verschmierten Verpackungen einen Tag lang mit sich rumschleppen, bis man sie zu Hause oder im Bahnhof endgültig entsorgen kann, also haben wir nach einer Weile doch jede Tüte mitgenommen, die wir kriegen konnten...
Trotz dieser Mülltaktik ist es relativ sauber. Das Einzige, was wirklich was bringen würde, wäre die Einführung von Pfandflaschen- und Dosen. Die findet man nämlich leider in fast jedem Gebüsch.

Eine Sache, die mir in ganz Japan positiv aufgefallen ist, ist das Rauchverbot an den meisten öffentlichen Orten, z.B. in Fußgängerzonen.


Das Ganze hat aber eine furchtbar unangenehme und für mich nicht nachvollziehbare Kehrseite: Dafür darf drinnen geraucht werden! Im Restaurant! In Europa genieße ich es so sehr, dass es nicht mehr wie in alten Zeiten stinkt, da wäre ich kaum auf die Idee gekommen, dass es in irgendeinem westlich orientierten Land noch anders sein könnte. Tja, musste man durch :(

Womit ich nun endgültig beim Thema Essen angekommen wäre. Das ist nämlich auch eine Welt für sich.

Am Anfang  machte ich mir ja noch Gedanken zu Tischsitten und Ähnlichem. Hatte mich vorbildlich informiert, dass das vor dem Essen gereichte Handtuch ausschließlich für die Hände gedacht ist, damit ich mich auch nicht danebenbenehme (was ich ohnehin bestimmt oft genug versehtlich tat, da wollte ich wenigstens die offensichtlichen Fettnäpfchen auslassen).
Und was stellten wir fest? Die Japaner nehmen es selbst nicht so genau mit ihren Regeln. Von Mund abtupfen bis Schweiß von der Stirn wischen haben wir fast jede mögliche Verwedung oben genannten Handtuchs beobachten dürfen!
Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch, dass lautes Schlürfen von Nudelsuppen zum guten Ton gehört, selbst wenn andere "normalere" Dinge wie Naseputzen heimlich geschehen sollten. Andere Länder, andere Sitten!
Ach ja, und weil wir schon im vollautomatisierten Land sind - ihr werdet es gleich auf den Fotos bemerken - ist es dort auch schon viel gängiger als hier, nicht mehr beim Kellner aus der Speisekarte, sondern direkt vom Bildschirm zu bestellen, auch wenn sich dieses Konzept ganz langsam ebenfalls Richtung Europa verbeitet.

Aber WAS isst man nun eigentlich?
Dazu zuerst die Frage: Was assoziiert ihr mit japanischem Essen?

Also ich hatte zumindest vor meiner Reise die Vorstellung, die japanische Küche wäre geprägt von Reis, Fisch und Gemüse.
Selbst mein Reiseführer lobte das Land als Paradies für Vegetarier, so lange man denn mit der Verwendung von Fischsoße leben könne.
Darüber hinaus hielt ich die Küche für äußerst vielseitig, allem europäischen Trend zu ausschließlichen Sushibars zum Trotz.
Also irgendwas haben wir falsch gemacht. Oder es sind nur Gerüchte.

Aber der Reihe nach. Fangen wir mal beim Frühstück an.
Hm, ich habe selten die Möglichkeit gehabt, die Japaner selbst frühstücken zu sehen. Aus meinen wenigen Erfahrungen würde ich sagen, entweder nur Kaffee oder gleich eine Nudelsuppe. Für uns sah ein Frühstück oft so aus (wenn wir nicht auch gleich zur Instant-Nudelsuppe gegriffen haben):


Onigiris. Dreieckige gefüllte Reistaschen, in verschiedenen Geschmacksrichtungen (die sich irgendwie doch alle ähneln) in jedem noch so kleinen Lebensmittelgeschäft reihenweise erhältlich.

Sollte es dann mehr euröpäisch sein, hatte man auch diese Auswahl:


Ja, wirklich: Deutscher Baumkuchen (unglaublich beliebt und überall zu kriegen!) und finnische Korvapuusti. Also die nachgemachte Version. Mit echtem Baumkuchen hatte dieser Biskuitkuchen mit Eiergeschmack dann doch nicht so viel gemein, wie ich mir gewünscht hätte... In vielen Supermärkten gab es darüber hinaus auch noch eine kleine Theke mit frischem Süßgebäck, das zwar etwas zu süß, aber doch irgendwie nicht schlecht war.
Jori war besonders begeistert von den Teilchen mit Melonengeschmack, denen ich gar nicht viel abgewinnen konnte. Aber Melone ist anscheinend dort eine sehr beliebte Geschmacksrichtung.

Allerdings tritt sie bei Weitem nicht derart häufig auf wie die beiden absoluten Favoriten: Matcha (Grüntee) und Sakura (Kirschblüte), letzteres wohl saisonbedingt.

Es gibt quasi jede Süßigkeit mit Matchageschmack. Manchmal sind ganze Regale grün gekennzeichnet - nicht dass das nötig wäre, man sieht es schon an den Verpackungen. Und gut so, ich bin begeistert! War ich schon, seit eine Kollegin vor über einem Jahr Grüntee-Kitkats ins Büro mitbrachte.

Apropos - Kitkats sind Süßigkeit Nummer eins und in mindestens 36 Geschmacksrichtungen erhältlich! Oder so ähnlich, hab die genaue Zahl vergessen. Leider habe ich es ebenfalls versäumt, ein Kitkatregal zu fotografieren, aber googlet doch einfach mal, wenn es euch interessiert. Beeindruckend! :)
Und auch Pringles gibt es in vielen ungewohnten Würzungen, hier rechts mal nur zwei davon.

Und hier unten ein paar Beispiele für Matchamilch, -eis, -mikados, ... ich erwähnte schon vorher die Begeisterung für Hello Kitty, nicht wahr? (Die Dinger, die nach Erdnussflips aussehen und nach Karamel schmecken, waren übrigens auch sehr gut!)



Und das hier sind Mochi. Matchamochi. Aus Reisteig hergestellte Süßigkeiten, die ich hier rechts in Nara in ganz frisch probieren konnte. Mjam.


Und wie schon erwähnt, Sakura gibt's auch überall. Sakuralatte, -eis, -softdrinks, ...


Eine erstaunlich leckere Sache ist, dass es in Japan tatsächlich salzige Eissorten gibt, wie z.B. ausgerechnet das Sakura-Eis. Und viele ungewöhnliche Sorten noch dazu. Wir hatten sogar Süßkartoffeleis aus der für Okinawa typischen roten Kartoffel!

Schließlich bieten noch Marktstände den kleinen Snack für unterwegs an, z.B. Waffeln gefüllt mit Bohnenpaste oder Pudding.
Und auf dem Markt weiß man sich auch beim Teig-Umrühren zu helfen. Die gute alte Bohrmaschine! :)
(Und ihr ahnt inzwischen schon, so richtig gefastet habe ich in der Fastenzeit dann doch nicht...)


Soweit mein kleiner Exkurs zu Süßigkeiten. Schließe ich doch eben schnell einen zu Getränken an. Das Schild sagt alles, oder?


Ersteres: wahrscheinlich wichtig, für mich schwer zu beurteilen. Das Zweite: Erwähnenswert, denn längst nicht überall zu haben. Letzteres: Unglaublich selten. In dieser Kombination: "Kommt her und trinkt, bis ihr umfallt!" ;)

Trinken bis zum Umfallen funktioniert übrigens so:

Seht ihr das Rohrsystem? Du buchst dir deinen Sake-all-you-can-drink-Hahn für ein, zwei oder drei Stunden und los geht's, einfach selber am Tisch nachzapfen!

Aber zurück zu den Hauptgerichten.

Wo englische Speisenkarten ja nun nicht überall vorhanden sind, ist es schon sehr praktisch, dass jedes Restaurant sein Angebot entweder als Plastik-/ Wachsmodell oder unter Frischhaltefolie zur Schau stellt. Im Zweifel einfach drauf zeigen.



Leider ist nicht immer darauf Verlass. Einmal haben wir über eine Stunde Tempura gesucht und schließlich auch fast gefunden - nur dass im gesamten Haus kein Restaurant zu finden war, das das Essen im Schaukasten auch anbot... :/
Manche machen das aber auch gleich ganz deutlich. Tolle Essensfotos und dann der Hinweis, "nicht von unserer Speisekarte". Na klasse, und man hatte schon Appetit...

Wo immer machbar, versuchten wir uns an regionalen Spazialitäten, um mal ein wenig Abwechslung ins Essen zu bekommen. Denn ob ihr's glaubt oder nicht, so bunt das Essen aussieht, es gibt ein paar Grundgerichte, die man zwar in verschiedensten Variationen bekommt, aber irgendwann hat man das Gefühl, das alles irgendwie so ähnlich schon mal gehabt zu haben. Ob man die Nudelsuppe nun mit Udon, Ramen oder Soba isst, ändert irgendwie nichts daran, dass sie eine Nudelsuppe ist. Eine leckere zwar, aber immer noch eine Nudelsuppe. (Wobei die hier unten gezeigten größeren Eintöpfe über die simple Nudelsuppe weit hinausgehen und ich diese durchaus mehrfach pro Woche essen könnte, selbst wenn sie sich untereinander wiederum ähnlich sind!)


Die drei Nudelsorten gibt es übrigens auch gebraten - z.B. als Yakisoba oder Okonomiyaki (letzteres eine Art Omelett). Hier, wie so üblich direkt am Tisch zubereitet, drei verschiedene Yakisobas und ein Okonomiyaki, zu erkennen an der (hier zugegeben etwas dick aufgetragenen) Mayonnaise:


Lecker? Ja, sehr. Abwechslungsreich? Nach dem dritten Mal nicht mehr so.

Deswegen waren wir auf so etwas aus:


Die ersten beiden Gerichte stammen speziell von Okinawa. Links seht ihr das gurkenartige Gemüse, das Goya oder Bittermelone heißt und verantwortlich sein soll für den großen Anteil sehr alter und noch fitter Menschen auf Okinawa (siehe dortiger Artikel). In der Mitte, das sind Seetrauben. Ein ziemlich salziger Salat aus einer gewissen Algensorte. Und rechts, das gab es in Kyoto bzw. in der ganzen Kansai-Region, Takoyaki - Oktopus in zwar gebackenen, aber trotzdem noch irgendwie glitschigen Teigbällchen.

Einige Experimente erforderten etwas mehr Mut beim Probieren:
Links Natto - fermentierte Sojabohnen. Einige behaupten, es wäre unerwartet lecker. Ich sage euch, für mich war es das Furchtbarste, was ich seit mindestens zehn Jahren gegessen habe! Eher seit zwanzig... Und ich war nicht einmal voreingenommen von der zugegeben nicht sonderlich appetitlichen Beschreibung.
Rechts dagegen mit Ei gefüllte Minioktopusse, die waren allen Ernstes richtig gut!


So weit zu ein paar Exoten.

Die erwarteten Reisspeisen gibt es natürlich auch. Für gewöhnlich sushiartige Dinge wie "echte" Sushis, Onigiris, Fisch-Reis-Salate u.ä. aus der günstigen Supermarkt-Kühltheke.
Gerade mal drei Euro für so einen sushimäßigen Salat, wer hätte es für möglich gehalten! (Zum Vergleich: Die dünnste und im Volumen wohl kleinste Pizza unseres Lebens war teurer!)


"Richtig" Sushi essen waren wir wenigstens auch einmal, da gibt es schon so einige Fische, die man bei uns nicht bekommt! Ich liiiebe Sushi!


Das ändert allerdings nichts daran, dass sich das versprochene Gemüse kaum blicken lässt, außer als kleine Flakes von Kohl, eingelegtem Ingwer und Frühlingszwiebel.
Im Supermarkt fällt es durch horrende Preise auf (ich glaube, Fisch ist in Japan billiger!). Auch bestimmtes Obst ist teuer- ein paar Mal habe ich mir einen einzigen Apfel zum hiesigen Kilopreis gegönnt, aber immer nur, wenn ich wirklich auf Entzug war.

Apropos Flakes - fast überall werden geräucherte hauchdünne Tunfischflakes draufgestreut (sieht man z.B. im Yakisoba-Foto). Hat eine Weile gedauert, bis wir entschlüsselt hatten, um was es sich dabei handelte!

Und dann wird einfach so gut wie alles mit Ei serviert. Auf Okinawa noch meistens gebraten (siehe oben mit der Goya), aber im Rest des Landes auch sehr gerne einfach roh auf dem Reis, in der Suppe, ...
Und Fleisch gehört auch fast überall rein. 

Wenn unsere Verzweiflung aufgrund des Gemüsemangels also zu groß wurde, haben wir zwischendurch schon mal andere Nationalitäten probiert, z.B. koreanisch, indisch oder isrealisch - wo wir zum ersten Mal vegan essen konnten! (Das ist KEIN Fremdgehen, wir waren schließlich fast vier Wochen da, da darf man das! :P ).


Das Bild hier links vom Koreaner habe ich übrigens eingestellt, um euch ein anderes Phänomen zu zeigen: Privatsphäre.
Ich kann zwar nicht sagen, ob es typisch koreanisch ist, doch im japanischen Kontext haben wir für diese äußerst privaten Sitzecken unsere eigene Erklärung gefunden. In Japan wohnt man nämlich auf schwer beengtem Raum. Das ist so extrem, dass Stundenhotels was ganz Normales und überhaupt nichts Anrüchtiges sind, einfach, damit ein Paar auch mal seine Zweisamkeit haben kann. Vielleicht ist diese Art von "Versteck" einfach nur eine andere Chance, Zweisamkeit zu genießen... (Uns kam es dabei allerdings mehr auf's Essen an. ;) )

Und dann waren wir noch mehrfach aus Versehen (!) beim Chinesen. Reingelockt von den Plastikmodellen, die nach japanischem Essen mit reichlich Gemüse aussahen. Endlich! Und dann war es doch wieder ein Chinese. Vielleicht hätten wir in diesem Restaurant bei den Gyoza als Beilage drauf kommen können...


Beim Chinesen in Himeji hatten wir dann noch ein wirklich ungewöhnliches (und mir ein wenig peinliches, im Endeffenkt aber sehr lustiges) Erlebnis.
Die Speisekarte bot nämlich ein höllisch scharfes Gericht an - mit Flammenfoto im Hintergrund und Totenkopfsymbol. Und Jori wollte es natürlich probieren.
Jori kann ja auch eine Habanero pur essen oder einen ganzen Burger mit der Chilisoße, von der mir bereits nach einer Gabelspitze der Mund brennt, also machte ich mir da keine Gedanken. Die Bedienung anscheinend aber schon. Ob er das wirklich bestellen wollte, das sei wirklich sehr scharf! Ja, er war sich sicher. Ganz sicher.
Bestellt war es, da kam eine zweite Bedienung an und brachte ihm das Formular, das er zu unterschreiben hätte! Komplett in Japanisch verfasst.
Auch wenn der Tischnachbar versuchte, es zu erklären, Jori bekam das Muffensausen und traute sich plötzlich doch nicht mehr. Ich wette, es war nur "mir ist bewusst, dass der Verzehr von überaus scharfem Essen mit Schweißausbrüchen einhergehen kann und ich werde mein Essen bezahlen, auch wenn ich es nicht aufessen kann" oder so ähnlich, aber wir wussten es eben nicht. Also hat Jori mal lieber doch nicht unterschrieben und doch noch mal umbestellt... Ein anderes laut Speisenkarte einfach nur scharfes und nicht höllisch scharfes Gericht, das selbst für mich relativ mild war. Vielleicht hätte er das andere doch probieren sollen... :D


Aber zum guten Schluss, wo nehmen die Einheimischen denn nun ihre Vitamine her? Aus der Dose. Vitamindrinks, Gemüsedrinks... ganze Regale voll.


Dennoch glaube ich, es gibt sie doch noch, die Gemüsegerichte. Einen "Fehler" haben wir wahrscheinlich schon gemacht. Unser Budget. Hätten wir jeden Tag so viel investiert, wie man das in einem finnischen Restaurant zum Dinner müsste, dann hätten wir auch öfter so was Tolles bekommen wie die Fastenspeise der Mönche, von der ich euch bereits im letzten Artikel erzählt habe (ausgerechnet Fastenspeise und sooo gut!).


Na ja, trotzdem, als ich wieder zu Hause war, war es Zeit, nachzuholen:


Jetzt, so nach einem Monat Pause, könnte ich gut und gerne wieder ein paar Tage lang japanisch essen. Nur eben nicht wochenlang NUR.

Damit wäre meine Japan-Reihe abgeschlossen, um endlich wieder Platz zu machen für aktuellere Ereignisse - auch wenn die vielleicht nicht mehr ganz so exotisch sind. Ursprünglich hatte ich den Plan, euch auch noch auf die Nase zu binden, wie ich ausgerechnet ins Land der Erdbeben gefahren bin, um dann dort keins zu erleben, aber das in Oulu zu verpassen - doch aufgrund der kürzlichen Ereignisse bin ich wirklich froh, das ausgelassen zu haben!

An die aufmerksamen Leser der letzten fünf Artikel nun ganz zum Schluss noch ein Quiz: Was ist neu bei mir?
Wer als Erstes weiß, was ich meine, bekommt ein Grünteekitkat! :P

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