Kommen wir nun zum "abenteuerlichsten" Teil unserer Reise.
Das Gefühl, heute noch nicht zu wissen, wo man morgen sein wird und was man dort erlebt, gehört zum "richtigen Reisen" (im Gegensatz zum "einfach nur Urlaub machen") ja einfach dazu.
Für uns hieß das, nach unserem Abschied von Tokyo für neun Tage mit dem Zug quer durchs Land unterwegs zu sein.
Und Japan macht es den Touristen da einfach: Es gibt den sogenannten Japan Rail Pass, mit dem man -in unserem Fall für sieben Tage- zum Pauschalpreis durchs gesamte Land fahren kann. (Wenn jemand von euch daran für eure kommende Japanreise interessiert ist, bedenkt aber, dass man ihn nur im Ausland und nicht in Japan selbst bekommt!) Man darf damit alle Züge, bis auf die Privatbahnen und einen bestimmten Shinkansen-Typ, benutzen. Eine Woche kostet dabei gerade mal so viel wie einmal Kyoto-Tokyo und zurück. Im Land der höllisch teuren Bahnpreise also ein wahres Schnäppchen!
Am ersten Tag kamen wir allerdings noch ohne aus, denn Nikko ist nicht allzu weit von Tokyo entfernt, so dass sich ein Einzelticket noch lohnte.
Nikko - ein Ort, den ich mir gewünscht hatte. Ein bisschen aus architektonischem Interesse, aber in erster Linie einfach, weil es in Japan ein Sprichwort gibt: "Sage nicht prachtvoll, bevor du nicht Nikko gesehen hast". Na, das wollten wir doch sehen, oder?
Und, was soll ich sagen - schön war's! Auch wenn an einem Samstag tausende Japaner ebenfalls meinten, das müssten sie sehen, es hat mir trotzdem gefallen. Und dass dort oben in den Bergen alles weiß gepudert war, trug noch zur Atmosphäre bei!
Wenn man sich dem Tempelbezirk nähert, fällt einem zuerst diese romantische Brücke ins Auge. Früher durfte sie angeblich einzig und allein vom Kaiser oder einem seiner Abgesandten betreten werden!
Wenig später und etliche Treppenstufen höher ist man nun wirklich fast da.
Kurz vorm Eingang der berühmten Tempelanlage bekamen wir einmal kurz einen Schock aufgrund der wirklich langen Schlange vorm Ticketschalter und der Schließungszeit im Hinterkopf. Doch die Japaner sind gut organisiert und es fluppte erstaunlich schnell!
Zunächst fallen die Farben der Tempel ins Auge, doch wenn man näher hinschaut, ist es nicht nur ein beeindruckendes Gesamtbild, sondern gerade die Details faszinieren.
Schon als ich Kind war, kannte ich zum Beispiel diese drei Affen, weil meine Großeltern ein - ich glaube, es war ein Flaschenöffner-Set mit demselben Thema hatten. Aber nie hatte ich geahnt, dass das Vorbild hierfür in einem japanischen Tempel zu finden ist!
Und diese Elefanten sind einfach beeindruckend, da der Künstler angeblich niemals einen echten Elefanten mit eigenen Augen gesehen haben soll.
Das schönste aller Tore befand sich leider gerade (und insgesamt für einige Jahre) in Renovierung - immerhin hatten sie ein Foto aufgestellt, was man verpasst und durch ein paar Schaufenster konnte man wenigstens noch ein paar Ecken in Augenschein nehmen.
Aber auch wenn uns ein Großteil hiervon verborgen blieb, es zeigten sich noch genug andere Schätze. Teilweise war sogar das Fotografieren verboten, was euch immerhin weitere zehn Bilder erspart. ;)
Ach ja, und natürlich war Rhöni auch bei dieser Reise wieder mit von der Partie!
Zum Schluss wurde uns noch ein faszinierendes Phänomen vorgestellt - in einer Halle kann man nämlich den Drachen, der an die Decke gemalt ist, heulen hören! Das funktioniert so, dass genau in der Mitte unter dem Drachen jemand Holz aufeinanderschlägt, woraufhin ein starkes Echo zu hören ist. Das an sich ist ja noch nicht so spannend, aber dass es nur zwei Meter links oder rechts davon nicht das geringste Echo gibt, schon! Noch habe ich allerdings nicht gelernt, Echos zu fotografieren, darum hiervon kein Bild ;)
Auf dem Rückweg aus den Tempeln fiel mir im Dorf schließlich noch diese originelle Telefonzelle ins Auge:
Von Nikko aus machten wir uns auf den Weg ins nahegelegene Utsunomiya - der Hauptstadt der Gyoza, chinesischen Teigtaschen. Weniger wegen der Delikatesse, obwohl sie wirklich sehr gut waren, als weil unser nächster Couchsurfer dort wohnte.
Er hat die japanische Arbeitsmoral wirklich exzellent vorgeführt - holte uns abends um Viertel nach neun vom Bahnhof ab und kam direkt aus dem Büro! Trotzdem nahm er sich noch Zeit, sich mit uns zu unterhalten, was wir ihm hoch anrechnen. Als wir uns schließlich eine gute Nacht wünschten, glaubten wir zunächst, er würde wirklich schlafen gehen, doch bis zwei arbeitete er wohl noch am Laptop weiter, hörten wir am nächsten Morgen... Da wunderten wir uns nämlich etwas, dass er um 8.40 noch nicht unten war - ihr müsst wissen, um 8.30 wollte er wieder ins Büro und uns zum Bahnhof fahren (ja, richtig beobachtet, gestern war Samstag - er arbeitet sieben Tage die Woche!). Schließlich ging Jori nachschauen und berichtete, neben Takuyas Kopfkissen läge ein laut klingelnder Wecker, aber das würde ihn nicht am Schlafen hindern... Armer Kerl!
Allerdings ist das wohl das Geheimnis, dass er sich ein solches Haus leisten konnte. Allein das Wohnzimmer war wahrscheinlich größer als unser gesamtes Reihenhäuschen in Kyoto! Und ein Großteil dessen war im Obergeschoss eine Dachterrasse. Von der Architektur her alles viel stylischer als in den "normalen" Häusern - wow! Rein bauphysikalisch allerdings leider trotzdem um Längen hinter Europa zurück...
| Shinkansen - aber hier woanders |
Na ja, was soll's, dann kam ja auch schon unser, der dort hielt und uns mit nach Tokyo nahm und von dort aus weiter wieder nach Kyoto...
Was wäre ein Japan-Aufenthalt, ohne den Fuji-san zu sehen? Wahrscheinlich nicht komplett. Besteigen darf man ihn erst ab Juli, aber schon aus der Ferne sieht er imposant aus:
So, von Kyoto hatte ich ja schon berichtet. Erst hatten wir überlegt, unsere Reise erst nach dem dortigen Drachenfestival zwei Tage später fortzusetzen, aber spontan hielten wir es für Verschwendung, unser Ticket nicht ausgiebigst zu nutzen und nur wegen einer doch eher kleinen Veranstaltung dort zu bleiben.
Ein goldrichtige Entscheidung! Also machten wir uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg. Bis nach Kyushu ging es, genauer gesagt nach Beppu, einem Ort, der für seine zahlreichen Onsen berühmt ist.
Hier gleich das erste öffentliche - ein Handbad direkt vorm Bahnhof!
Und auch mit der Unterkunft hatten wir ein Riesenglück. Hatten uns vorher ein bisschen informiert, steuerten die erste Adresse an und schwupps, hatten wir ein supergünstiges, schönes Zimmer im traditionellen Stil! Auch wenn das Bild etwas schlecht belichtet ist, selbst die Fenster waren aus Papier! (Außen wurden sie allerdings doch noch durch ein Glasfenster geschützt.) Sogar mit eigenem Badezimmer, allerdings hätte man Warmwasser an der Rezeption anmelden müssen, denn warum würde man künstlich Wasser erwärmen, wenn es doch heißt aus der Erde kommt und entsprechend eingespeist werden kann?
Aber warum im Zimmer duschen, wenn das Hotel doch ein Onsen-Bad hat? Und weil so wenig los war, konnten wir es sogar zur Privatbenutzung haben. Ein ganz besonderes Erlebnis! Und nachher ist die Haut irgendwie viel glatter/weicher als nach einer normalen Dusche...
Die sogenannten "Höllen" Beppus haben wir leider ganz klassisch verpasst. Es hätte noch blubbernde Teiche und gar einen Geysir gegeben, allerdings eine Busfahrt weit entfernt und wir waren an dem Tag einfach zu faul, machten uns stattdessen einen ganz ruhigen Nachmittag/Abend und genossen unser Onsen. Ein bisschen schade schon, aber wir waren schließlich im Urlaub und wollten keinen Stress. Gesehen haben wir auf unserer Reise schließlich auch so schon eine Menge!
Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel - den Ort Aso. Ursprünglich hingefahren, um einen äußerst aktiven Vulkan aus der Nähe zu betrachten, waren wir ein bisschen enttäuscht, als wir hörten, dass er zur Zeit so giftige Gase spuckt, dass eine Wanderung auf den Kraterrand unmöglich ist. (Darüber hatte ich bereits erfolglos im Internet Auskunft gesucht...)
Aber nun waren wir ja nun einmal da... und mit unserem Riesenglück genau am richtigen Tag, denn genau an diesem Abend war es, dass das im Reiseführer für etwa Mitte März angekündigte Feuerfest an einem Schrein im Nachbardorf stattfand! Dort wird einmal im Jahr die Hochzeit zweier Götter mit Trommel- und Feuerwirbel zelebriert.
Vor dem Schrein (auf 500 m Länge!) wurden Strohballen, die in der Mitte an ein Seil geknotet waren, angezündet und von Männern im Kreis gewirbelt. Sobald der Ballen fast abgebrannt (oder auch das Seil durchgebrannt) war, wurde er durch einen neuen ersetzt.
Das an sich wäre ja schon ein absolutes Highlight für den sonst kleinen und eher unspektakulären Ort gewesen, aber auch am nächsten Tag hatten wir einfach unglaubliches Glück - und nette Menschen.
Es traf sich nämlich so, dass die Unterkünfte unten im Dorf (wohl gerade wegen der Götterhochzeit) restlos ausgebucht waren. Somit versuchten wir unser Glück in der Jugendherberge, zwanzig Minuten Fußmarsch den Berg hinauf. Dort bekamen wir nicht nur das günstigste Bett der gesamten Reise, sondern hatten auch mangels anderer Gäste den Schlafsaal für uns und die nettesten Herbergseltern überhaupt! Mit ein paar Brocken Englisch und viel Google Translate unterhielten wir uns und fragten unter anderem nach dem Weg zu dem grasbewachsenen Vulkan auf den Bildern, die den Gemeinschaftsraum dekorierten. Wenn schon kein Blick in den Krater des Nakadake, dachten wir uns, dann doch wenigstens dieser schöne Anblick!
Und da boten sie uns doch einfach an, uns dort hinzufahren. Sagten uns, es wäre recht weit bergauf, aber sie könnten uns mit dem Auto bringen und wir könnten dann zurück wandern. Wow! So bekamen wir unsere ganz private Tour...
In der Gegend wird Brandrodung betrieben, deswegen leuchtete der Vulkan leider gerade nicht im gleichen sattgrün wie auf den Fotos, aber schön war es trotzdem. Und damit nicht genug!
Wo wir schon einmal auf dem Berg waren, ließen Yoko und Kumamo es sich nicht nehmen, uns den Stolz ihrer Gegend zu zeigen und fuhren mit uns zu einem weiteren Aussichtpunkt und schließlich zum Fuße des Kraters, dem nächsten Punkt des Vulkans, wo man zur Zeit noch hindarf. Ein Blick in den Kratersee war von da aus zwar nicht möglich, aber trotzdem, was für ein Anblick, wie er da unablässig Rauchwolken spuckte! Highlight Nummer zwei in weniger als 24 Stunden!
Zum Abschluss unseres Besuches bei ihnen bekamen wir die wohl beste (und von Kumamos Mutter hausgemachte!) Misosuppe überhaupt.
Und weil wir in Aso derartiges Glück hatten, kamen wir auch noch gerade rechtzeitig am Bahnhof an, um den nächsten Zug zu erwischen. "Express" - Bimmelbahn hätte es besser getroffen! Unterwegs mussten wir sogar einmal im Rückwärtsgang aus einem Bahnhof raussetzen und mit Anlauf weiterfahren, um eine Steigung zu schaffen (wenn wir da nicht was missverstanden haben...). Schließlich war es aber bis zum nächsten Shinkansen-Bahnhof geschafft und erst als wir im Zug saßen, überlegten wir uns, wo wir denn wohl heute Nacht gerne schlafen wollten. Was wir morgen vor hatten, wussten wir dieses Mal schon, aber gleich die Nacht im Startort zu verbringen, wenn es doch in der Gegend noch anderes Schönes zu sehen gab?
Unsere Wahl fiel auf Kurashiki, eine alte Kaufmannsstadt mit urgemütlicher kleiner Altstadt.
Fast hätten wir sie nur im Dunkeln gesehen, denn irgendwann muss jede Glückssträhne ja mal ihr Ende finden - in Kurashiki in Form von reihenweise ausgebuchten Unterkünften. Aber Ende gut, alles gut. Mit Hilfe netter Menschen wurde schließlich nicht nur irgendein Bett, sondern gar ein bezahlbares direkt in der Altstadt aufgetan! Und das war unser Glück, denn erstens wäre es zu schade gewesen, die Stadt nicht bei Tageslicht zu sehen und zweitens war unsere Zeit ja knapp bemessen.
Und wo wollten wir so überstürzt am nächsten Morgen hin? Nach Onomichi.
Nicht für die Stadt selbst, aber um das gute Wetter zu nutzen und mit dem Fahrrad über's Meer zu fahren. Bis nach Imabari auf Shikoku! Und das ist nicht gerade ein Katzensprung. Besonders mit Leihfahrrädern. Die waren zwar gut in Schuss gehalten, aber auch schon sehr alt und kein Vergleich mit meinem eigenen Rad. Man nimmt, was man kriegen kann...
Also, zusammengefasst: mindestens 76 (anderen Quellen nach gar 80) km, 6 Brücken, viel Meerblick und ein sehr gut markierter Weg. Und Sonnenschein.
Los ging's mit der Fähre auf die erste Insel der Seto Inlandsee, Mukaishima.
Anfänglich führte die Route noch durch relativ normale Wohn- und Werftviertel, doch schon bald war man abseits des Trubels auf einsamen Straßen unterwegs, immer am Meer entlang.
Die Inlandsee schimmerte blau und türkis und glitzerte vor sich hin, nur unterbrochen von grünen Inselchen und weißen Sandstränden, während wir unser ersten Herausforderung näher kamen: Brücke Nummer eins. Da müssen wir hoch.
Langsam aber sicher kämpfen wir uns über die spiralförmige Straße, exklusiv für Fußgänger und Zweiradfahrer, bis mitten in den Fachwerkträger.
Am anderen Ende der Brücke wartet das schöne Innoshima auf uns, wo diese netten Herrschaften allen Fahrradfahrern zurufen und winken und zu einer Vollbremsung in voller Bergabfahrt einladen. Hält man bei ihnen an, verschenken sie Mandarinen oder Orangen, so viel wie sie in unsere Rucksäcke gestopft kriegen, egal ob man ihnen noch so oft Danke sagt und es würde schon reichen... :)
Eine schöne Pause, aber wir haben ja noch viel vor...
Der Weg führt uns durch viele Orangen- und Zitronenhaine, besonders auf Ikuchijima. Überall leuchtet es gelb. Da konnte ich mir ein weiteres Kameraexperiment nicht verkneifen ;)
Von den Brücken hat man eine besonders gute Aussicht.
Und auf Omishima finden wir die kleinste Dorfbibliohek aller Zeiten.
Weiter geht es nach Hakatajima und Oshima. Die Landschaft im zweiten Teil der Tour gefällt uns besser als am Anfang, wo es schon noch ab und an durch zivilisierte Inselteile ging (was aber auch den Vorteil eines Supermarktes zur Essenszeit mit sich brachte).
Mittlerweile wird es immer später, aber zum Glück sieht es so aus, als könnten wir es heute noch schaffen!
Das meinte ich übrigens mit "gut markiert". Die gesamte Strecke ist durch eine blaue Linie gekennzeichnet!
So, Endspurt. Noch ein letztes Mal in großen Kreisen auf die Brücke und sage und schreibe 6,4 km bis an ihr Ende! Es dämmert schon fast, aber diese Brücke ist das Highlight des Tages und es ist schön, dass wir sie uns bis zuletzt aufgespart haben.
Bis wir Imabari erreichen, ist es fast sieben und stockdunkel, doch zum Glück gibt es noch eine Fahrradstation, die bis 22 Uhr geöffnet hat.
Wir haben einen wirklich großartigen, aber auch verdammt anstrengenden Tag hinter uns und wollen nur noch alle Viere von uns strecken. Zum Glück dauert es keine 10 min, bis Jori ein etwas schäbig wirkendes, doch in diesem Moment äußerst willkommenes Hotel entdeckt, das freie Zimmer und eine heiße Wanne hat. Uff. Geschafft und glücklich!
Am nächsten Tag war ich dann ziemlich froh, dass wir wieder viel im Zug sitzen durften. Leider saßen wir ZU lange drin... Eigentlich war der Plan, noch ein wenig länger auf Shikoku zu verweilen und die Strudel von Naruto zu besuchen, aber irgendwie wusste unser Hotelbesitzer dann wohl doch nicht so gut über die Zugverbindungen Bescheid wie er dachte. Zumindest erreichten wir niemals den Ort, in dem wir hätten umsteigen müssen und fanden uns stattdessen schon bald auf Honshu wieder... Aber so ist das eben. Man kann sich ärgern oder nicht, dann wird halt umgeplant. Also fuhren wir schon heute ins für morgen geplante Himeji.
Mich interessierte ja die Burg, aber wir waren noch nicht ganz da, da fand Jori einen Zoo. Tiere! Also mussten wir erst mal dahin. Er hat einen Aardwark gefunden, das erste Tier im Wörterbuch! Na, wenigstens einer war glücklich. Ich dagegen nicht so sehr, als ich anschließend die Uhrzeit mit den Burgöffnungszeiten verglich... Ganz spontan schmissen wir unsere Pläne ein zweites Mal um und beschlossen, doch erst morgen in die Burg zu gehen und uns jetzt erst mal was zu Essen und einen Schlafplatz zu suchen. (Mit einer ordentlichen Portion Udon im Magen sieht die Welt schon gleich wieder viel fröhlicher aus!)
Zugegeben, wären wir nicht über Nacht im Himeji geblieben, hätten wir wohl dieses interessante Happening verpasst. Abends wurden die Einkaufsstraßen mit Planen ausgelegt und Tische aufgestellt und hunderte Geschäftsmenschen in Anzügen ließen sich zum Abendessen nieder. Ob das jeden Abend so ist oder ob es sich um eine firmeninterne Veranstaltung handelte, vermochten wir nicht zu sagen. Ansonsten hätte ich mich ja schon gerne mit ein paar Grillspießen vom Straßenstand unter sie gemischt! Aber irgendwie trauten wir uns dann doch nicht. Im Nachhinein: Warum eigentlich nicht? Mehr als nein sagen hätten sie doch gar nicht können!
Jedenfalls stellten wir mit späterer Stunde fest, dass die Veranstaltung deutlich lauter und einige groooße Sakeflaschen deutlich leerer waren... :D
In die (frisch renovierte!) Burg haben wir es dann zum Glück doch noch geschafft.
Also, Zickzack hin oder her, fuhren wir wieder in die entgegengesetzte Richtung, um heute noch eine bedeutende Stätte der Geschichte zu besuchen: Hiroshima.
Es ist ein sommerlicher, so richtig warmer und freundlicher Frühlingstag. Da passt es fast nicht, sich mit den schrecklichen Geschehnissen zu befassen, aber dafür sind wir ja hergekommen.
Die Stadt ist natürlich lange wieder aufgebaut, doch am Friedenspark erinnert weiterhin der "Atombombendom" als Ruine an den 6.8.1945. Eine Schautafel zeigt eine Aufnahme von der Zerstörung. Es ist kaum zu fassen, wie eine ganze Stadt plötzlich dem Erdboden gleich geworden ist!
Im Friedenspark, rechter Hand des Flusses, befindet sich unter anderem die Friedensglocke, die jeder Besucher selbst läuten darf.
Diese Papier-Kraniche erinnern an ein kleines Mädchen, das einige Zeit nach dem Bombenangriff an Leukämie erkrankte und versuchte, 1000 Kraniche zu falten, in der Hoffnung, dann wieder gesund zu werden. Leider starb sie, bevor ihr Werk vollbracht war, doch bis heute falten Kinder ihr zu Ehren Papierkraniche.
Außerdem befindet sich im Friedenspark eine Flamme, die erst erlöschen soll, wenn es keine einzige Atomwaffe mehr auf Erden gibt. Hoffentlich wird sie irgendwann in nicht allzuferner Zukunft Anlass haben, nicht mehr zu brennen!
Am anderen Ende des Parks werden in die Namen aller Opfer aufbewahrt. Die Gedenkstätte ist sehr symbolträchtig, handelt es sich doch bei dem sattelförmigen Stein um eine traditionelle Grabbeigabe im frühen Japan. Ich muss sagen, dass es mich tief bewegt hat, allein nur diesen Ort zu besuchen.
In der Nähe befindet sich aber auch das Friedensmuseum. Allein die Fakten sprechen eine deutliche Sprache - von den ca. 350.000 Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs in Hiroshima aufhielten, starben 140.000 sofort oder noch im selben Jahr. Für mich stellt sich die Frage, wie überhaupt irgendwer dieses Unglück aus nächster Nähe überleben konnte!
Am meisten mitgenommen haben mich die Geschichten, die Augenzeugen wenig später aufschrieben haben und die nun den Besuchern in einzelnen Videos erzählt werden. Ich habe mir nur eines angesehen, die Geschichte eines jungen Mädchens, das die Explosion vom Fenster aus gesehen hat und wie sie versucht hat, in Sicherheit zu kommen. Ich glaube, man muss nicht einmal so nah am Wasser gebaut sein wie ich, um dabei mit den Tränen zu kämpfen!
Danach wieder in den fröhlichen Sonnenschein des heutigen Hiroshima zu treten, war fast ein bisschen surreal.
Aber ein höchstwahrscheinlich Amerikaner holte mich schnell wieder ins Hier und Jetzt zurück. "Hey, are you German? Really, are you? Hi, I'm Jackson, nice to meet you! So you are really German?" Woraufhin er sich umdrehte, seinen Freunden in den Supermarkt hinterherrannte und schon von Weitem schrie: "Hey, guys, I found a German backpacker!" W-T-F? Ich hoffe mal, sie spielten nur irgendein Spiel, wo sie verschiedene Sachen finden mussten... Eine Erklärung hat er trotz Nachfrage nicht hinterlassen. Und das war nicht die erste amerikanische Begegnung, nur ein, zwei Stunden vorher hatte uns ein begeistertes Mädel ganz spontan und ohne Vorrede erzählt, wie neidisch sie doch auf uns wäre...
Aber vom Essen erzähle ich euch dann noch mal gesondert. Jetzt habe ich erst mal genug vorm Computer gesessen und ihr hattet auch eine Menge zu lesen, so dass ich mir damit evtl. noch ein bisschen Zeit lassen kann.
Zu unserer Rundreise kann ich nur zusammenfassen:
Erstens: Es war großartig!
Zweitens: Die größte Verspätung in all diesen neun Tagen auf Achse belief sich auf etwa 2-3 Minuten. Und selbst das hatte Seltenheitswert! Wenn DB und VR sich daran mal ein Beispiel nehmen würden...
1 Kommentar:
Tolle Reise!
Tolle Eindrücke!
Tolle Fotos!
Tolles Kameraexperiment! ;-)
Zum Glück können wir auch schon wieder Koffer packen, da ist das Fernweh nach deinen Berichten nicht ganz so mächtig... ;-)
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