Dienstag, 29. März 2016

Japan, Teil 2: Okinawa

Und in der Südsee waren wir auch.

Unsere Reise hatte ja gleich mehrere Highlights, Okinawa war aber definitiv eines davon.
Im Vorfeld hatten wir uns gefragt, ob wir in unserem "kurzen" Urlaub tatsächlich noch mal in den Flieger steigen wollen. Aber erstens wollte ich sichergehen, dass wir tatsächlich wenigstens für kurz dem Winter entfliehen und zweitens sind Inlandsflüge in Japan gar nicht mal teuer. Und wenn schon Japan in allen Facetten sehen, dann auch wirklich, nicht wahr?

Und so fuhren wir drei Tage nach meiner Ankunft dahin zurück, wo ich gerade erst herkam: zum Flughafen nach Osaka.
Hier fiel auf, wie sich die landesinterne Sicherheitskontrolle doch von Europa unterscheidet. Zum einen: Äußerst höfliche Behandlung. Zum anderen: Bis 0,5 Liter Flüssigkeit sind im Handgepäck völlig ok!

Es dauerte schon einen kompletten Reisetag, bis wir inklusive Wartezeiten und Busfahrt an unserer Unterkunft ankamen; leider verpassten wir haarscharf einen Bus und der nächste fuhr erst so spät, dass wir einen Großteil der Insel vor lauter Dunkelheit nicht mehr in Augenschein nehmen konnten, aber die Hauptsache war: Wir waren da und es war warm.

Ocean Expo Park
Wir hatten uns ein Hostel auf einer Halbinsel im Nordwesten der Hauptinsel ausgesucht (Okinawa besteht aus noch viel mehr kleinen und mittelgroßen Inseln, aber aufgrund unserer begrenzten Zeit haben wir uns dagegen entschieden - man kann schließlich nicht alles haben) und das war ein wirklich schöner Platz. Kleines Dorf, aber hübsche Unterkunft und voll ausgestattet mit allem, was man braucht. Sehr empfehlenswert, so lange sich die anderen Gäste zu benehmen wissen (die Wände waren seeehr dünn, aber in drei von vier Nächten hat das nicht gestört)...

Jedenfalls gehörten zum Haus auch Fahrräder, die zwar nicht besonders gut in Schuss, aber für umsonst zu haben waren, so haben wir am ersten Tag gleich mal das Highlight der Insel angesteuert - den Ocean Expo Park, wo neben einer schönen Parkanlage eins der größten Aquarien der Welt auf uns wartete.

Dort wird das gesamte Leben vor der Küste Okinawas bis hin zur Tiefsee vorgestellt. Und wenn ich schon nicht tauchen konnte (obwohl ich es sooo gerne gemacht hätte - nächstes Mal!), war dies doch fast genauso gut - nicht ganz so mittendrin, aber zum Ausgleich wenigstens leichter zu fotografieren!

Los ging's erst mal mit dem "Streichelzoo".


Und im Korallenriff tummelte sich auch so einiges Hübsches.


Und es gab nicht nur Fische!


Und dann erst die leuchtenden Tiefseebewohner - sie leben dort, wo kein Tageslicht mehr hinfällt...


Dann haben wir noch viel über Haie gelernt. Unter anderem das:


Aber die absolute Attraktion war natürlich das hier:


Das gleiche Becken hat noch eine etwas kleinere Scheibe ein Stockwerk höher - in den Raum bin ich beinahe zufällig hineingestolpert, noch bevor wir hier ankamen und wuuuuuuusch, schwimmt da ein Walhai auf Augenhöhe vorbei! Das ist schon ein Erlebnis!
Ok, ein noch viel schöneres wäre es wohl, ihn in freier Wildbahn zu sehen. Das Becken ist zwar groß, aber für Tiere dieser Größe wirkt es irgendwie trotzdem ziemlich mickrig.
Alles in allem ist das Aquarium aber schon großartig!

Draußen im Park gab es noch so einiges mehr an Meeresbewohnern. Bei den Schildkröten wurde gerade das Becken geschrubbt. Die Seekühe waren viel größer, als ich sie mir immer vorgestellt hatte. Und ganz ohne Tiere konnten wir uns sogar ein traditionelles Dorf anschauen.


Taktisch gesehen war es vielleicht unklug, euch das Spektakulärste gleich am Anfang zu erzählen, aber wir haben's ja genauso gemacht. Und waren trotzdem nicht enttäuscht vom Rest der Zeit. ;)

Wenn man mit dem Fahrrad über die Insel fährt, sieht man so gut wie immer über ein paar Nutzflächen hinweg bis zum türkisblauen Meer, während im Inland die dschungelartig bewaldeten Berge in allen Grüntönen schimmern.


Und Blumen gibt es! Fast wie auf Madeira. Das hier links ist unsere Bushaltestelle!
Und rechts, das ist eine Tradition typisch für Okinawa. Es werden Löwen auf's Dach oder die Eingangspfosten gesetzt, die das Anwesen beschützen sollen. Wir konnten schon allein bei uns im Dorf eine große Auswahl bestaunen!


Wenn schon Südsee, dann bitte auch Strand. Manchmal feinsandig, manchmal mehr abgebrochene Korallen, aber immer glasklares Wasser. Nur dass überall vor gefährlichen und gut getarnten Tieren gewarnt wird. Also ohne Sandalen is' nich'. Schön is' trotzdem.


Schön sind auch die Erlebnisse, die man nicht auf einem Foto festhalten kann.
So suchten wir zum Beispiel auf dem Rückweg vom Ocean Expo Park den Dorfladen, den man uns beschrieben hatte. Schließlich glaubten wir, ihn gefunden zu haben - außer dass wir ihn uns, wenn auch klein, dann doch nicht sooo winzig vorgestellt hatten. Drei oder vier Regale und ein Kühlschrank, das war's! Und zum Inventar gehörte die 92-jährige Inhaberin, die kein einziges Wort Englisch sprach. Woher wir wissen, dass sie 92 war? Nun, Jori versteht ein paar einzelne Worte Japanisch und der Rest der Unterhaltung fand eben mit Händen und Füßen statt. Aber so freundlich, so herzlich, einfach toll. Später fanden wir dann noch den "richtigen" Laden, aber wir kauften trotzdem noch mal bei der Uromi ein, um ihren kleinen Laden zu unterstützen. Stellt euch vor, sie schenkte uns sogar Süßigkeiten! Ein klares Beispiel dafür, dass es sich lohnt, sich auch mal was zu "trauen". (Und das sage ich nicht wegen der Koalakekse, sondern des Erlebnisses!)

Abends hatten wir Glück, dass direkt neben unserem Hostel ein gutes und günstiges Restaurant mit sehr ausführlicher Speisekarte war. Normalerweise wollen wir ja immer was Neues testen, aber hier waren wir ganze drei Mal! Sowie anscheinend das halbe Dorf ebenfalls. Mit das beste Essen der gesamten Reise!
Da das Geheimnis der vielen uralten Menschen der Insel angeblich im Verzehr der Goya liegt, ein gurkenähnliches Gemüse, haben wir uns natürlich auch gleich mal 'ne ordentliche Portion des Wundermittels reingehauen. Lecker war es obendrein!


Natürlich kann man auf Okinawa noch anderes unternehmen. Wie zum Beispiel alte Burgruinen besichtigen. Und da wir eine (die angeblich besterhaltendste) ganz in der Nähe hatten, ging es an Tag zwei dorthin. Eigentlich war dort die Sakura-Saison schon vorbei, aber wir fanden noch ein paar Bäume, die Verspätung hatten. Schön!


Ein weiterer Radausflug brachte uns in den Nachbarort, wo wir Strauße füttern konnten.


An Tag drei war das Wetter leider nicht mehr auf unserer Seite. Noch während wir unterwegs waren, fing es an, wie aus Kübeln zu schütten. Wie gut, dass da das On the Beach Cafe in der Nähe war! Ein langer Tisch - oder sollte man Theke sagen? - mit offenen Schiebetüren: freier Blick auf Regen und Meer, während man sich im Trockenen sein Essen schmecken lassen kann. Luxus, selbst an einem solchen Tag!


Am Abend wurde es tatsächlich noch mal für ein Weilchen trocken. Und da haben wir dann am Strand unser Privatfeuerwerk gezündet.
Wenn ihr es noch nicht wusstet, in Japan dürfen Feuerwerkskörper das ganze Jahr über verkauft werden und man bekommt sie selbst im Dorfladen. Jori wollte das nutzen und ich fand es auch ohne selbst zu zündeln ganz romantisch, im Stockdunkeln unserer Fontäne zuzuschauen! :)

Dann wurde es allerdings Zeit, unser Quartier zu wechseln. Erstens, um zwei Tage vor Abflug wieder etwas näher an den Flughafen zu kommen, zum anderen, weil man Land und Leute einfach am besten im Kontakt mit Einheimischen kennen lernt - und wo könnte man besser und einfacher Kontakt knüpfen und Einblicke gewinnen als mit Couchsurfing?
Also fuhren wir Takahiro besuchen - der allerdings erst ab abends Zeit für uns hatte. Normalerweise kein Problem, aber auch hier war uns das Wetter nicht wohlgesonnen und es war kein großer Spaß, mit Gepäck im Regen eine Stadt abzulaufen, immer auf der Suche... es muss doch irgendwo was Schönes geben... ein Einkaufszentrum oder so... wenigstens ein schönes Cafe wo man es aushalten kann... oder einen hübschen Platz mit Überdachung und Meerblick... Pustekuchen! Der schönste Platz, den wir schließlich fanden war: ein McDonald's! Nicht, weil's da hübsch war, aber weil man da einen McFlurry Milchtee bestellen und ohne gefragt zu werden zwei Stunden rumsitzen und lesen konnte. Auch solche Tage gehören dazu...
Aber am nächsten wurden wir voll und ganz entschädigt. Der Himmel war mal wieder strahlend blau und Takahiro hat sich richtig ins Zeug gelegt, hat uns mit seinem Auto die schönsten Plätze der Umgebung gezeigt... und im Nachhinein ist es schwer zu sagen, ob der Tag im Aquarium oder mit ihm der schönste der Insel war. Beide waren anders und einfach großartig!

Wir haben am Strand zu Mittag gegessen (und so viele Westler gesehen wie auf der ganzen Reise noch nicht - die U.S. Army ist nämlich dort stationiert), dann waren wir fischen. Oder Fische füttern, wie man's nimmt. Die Fische waren äußerst gut darin, den Köder vom Angelhaken abzubeißen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Lustig war's trotzdem - oder gerade deswegen! ;)


Später fuhren wir noch auf eine kleine Insel, die über eine Brücke mit der Hauptinsel verbunden war. Dort verfütterten wir dann auch noch unsere letzten Shrimps an die Fischwelt... Einer biss tatsächlich noch an, aber der war giftig, also durfte er wieder zurück ins Meer.


Zum Sonnenuntergang zeigte Takahiro uns eine Burg mit Aussicht, danach ein Restaurant mit Spezialitäten von Okinawa. Joris Favorit: Tacoreis. Wer hätte gedacht, dass man in Japan gern Mexikanisch mag...


Zum Abschluss unseres Inselaufenthaltes war das ein wirklich gelungener Tag. Und am nächsten ging's auch schon ins neue Abenteuer: nach Tokyo. Davon demnächst mehr.

1 Kommentar:

Susi und Andreas hat gesagt…

Juhu!!!! Und wir haben eine Postkarte von Tokyo erhalten!!! Ein dickes Extradankeschön dafür!!!! :D