Samstag, 26. März 2016

Japan, Teil 1: Kyoto

Zu allererst einmal Frohe Ostern euch allen!

Hiermit melde ich mich wieder zurück. Und für die, die gar nicht wussten, dass ich weg war und sich vielleicht wunderten, warum es hier seit Wochen so still war: Habe gerade eben eine tolle Reise hinter mir – knapp vier Wochen Japan!

Ermöglicht durch meinen super Arbeitsplatz, wo ich einfach so, außerhalb der Urlaubssaison, so lange unbezahlten Urlaub nehmen durfte. Ich bin meinem Team unglaublich dankbar für diese Möglichkeit! Nun kann ich nächste Woche wieder erholt und motiviert neu anfangen.

Zum ersten Mal seit Langem ist mein Reisehunger nun wieder etwas gestillt - ich habe viel gesehen und erlebt und mal wirklich den Alltag vergessen können, was mir sonst eher selten gelingt, denn zu oft kommt mir im Urlaub der Gedanke daran, dass über die Hälfte schon rum ist, bevor ich überhaupt abgeschaltet habe. 
Nicht dieses Mal.

Natürlich war diese Reise immer noch zu kurz, um alles zu sehen oder machen, was ich gerne gesehen oder gemacht hätte. Und bei einem vielseitigen Land wie Japan wäre mir selbst in drei Monaten bestimmt nicht langweilig geworden! An einigen Orten hätte ich mir mehr Zeit gelassen und zusätzliche hätte ich besucht. Aber ich hatte nun mal nicht alle Zeit der Welt und doch genug für einen ersten Eindruck. Und den möchte ich mit euch teilen.

Meine Fotos wollen noch sortiert werden. Und glaubt mir, ich habe viele davon! Das dauert, deswegen schreibe ich meinen Reisebericht in Abschnitten. Heute fange ich dort an, wo auch meine Reise anfing und endete: In der früheren Hauptstadt und dem kulturellen Zentrum des Landes, Kyoto.

Wer sich jetzt fragt, warum überhaupt ausgerechnet Japan... Nun, die Grundidee dahinter war, dass Flüge in Länder wie Japan oder Korea häufig über Helsinki gehen. Und dass ich doch, wenn ich hier schon reisetechnisch am A.... der Welt wohne, das wenigstens nutzen sollte und so lange ich hier bin wenigstens die paar Länder besuche, die von hier aus mal ausnahmsweise näher sind als von Deutschland.
Nicht, dass ich Freude daran hätte, zehn Stunden in ein Flugzeug gepfercht zu sein. Aber wann, wenn nicht jetzt? Und vermeiden lässt es sich eben nicht, wenn man auch das andere Ende der Welt sehen möchte...

Es traf sich gut, dass Freunde von mir ebenfalls nach Japan reisen wollten. Zusätzlich waren die Flüge mal wieder bei den (euch fleißigen Lesern schon bekannten) Hullut Päivät günstig zu haben. Wie viele Argumente braucht man noch? :)

mitten in Kyoto
unser Häuschen
Aber zurück zu Kyoto.

Pati und Jouni bevorzugten es, die Region Kyoto ganz ausführlich kennen zu lernen und gegebenenfalls für andere Regionen später wiederzukommen, daher mieteten sie dort für vier Wochen ein kleines Reihenhaus mitten in einem Wohnviertel, wo ich (und Jori, der sich in letzter Minute vor unserer Flugbuchung zum Mitkommen entschieden hatte) für ein paar Tage mit wohnen konnten. 
 
Ich persönlich habe ja keine Ahnung, wie lange es bis zu meinem nächsten Besuch in Japan dauern kann, also wollte ich nicht nur um einen Festpunkt kreisen, sondern lieber einen möglichst breiten Querschnitt des Landes sehen, ganz abgesehen davon, dass ich einfach gerne ein bisschen auf Achse bin, den Frühling suchte und so weiter... ;)
Und so sahen wir auf unserer Rundreise Wetter von verschneit bis sommerlich, Landschaft von Südsee bis Vulkan, Orte von Millionenstadt bis Dorf und Essen von lecker bis ...seltsam. Ich denke, dem Essen werde ich einen eigenen Artikel widmen. Es ist wirklich anders dort.

Nun aber wirklich zu Kyoto.

Da sind wir nun - so frisch kann ich nach einer beinahe durchgemachten Nacht im Flugzeug aussehen! ;)
Vielleicht hatte es aber auch was mit dem Wetter zu tun. Es war warm, richtig warm sogar für jemanden, der soeben aus Finnland kommt, und außerdem war die Wiedersehensfreude evtl. nicht ganz unschuldig. Die anderen drei sind schließlich schon drei Tage vor mir abgeflogen, wofür ich dann doch noch zu fleißig war... ;)

Jedenfalls ist mir bereits am ersten Tag in Japan gelungen, was ich in Finnland in drei Jahren nicht geschafft habe: Inari zu besuchen.

Dort gibt es einen schönen Schrein, nebenbei auch noch eine touristische Fress- und Shoppingmeile und abgesehen vom Schrein als Hauptattraktion etliche "Torii"s, die sich als Laubengänge über den gesamten Inari-Berg ziehen. Sie sollen Glück und Wohlstand bringen, habe ich mir sagen lassen. Unternehmen lassen ihren Namen auf die Rückseite der Pfosten schreiben. Wie ich hörte, sind alle Toriis voll und es werden keine neuen gebaut, so dass Unternehmen nun warten müssen, bis ein morsches ersetzt wird. Das kann dauern...



Wir unternahmen eine kleine Wanderung auf den höchsten Punkt des Berges und kamen an Bambuswäldern und sogar einem Aussichtspunkt vorbei - bis dahin war ich allerdings wirklich müde und k.o. von dem viel zu langen Tag. Trotzdem, ein wunderschöner Einstieg in das neue Land.

Am nächsten Tag war uns das Wetter nicht mehr so wohlgesonnen, es wurde richtig kalt und regnete. Was macht man da? Die überdachten Einkaufsstraßen erkunden!

Zum Mitbringselshoppen war es mir noch etwas zu früh, aber schon allein die Erfahrung! So viele interessante Dinge. Und laute. Überhaupt, ich habe den Eindruck, Japan ist einfach laut. Das passte so gar nicht zu meinem Bild vom höflichen, zurückhaltenden Volk - aber es scheint sich nicht auszuschließen. Eine ganz neue Erfahrung des Wortes Lärm habe ich allerdings in den ...wie sagt man, Spielhallen?... gemacht. 
Spielhalle
Es gibt dort Läden, die haben nichts anderes als diese von der Kirmes bekannten Spiele mit den Greifarmen, wo man sich Plüschtiere und Ähnliches angeln kann. Und ob ihr es glaubt oder nicht, sie stehen reihenweise dicht an dicht und jeder einzelne Automat spielt seine eigene, laute Musik. Wie es dort einer länger als 10 Sekunden ohne Ohrstöpsel aushält, ist mir schleierhaft. Aber sie tun es und spielen und angeln... Auch andere Videospiele gibt es, die schon eher mit Sport zu tun haben - trommeln oder Farbpunkte auf den Bildschirmen abklatschen - einen wahren Meister konnte ich hier rechts beobachten!

Sehr gut gefallen hat es mir auf dem Essensmarkt. Das haben sich die meisten von euch sicher schon gedacht! ;)
An meinem gerade mal zweiten Tag in Japan war es dort noch sehr exotisch für mich, während ich mich in den folgenden Wochen durch so einiges durchprobierte. Aber wie schon gesagt, dazu schreibe ich noch mal an anderer Stelle mehr.

In Japan gibt es einen Trend zur Katze und zur Eule. Dass "Hello Kitty" ganz groß ist, weiß man vielleicht noch, aber dass sich im ganzen Land Katzen- oder Eulencafés größter Beliebtheit erfreuen, lernte ich erst während meiner Reise. Viele Menschen können oder dürfen sich kein Haustier halten und in der Stadt vermisst man die Natur... Und Eulen sollen beruhigend auf die gestresste Seele wirken. Da bezahlen die Japaner gerne ein paar hundert Yen für Zeit mit ein paar Schmusekatzen - oder Eulen.
Ich weiß nicht, wie tierfreundlich es wirklich sein kann, schließlich leben Eulen normalerweise wild - aber zumindest heißt es, dass diese Tiere es nicht anders kennen und an Menschen gewöhnt sind. Und weil es diese Chance nicht so oft gibt, besuchten wir einen "Eulenzoo" mit vielen verschiedenen Arten, wo man einige Tiere sogar streicheln durfte. Gaanz vorsichtig natürlich und nur mit dem Handrücken. Aber wer von euch hat schon jemals eine Eule gestreichelt?

Tag drei war vom Wetter her wieder schöner, so dass wir mit den Tiererlebnissen weitermachen konnten, dieses Mal sogar draußen. Wir waren die Japanmakaken besuchen, die einzige heimische Affenart. Sie leben selbst im Norden im Schnee, wo sie in Onsen (heißen Quellen) baden, um sich aufzuwärmen. Das war auf dem "Affenberg" in Kyoto allerdings weder nötig noch möglich. Und eine schöne Aussicht auf Kyoto hatte man von dort obendrein. (Das wäre DIE Gelegenheit gewesen, die Panoramafunktion meiner neuen Kamera zu testen, doch daran habe ich nicht gedacht.)


Nicht weit von dort fanden sich auch einige Tempel und ein weiterer (sowie berühmterer) Bambuswald.


Während ich die Architektur der Tempel ja noch ganz sehenswert finde, ist Jori eher auf weitere Tierbeobachtungen aus. Wir mussten feststellen, dass es kleinere Wald- und Stadttiere fast gar keine gibt - kein Eichhörnchen oder Kaninchen, kaum Tauben... Dafür aber Wassertiere. Viele Fische und Vögel und was sonst noch so schwimmt...


Das war mein erster Eindruck von Kyoto. Gar nicht mal so viele Tempel wie gedacht! Aber zu einigen von denen kamen wir dann noch später, als wir zurück in Kyoto waren...

Ein sonniger Sonntag am Wasser -
alle genießen den Frühling
Anderthalb Wochen später. Ein kurzer Zwischenstopp in der Stadt auf unserem Weg nach Süden. Die Sonne scheint, Straßenmusiker spielen, Menschen picknicken am Fluss. Es ist wieder wärmer und fühlt sich wirklich nach Frühling an! Auf unserer Rundreise haben wir schon ein paar erblühte Kirschbäume gesehen, doch in Kyoto dauert es noch ein bisschen... Aber grün ist es schon.

Im Vergleich mit anderen Städten hat mir Kyoto gar nicht mal am besten gefallen, aber es punktet durch seine Lage inmitten von bewaldeten Bergen.

Gion
Kimonos
Auf einem Spaziergang erkunden wir die Gegend um das Geisha-Viertel Gion. Während unseres kurzen Rundgangs kamen uns immerhin zwei Geishas entgegen, aber die Höflichkeit verbietet es, Fotos von ihnen zu machen, wenn sie im Dienst sind.

Generell war ich überrascht, wie viele Frauen im Alltag noch den traditionellen Kimono tragen. Na gut, so viele auf einem Haufen sieht man schon eher selten, doch einzelne immer wieder und überall. Und es scheint wirklich schwierig zu sein, auf den dazugehörigen flipflopartigen Schläppchen zu laufen...

In der Umgebung von Gion fanden sich mal wieder viele Schreine und Tempel sowie ein ziemlich großer Friedhof.

Später am Abend, als es dunkel wurde, konnten wir den Beginn des Lichterfestes miterleben. Was ein Glück, denn es sollte enden, bevor wir erneut in der Stadt wären. Und wer mich kennt, weiß ja, dass beleuchtete Bäume und so ziemlich mein Ding sind ;)
Straßen waren für Autos gesperrt und große Gestecke aufgestellt. Und natürlich unzählige Laternen für die Atmosphäre.




auch beleuchtet, aber nicht Teil des Lichterfestes: der Kyoto-Tower
Das war nur ein kurzer Zwischenstopp, aber für die letzten Tage wollten wir ja sowieso noch einmal herkommen.

Und da waren wir nun. Da mit dem Haus auch zwei Fahrräder kamen, haben wir den Tag genutzt, an dem Pati und Jouni anderweitig unterwegs waren (sie kannten die Highlights der Stadt zu diesem Zeitpunkt schließlich schon) und haben per Drahtesel der Sightseeingliste noch ein paar berühmte Punkte hinzugefügt - dabei fällt einem erst mal auf, wie groß die Stadt doch ist! Eine Stunde von A  nach B ist ganz normal...

Und noch etwas fällt auf: Kyoto ist angeblich die fahrradfreundlichste Stadt Japans. Für das Fahren mag das ja stimmen, aber für das Anhalten? Offiziell darf man nur auf ausgewiesenen Fahrradparkplätzen parken, da die Räder sonst entfernt werden. 
Solche Parkplätze sind aber längst nicht überall zu finden, nicht mal an allen Sehenswürdigkeiten. Und wer bitte fährt mit dem Rad in die Stadt, um es dann 4 km vom Ziel entfernt zu parken? Wir haben uns also zur Regel gemacht, einfach dort wild zu parken, wo das mindestens 50 andere auch noch tun, denn die Einheimischen kennen ja bestimmt die beliebtesten Abschleppplätze. Manche der Parkplätze sind aber schon kreativ gewählt!

Goldener Pavillion
Garten am Silbernen Pavillion


auf dem "Philosophenpfad"
Letzterer ist ein friedliches Stückchen Kyoto, das seinen Namen wohl erhielt, weil ein gewisser Philosoph dort immer gedankenverloren auf seinem Weg zu seinem Arbeitsplatz, der Universität, entlangschlenderte.

Und wenn man sich mal verfährt, stößt man auch noch auf so interessante Kleinigkeiten wie diese historische Bootstransportbahn mit Superbreitspur.

Hier und da waren an unseren letzten Tagen auch tatsächlich schon einige Kirschbäume in Blüte, auch wenn die offizielle Sakura-Saison erst ein paar Tage nach unserer Abreise losgehen sollte und viele Bäume noch kahl waren.
Aber wer sagt's denn, an anderer Stelle waren erste Bäume tatsächlich schon aufgeblüht und ließen uns erahnen, wie es dort nächste Woche aussieht. Also doch nicht ganz verpasst!
am Flussufer
Kameraexperimente ;)
Und dieses war auch schon der letzte Tag... Auf dem Weg zurück zum Kansai-Airport sahen wir noch dieses süße Gebäude, die Schokoladenfabrik von Meiji.


Und dann hieß es Abschiednehmen. Entschuldigt die schlechte Fotoqualität, aber ich fand es bemerkenswert, dass der Flughafen mitten im Meer auf einer künstlichen Insel liegt.
Und im Übrigen hatte ich mir erhofft, der Tauwetterperiode hier entgangen zu sein. War wohl nix! :(


Aber zum Glück kann ich ja noch etwas in Erinnerungen schwelgen, wenn ich euch von den weiteren Etappen unserer Reise erzähle. Bis bald!

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