In Finnland gibt es keinen Smalltalk. Wenn über's Wetter geredet wird, ist das ein alle bewegendes, wichtiges Thema.
Das hatte ich euch schon mal erzählt. Aber bisher hatte ich das nicht detailliert.
Für alle von euch, die denken, ich wäre verrückt geworden, nach Finnland zu ziehen, gibt es hier Bestätigung. Wenn man hierhergezogen ist, weiß man allerdings: Hierher zu ziehen war nicht verrückt, vom Hier-Leben wird man nur ein bisschen verrückter. (Das hat auch Susi schon festgestellt, nicht wahr?) Nun, dazu ein andermal. Heute zu den Jahreszeiten.
Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es mal vier Monate am Stück nicht geschneit hätte. Immerhin, mehr als drei - 18.6. bis 23.9. Und immerhin bleibt der Schnee im September für gewöhnlich noch nicht liegen.
Dieses Jahr ja vielleicht überhaupt nicht? Den Bauernregeln nach müsste der kommende Winter nämlich den letzten, der schon als unglaublich schneearm in die Geschichte einging, noch überbieten. Es heißt, dass die Pihlaja nur eine Last tragen können - ihre Beeren oder viel Schnee. Na dann schaut euch mal die Fotos im Augustartikel an! ;)
Aber wir werden sehen, so ganz verlasse ich mich nicht darauf. Außerdem möchte ich gar nicht, dass die schönere der kalten Jahreszeiten durch die weniger schöne ersetzt wird.
Wo wir nun endlich wirklich bei den Jahreszeiten wären.
Finnland hat fünf davon, wovon eine gleich zwei Mal vorkommt. Fangen wir mal an:
Mitte Mai beginnt der Frühling. Eine wunderschöne Zeit. Endlich kommen Blätter an die Bäume und in guten Jahren kann man dann Handschuhe und Mütze für ganze vier oder mit Glück gar unglaubliche fünf Monate in den Schrank packen.
Um den Johannistag beginnt nach ca. 5 Wochen Frühling der Sommer. Die Zeit, in der es (theoretisch) nun wirklich nicht mehr schneien sollte. Baden in den vor einigen Wochen aufgetauten Seen und viele Lagerfeuer sind neben der Mückenjagd die typischsten Sommeraktivitäten. Und das Beste: Die Natur grünt und blüht, als ginge es darum, alles zu geben (zugegeben, das tut's auch, viel Zeit hat sie ja nicht!). Und Natur gibt es in Finnland wirklich eine Menge!
Fast zwei Monate kann man sich an dieser Jahreszeit erfreuen.
Im August kommt dann der Herbst. Merklich kürzere Tage, doch (zumindest anfangs) Temperaturen noch deutlich über dem Gefrierpunkt. Langsam färbt sich die Landschaft traumhaft bunt und die Sonne taucht alles in ein weiches, warmes Licht. Meistens scheint sie dann auch noch, was gegen Herbstende etwas seltener wird. Bis Mitte Oktober fällt der Hauptteil des Jahresregens vom Himmel - und die restlichen Blätter von den Bäumen. Dann kommt der Winter.
Zunächst bis irgendwann im November der Matschwinter. Das, was man aus Deutschland kennt. Dunkel, kalt und Schnee, der aber noch nicht so richtig auf's draußen Überwintern eingestellt ist.
Dann, endlich, für die nächsten Monate - in "normalen" Jahren etwa bis Ende März - der Winter-Winter. Eine glitzernde Wunderwelt, Temperaturen für gewöhnlich -10 bis -30 Grad. Ein Traum, wenn die Sonne scheint, auch wenn sie das nur kurz tut. Die lange Nacht kann man dann schließlich (wie, zugegeben, auch schon im Matschwinter), zum Nordlichtkucken nutzen. Also warm anziehen und hoffen, dass sich keine Dauerbewölkung einstellt!
Im April geht dann der Winter-Winter noch einmal in den Matschwinter über. Tauwetter, aber dieses Mal mental viel besser zu verkraften als im Matschwinter 1, deutet doch der Anstieg der Temperaturen darauf hin, dass bald der fünfmonatige Frühlingsommerherbst startet! Und in der Vorfreude dessen sieht man draußen wieder Leute in T-Shirts bei den Temperaturen, wo sie im Herbst nicht ohne Wollmütze das Haus verlassen. Es wird Eis gegessen und sich gefreut. Nur die Bäume sind noch etwas zu kahl. Aber das wird schon bis Mitte Mai.
Und dann ist ja auch schon wieder Frühling.
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