Mittwoch, 3. September 2014

August

Der ist nun rum. Der erste Monat, seit ich dieses Freundeaufdemlaufendenhalteprojekt begonnen habe, in dem ich keinen einzigen Eintag verfasst habe. Na ja, passend dazu sind die Besucherzahlen dieser Seite auch auf ein Rekordtief gefallen. Ein sicheres Zeichen, dass nach inzwischen fast zwei Jahren des Reisens und Woanders-Sesshaftwerdens Normalität einkehrt, auf beiden Seiten.

Andererseits sind die live-Besucherzahlen im August auf ein Rekordhoch gestiegen! Das ist einer der Hauptgründe, dass es um mich so schweigsam wurde. Ich lebe immer noch lieber in der realen Welt als in der virtuellen! Und das habe ich im letzten Monat ausgiebig getan. Hier ein paar Auszüge:

Es stand schon lange auf meiner To-Do-Liste (ihr kennt sie unter "Projekt Ich-lerne-meine-Umgebung-kennen"), doch ich bin hier nicht mehr "neu", so sind gewisse Vorhaben schonmal bis auf unbestimmte Zeit vertagt. Bis man Besuch bekommt.

Mit meiner Mutter und Tante waren wir also in der Vogelbucht Limiganlahti, Lebensraum für tausende Vögel - von stinknormal bis superselten (und ungewöhnlich=lustig aussehend). Ihre Namen konnte ich mir nicht alle behalten, es sind jedenfalls um die 280 Arten, von denen ca. 100 dort nisten. Leider haben wir sie nur ohne Fernglas gesehen und daher nur den Ansatz eines Eindruckes von diesem Paradies bekommen. Das Informationszentrum bot da die eindeutig besseren Abbildungen. Aber schon allein als Ausflug in die Landschaft der Region hat es sich gelohnt und der Weg zu Vogelbeobachtungsturm Nummer zwei grenzte an ein Abenteuer. Wildnis pur!

Zwischendurch habe ich mich auch mal wieder wie ein richtiger Tourist aufgeführt und bin zum ersten Mal Potnapekka gefahren. Für die Leute aus dem Sauerland, das ist so 'ne Art Biggolino. :D

Ansonsten haben wir die Sommerwoche mit Radfahren um die Seen, gutem Essen, einem Besuch im Botanischen Garten und natürlich viel Schwimmen in Oulujoki und Ostsee abgerundet. Es war schade, dass sie so schnell vorbei ging, aber nach fünf Wochen des lauen Lebens half ja alles nix, es musste ja mal wieder Geld verdient werden, so konnte ich meinen Besuch nicht rund um die Uhr begleiten. Und selbst dann wäre die Zeit sicher wie im Fluge vergangen...

Aber keine Zeit für Traurigkeit, denn schon drei Tage später stand, große Freude, die Lissy auf der Matte!
Und die hat die Zeit, die ich im Büro verbrachte, grandios genutzt, indem sie uns Himbeeren und eine Riesenschüssel voll Blaubeeren pflückte und Pfannkuchen machte. Und ein Brot hat sie uns auch noch gebacken! Also, zukünftige Besucher, die Messlatte ist nun hoch gelegt! ;)

Auch hier haben wir, ganz touristisch, an einer zweistündigen Stadtführung teilgenommen. Man sollte so was wirklich machen! Es lohnt sich - ich weiß nun so viel mehr über meinen Wohnort als vorher!

Und dann natürlich, der Klassiker: Hailuoto mal wieder. Ich kann einfach nicht anders, die Insel hat's mir angetan. Natur, Stille, Natur, Ruhe und Natur sind nur einige der Dinge, die ich dort so mag.

Dieses Mal stand das Mökki leider nicht zur Verfügung, also haben wir uns für eine Wanderung zur Offenen Hütte am Sunijärvi entschieden - dort, wo ich bei meinem allerersten Besuch schonmal mit Fahrrad war, jetzt aber aufgrund dieser Erfahrung ohne.
Immer wieder schön!
Auch wenn das Gerücht besagt, der traditionelle finnische Abend sähe eine Menge Alkohol und einen Fernseher vor, für mich ist und bleibt das der Inbegriff typischen Finnlandlebens:


Für eine kleine Hütte im Nichts nehme ich dann sogar gerne mal eine Nacht auf harten Holzdielen in Kauf...

Leider ging auch diese Woche viel zu schnell vorbei, aber es wurde ja trotzdem nicht langweilig. Sobald Lissy weg war, hatten wir gleich zwei After-Work-Aktivitäten in einer Woche. Einmal den regulären Teamtag, wo wir in der Ufersauna waren. Ein oder zwei Kollegen haben in einer Bürgerinitiative daran mitgeplant, und nun schwimmt (hoffentlich jeden Sommer) eine Holzofensauna im Strandbad am Oulujoki.
Auf den ersten Blick (oder den ersten großen Zeh im Wasser) ist es schon wieder verdammt kalt zum Schwimmen, aber irgendwie war es dennoch so gut, dass ich ein paar Tage später gleich wieder da war. (Und dabei mit Hilfe meines Minithermometers zweifelsfrei bewiesen habe, dass das Wasser mindestens zwei Grad wärmer als die Luft ist! Das Verhältnis kann bis Ende des Jahres eigentlich nur noch besser werden! ;) Aber erst mal sehen, wie oft ich das noch mache...).


Und dann war da noch die "Kreuzfahrt", gesponsort von einem Fußbodenhersteller, der nicht mehr von uns wollte, als dass wir uns seinen Namen merken. Drei Stunden Fluss, Meer und Hafen inklusive Dreigängemenü und anschließendem Ausklang in einer Bar am Marktplatz. Na wenn sich das mal nicht gelohnt hat! Aus dieser Perspektive sieht man Oulu nämlich sonst eher selten...



Außerdem ist im August meine Freundin Pati umgezogen. Statt 5 Fußminuten trennen uns nun also 11 km :( Aber die Umgebung ist so viel ruhiger als hier in Alppila, zumindest am Wochenende, wenn die Baumaschinen stillstehen. Wald, Wald und noch mehr Wald. Demnächst mache ich meinen Wochenendurlaub bei ihr!


Bei ihrer Einweihungsparty kam ich außerdem in den Genuss meines ersten finnischen Pfann- ähh Ofenkuchens. Es ist schon ein Pfannkuchen, aber nicht aus der Pfanne, sondern dem Backofen. Man lernt immer wieder Neues kennen!

aus dem Internet geklaut, aber täuschend ähnlich
So auch am Sonntag endlich das traditionelle Gericht Rössypottu. Pottu wie Kartoffel und Rössy wie... Blutwürfel? Ich tat mich etwas schwer bei dem Gedanken, dass diese bräunlich krümeligen Stücke steifes Rinderblut sein sollen... Es kostete mich schon etwas Überwindung. Aber man KANN eigentlich nicht hier wohnen, ohne es mal probiert zu haben. Also, weg mit den Vorurteilen und einmal tief durchatmen. Und siehe da, wenn man sich zusammenreißt, ist es doch eigentlich ganz lecker! Na gut, nicht für jeden Tag, aber zumindest deutlich besser als befürchtet.

Wer sich für die finnische Küche interessiert, hier hat sich jemand mal die Mühe gegeben, einige Gerichte vorzustellen. Rössypottu allerdings ist nicht dabei - ob es daran liegt, dass es so speziell aus Oulu kommt, dass man es in Südfinnland kaum kennt oder daran, dass es schwer zu verkaufen wäre, warum man nicht mehr ohne leben will, lassen wir mal offen.

So weit die kulinarischen Ausflüge. Die anderen, in die Natur, mache ich, so oft es noch geht. Der Herbst kommt unaufhaltsam näher. Wie vorausgesagt gab es auch dieses Jahr Ende August wieder rote und gelbe Blätter an den Bäumen, doch es geht erst langsam los, noch sieht man mehr Grün. Die Pilze sprießen in Scharen aus dem Boden und die Pihlaja, Ebereschen, tragen herrlichere Früchte denn je. Im Park kann man prima Äpfel und Zwetschgen pflücken, auch wenn beide nur halb so groß sind, wie ich das von zu Hause gewohnt bin.


Auch wenn er die Winterdepression einläutet, ich mag den Herbst. Gerade hier ist er eine wunderschöne Jahreszeit, besonders die Lichtstimmung. Nur wärmer dürfte er sein.

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