Montag, 29. Juli 2013

Hailuoto - in die Wildnis


Was gibt es Schöneres, als sich an einem sonnigen Morgen auf's Fahrrad zu setzen und sich auf den Weg zu einer herrlichen Insel zu machen? Es weht ein leichter Wind, Wildblumen in allen Farben blühen in den Straßengräben und rechts und links liegen Felder und Wiesen, unterbrochen nur von Einfamilienhaussiedlungen und hin und wieder Wald.
Nur eins stört die Idylle noch ein wenig - der Radweg verläuft selten weiter als 10 m von der Straße entfernt und noch ist die Zivilisation deutlich zu hören...

Das ändert sich schlagartig, wenn man Hailuoto erreicht. Nach 25 min Fährüberfahrt beginnt eine neue Welt. Immer noch Natur pur, doch dieses Mal kein Laut außer dem Summen der Insekten, ein paar Vögeln und ein paar raschelnden Blättern. Plötzlich kommt mir mein Fahrrad unglaublich laut vor...

einsame Inselhauptstraße

Die nächsten Kilometer sind sehr meditativ - monotones Vorsichhintrampeln und die Gegend betrachten. Bis man schließlich wieder in dörflichere Gegenden kommt. Alles in allem wirken diese Dörfer aber eher wie ein Freilichtmuseum...


Die Menschen hier scheinen hauptsächlich von der Landwirtschaft zu leben. Felder von blaugrün bis gelbgrün, Heuwiesen, sogar Kühe!





Zum (ziemlich späten) Mittagessen suche ich ein kleines Gehöft auf, wo es ein hausgemachtes Buffet gibt. Besonders die Pilzsuppe ist zu loben, aber auch der Nachtisch - Erdbeerhimbeersuppe - ist wirklich gut!
Nach dieser Stärkung bin ich bereit für die letzten 10 km zu meinem geplanten Nachtlager - ein Klacks, wenn man inzwischen gut 50 km hinter sich hat! Dachte ich.

Auf Hailuoto ist das so: Es gibt eine Hauptstraße. Eine. Vom Fähranleger bis zum anderen Ende der Insel. Die ist asphaltiert. Der Rest ist im günstigsten Fall eine grobe Schotterpiste, auf der Radfahren ungefähr genauso viel Spaß macht wie auf normalen Radwegen in der schlimmsten Tauwetterwoche im April. Die ungünstigeren Fälle habe ich live erlebt und habe mir geschworen, dass ich dort in Zukunft nur noch wandern werde... Mir ist nun klar, warum die Wanderhütten "Offene Wildnishütte" heißen: Wildnis. Pur.

Nach ein wenig Schotterstraße wechselte der Bodenbelag auf Sand, den es hier zuhauf gibt. Die ganze Insel scheint ein einziger Riesensandhaufen zu sein! Fahren war damit unmöglich und schieben anstrengend, aber immerhin war der Weg noch eben und breit. Zwischendurch mal ein schmaler Waldweg durch die Blaubeeren, der zu schmal zum Schieben, dafür aber nicht so sandig war... Dann ging es richtig los. Bergauf und bergab durch den Wald, eine steile Sandrutsche rauf und die nächste wieder runter... gefühlt endlos. Irgendwann dann dichtes Gras. Juhuu, endlich wieder eben! Zu früh gefreut - Sumpf. Unverkennbar am Wasserstand in meinen Schuhen zu spüren...


Ich weiß nicht mehr genau wie, aber ich habe mich, mein Fahrrad und mein Gepäck tatsächlich bis zur Hütte geschleppt. Inzwischen war es abends um sieben, aber der Tag war ja noch lang und der Platz einfach unglaublich friedlich. Im Wald an einem See gelegen und abgesehen von dem Mücken wirklich Ruhe pur. Urlaub! :) Und den Rest des Abends hatte ich ja Zeit zum Erholen, Essen, Träumen und noch ein wenig Spazieren...


Wenig später habe ich mich frisch verliebt. In einen einsamen Strand. Seevögel, Dünen, glitzerndes warmes Wasser... und immer noch Ruhe und Frieden so weit Augen und Ohren reichen. Ein zeitloser Ort. Einfach wunderschön - schon der Strand an sich, aber die Atmosphäre noch mal mehr. Ein Platz, wo man einfach da sein kann und den Wellen beim Plätschern zusehen. Egal wie lange...



Na ja, etwas schlafen musste ich ja auch noch, also hab ich mich mit dem harten Holzboden der Hütte abgefunden und mir den Schlafsack gegen das Mückengesumme über beide Ohren gezogen. Bis neun Uhr morgens kann man es so aushalten!
Als Rückweg habe ich dann einen anderen gewählt, der nur noch aus breiten Sandwegen und traumhaften Schotterstraßen ;) bestand. Als das geschafft war, war es auch nicht mehr weit bis zum Inselende.
Ungetrübter Sonnenschein und der Geruch des Meeres! Urlaub! Ganz hinten an der Mole hat man dreiseitigen Meerblick und trotz der weitaus touristischeren Gegend immer noch Ruhe. Wieder ein Ort, um eine oder auch zwei Stunden zu verbringen.


Aber ein bisschen Strand muss auch noch sein. Der hier ist zwar nicht mehr menschenleer, aber immer noch nicht überbevölkert und einfach schön!



Wenn es in der Sonne zu heiß wird, kann man Waldspaziergänge machen und hier wird sogar den nassen Füßen vorgebeugt!


Aber jeder schöne Urlaubstag geht irgendwann auf den Abend zu und dieses Mal musste eine andere Hütte her, die man leichter erreichen kann. Also Tschüss Marjaniemi und wieder auf's Fahrrad gesetzt.
Eine Stunde später fand ich auch die nächste geplante Hütte, aber die war erstens nicht gut in Schuss und zweitens nicht gerade schön gelegen. Was spricht dagegen, auch abends um acht noch eine weitere Stunde durch den goldgelben Sonnenschein zu radeln, um die nächste auszuprobieren?
Die Entscheidung war super, denn abgesehen vom Meerblick hatte diese Hütte auch eine Schaumstoffunterlage zu bieten und außerdem KEINE Mücken! (Wäre diese also nicht in der Nähe des Fähranlegers, sondern in der Nähe von Marjaniemi, würde ich nächstes Mal gleich eine Woche dort bleiben!)
In dieser Nacht gab es dann noch eine Überraschung, von der mir der Wetterbericht nichts erzählt hatte. Ein Gewitter, dass bei jedem Donner die Hütte wackelte und das Glas der Sturmlampe auf dem Tisch klirrte! Das Regenprasseln war so laut, dass über eine Stunde erst mal nicht an schlafen zu denken war. Ein bisschen unheimlich ist es ja schon...
Dafür war der nächste Morgen frisch gewaschen und die Temperaturen nur noch knapp über 20 Grad. Also wieder bestes Radelwetter... dann fahre ich wohl mal zurück nach Oulu.

Oulu von der anderen Seite aus betrachtet

Weil es aber zu schön ist, um sich schon in Innenräume zu begeben, folgt zumindest noch ein Zwischenstopp am Strand, den ich zukünftig fast vor der Haustür habe. Nicht so schön wie auf Hailuoto und auch deutlich voller, aber immerhin Sand und Wasser! :)


Schon jetzt weiß ich, wo ich am nächsten sonnigen Wochenende wieder hinwill. Hailuoto ist einfach schööön! Und den südwestlichen Teil der Insel habe ich noch gar nicht kennen gelernt... Da wollen noch ein paar Wandertage eingelegt werden.
Aber nun genug der Werbung, ich arbeite ja schließlich nicht für die Tourismusbranche ;) Und gleich begehe ich meinen drittletzten Ferientag noch mit einem Sonnenbad am See. Bis die Tage! :)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Das klingt sooo schoen friedlich... Ich aett sowas von Schiss gehabt, allein und dann auch noch so ein Gewitter...
Aber freut mich, dass du diesen Ort fuer dich gefunden hast.
Nadine