Sonntag, 16. Juni 2013

Oppia suomea

Mittlerweile haben mich sehr viele von euch gefragt, wie es denn so mit der Sprache läuft. Die meisten haben ja im Hinterkopf, dass es hier fast vier Mal so viele Fälle gibt wie im Deutschen und gruseln sich bereits deswegen. Zur Beruhigung kann ich dem entgegensetzen, dass diese Sprache total logisch aufgebaut ist, wenn man denn erst mal die Logik verinnerlicht hat! (Etwas, woran ich immer noch ein bisschen arbeiten muss, aber in der Theorie bin ich da schon viel weiter als in der Praxis!)

Ich möchte nicht behaupten, dass mir das Lernen wirklich leicht fiele. Wäre es ein Kinderspiel, würde ich meine Projekte im Büro nicht immer noch größtenteils auf Englisch besprechen. Aber ich habe den Ehrgeiz, irgendwann auf Finnisch genauso fließend wie auf Englisch kommunizieren zu können und hoffe, dass ich dafür noch lange genug in diesem schönen Land bleibe.

Ich mag einfach schon den Klang dieser Sprache. Vielleicht ist es subjektiv, weil sie für mich inzwischen so etwas wie zweite Heimat bedeutet... Vielleicht aber auch ganz objektiv wegen der vielen Vokale.
Zugegeben, manchmal passiert es mir heute noch, dass ich am frühen Morgen tief in deutsch- oder englischsprachige Gedankenstränge versunken bin, während ich so ins Büro radle und plötzlich völlig überrascht bin, wenn mir andere Menschen begegnen, die Finnisch reden.
Gestern dagegen fragte mich jemand etwas auf Englisch und ich antwortete versehentlich kyllä - "ja".

Und was machen nun meine Fortschritte? Ich bin der Meinung, immer noch furchtbar zu sprechen, aber das Leben beweist mir, dass es wohl doch vorangeht. Ich habe letzte Woche ein paar Behördengänge (Einwohnermeldeamt, Steuerbüro und Gesundheitszentrum) geschafft, ohne die englische Sprache zu benötigen! Lassen wir mal offen, ob ich inzwischen gut spreche oder die anderen einfach nur gut im Raten sind... ;)

Aber manchmal ist es auch wirklich einfach. Hier kommt also mal wieder ein kleiner Sprachkurs für euch. :)
Lektion 1: Wenn ihr ein Wort nicht kennt, versucht es mit dem deutschen Wort (bzw. etwas Ähnlichem) und hängt ein i dran: posti, bussi, pankki, ...
Funktioniert ganz besonders gut bei Lebensmitteln: tomaatti, salaatti, margariini, majoneesi, banaani, lakritsi, ...
Aber auch bei der Arbeit kann man Glück haben: sokkeli, betoni, profiili, bituumi, kellari, elementti...
Auch wenn es manchmal nicht sofort ins Auge fällt, gibt es viele weitere Lehnwörter. Neulich begenete mir zum Beispiel flyygeli. (Hierzu muss man wissen, dass die Finnen kein ü haben, ihr ü ist das y). Und ganz klar, dass die Finnen den vitsi erst kennenlernten, als der erste Deutsche im Land auftauchte. Vorher hatte man hier keinen Spaß! ;)
Ich allerdings hatte ganz besonderen Spaß, als ich festellte, dass es tatsächlich das Wort besserwisseri gibt! :D

Man muss also nur ein wenig mit offenen Augen durch die Welt laufen und findet überall ganz einfache Vokabeln:


Ja, selbst der :)


Manchmal geben sie sich auch Mühe, es für den deutschen Touristen verständlich zu machen:

Gefunden im Pyhätunturi-Skigebiet. Pyhä = heilig. Heilige Wurst?? Immerhin haben sie es darunter noch einmal in ihrer eigenen Sprache erklärt: Die besten Würstchen des Nordens. Aha! :D

Nun ist das mit dem i leider eine Regel, die man nicht immer anwenden kann. Der Ursprung dieser Sprache ist so anders als der von allen Sprachen, die wir gewöhnlich so kennen, dass das Selbstverständlichste manchmal nicht selbstverständlich ist:
[Quelle: irgendwo im Internet aufgelesen]

Aber schön ist, dass die Finnen mit viel weniger Worten auskommen. Vielleicht sind sie ja gar nicht wirklich wortkarg, sondern es liegt an der Sprache? Auch das folgende Foto ist aus dem Internet geklaut, aber ich hätte es ebensogut hier fotografieren können:

Ganz ehrlich und ohne angeben zu wollen, das finnische Wort ist einfach leichter!

Aber vielleicht ist es doch kein Gerücht mit den schweigsamen Finnen (den Link zu diesem hübschen Bildchen habe ich von meiner Finnischlehrerin bekommen!):
Es ist was Wahres dran...

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