Samstag, 22. Juni 2013

Juhannus

Finnischer Mittsommer. Der Name verwirrt etwas, denn er wird nicht immer extakt am Johannistag gefeiert, sondern immer an einem Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni. Der Juhannusaatto, der Vorabend, ist ein Feiertag.
Traditionell fahren dann Donnerstag Abend oder spätestens Freitag Morgen alle Finnen in ihre Mökkis oder besuchen ihre Familie, so dass die Städte nahezu leergefegt sind.

Hätte ich meine Familie besucht, hätte ich von Juhannus nichts mitgekriegt. Ein Mökki besitze ich nicht und die Freundin, mit der ich mal in die Natur fahren wollte, hatte leider kurzfristig doch keine Zeit. Und mich mit den verbliebenen Studentenbekannten zusammenzusetzen, inklusive einiger alkoholischer Getränke versteht sich, wie man das jede Woche haben könnte wenn man denn wollte, das war mir einfach zu diesem heiligen Datum nicht traditionell genug.

Also habe ich das Projekt "Ich-lerne-meine-Umgebung-kennen" erneut in Angriff genommen und um das Freilichtmuseum Turkansaari erweitert. Dort fand ein traditionelles Familienfest zum Juhannusaatto statt.
Familienfest? Nun ja. Seniorenfest mit einzelnen Familien. Bin das gar nicht mehr gewohnt, von älteren Menschen als ich selbst umgeben zu sein ;) Aber auch wenn ich mich beim Programmpunkt der traditionellen Musik und Geschichten für eine Weile fragte, ob ich vielleicht doch fehl am Platze bin, ist insgesamt noch ein toller Abend draus geworden!

Los ging es mit den Gebeten zum Mittsommerabend in der alten Holzkirche auf der Museumsinsel. Ich habe natürlich nicht alles verstanden, aber der Grundgedanke wurde klar: Teile aus der Schöpfungsgeschichte und ein Lob auf die wunderbare Natur.

Die Natur steht auf jeden Fall im Mittelpunkt, auch bei der Festtagsdekoration. Ich habe auf meiner Radtour zum Museum so viele Leute getroffen, die Blumensträuße gepflückt haben! Und jedes Haus ist mit Birkenzweigen geschmückt.
Auch die Leute, die nicht ins Mökki gefahren sind, sind in die Natur gegangen oder mit dem Boot gefahren. Ich fühlte mich stark an die Maiwanderungen in Deutschland erinnert!

Punkt 18 Uhr wurde die Finnische Flagge mit gemeinsamem Gesang des Fahnenliedes gehisst.

Anschließend wurde noch etwas mehr gemeinsam gesungen, ein Kabarettist trat auf (leider mit zu starkem Dialekt, als dass ich wirklich einen Zusammenhang erkannt hätte, aber ich glaube, ich gehörte eh nicht zur Zielgruppe) und ein Sänger (an sich gute Stimme, aber von der Musikrichtung her eher für die Ü70-Generation - liebe Leser dieser Generation, nehmt es mir bitte nicht übel!). Als die traditionellen Tänze losgingen, wurde es zum Glück wieder interessanter für mich.

Der erste Höhepunkt des Abends hatte viel mit der Geschichte von Oulu und seiner Umgebung zu tun. Jetzt dürft ihr mal wieder was lernen! :) Oulu ist nämlich im 19. Jahrhundert durch seinen Teerexporthafen berühmt geworden. Der Holzteer wurde in den umliegenden Wäldern hergestellt und ich konnte gestern zusehen, wie das gemacht wurde:


Die vorbereitete Grube
Das Ende des Teerrohrs
Birkenrindenstreifen statt Grillanzünder - Das Anzünden
Und schließlich brennt es selbstständig - Das Abdecken
 Und so glüht es weiter für fünf Tage, bis Kohle und Teer fertig sind...

Weißer Rauch und Sonne - Lichtshow inklusive!

Und auch sonst ist die finnische Landschaft mal wieder wunderschön! Und so friedlich! Der Oulujoki (und schon wieder ein kleiner Finnischkurs: joki = Fluss) sieht eher aus, als wäre er ein Oulujärvi (järvi = See). Idylle pur!


Der wirkliche Höhepunkt des Abends steht aber noch bevor und langsam trudeln auch die Zuschauer  zu Wasser ein.

Schon mal einen Hund mit Schwimmweste gesehen? :)

Und da ist es: Das Juhannusfeuer.


Hyvää Juhannusta!

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