Fangen wir mal bei der Einreise an. Nein, es gab keinen Fragebogen, in dem ich ankreuzen musste, ob ich Terrorist bin o.ä. :) Warum hört man das immer wieder? Ob gab es den mal wirklich? Was interessiert, sind aus nachvollziehbaren Gründen frische Lebensmittel im Gepäck.
Mit Hygiene übertreiben sie es m.E. in einigen Bereichen sogar. Am ersten Morgen am hoteleigenen Frühstücksbuffet fragte ich mich für einen kurzen Moment, ob sie das Plastikbesteck (nicht so ein flimsiges weißes, sondern das gute stabile!) wohl spülen und wiederverwenden... Reflex. Wunschdenken.
Dazu passt das mitgehörte Gespräch zweier Amerikaner am Flughafen Helsinki, wo sie auf den Toiletten Stoffhandtuchabroller haben. Sie zu ihrem Mann: "Do you think they'll wash and reuse them!?" Darauf er: "Nah, I don't think so." :D
Also die Mengen an Müll, die ich in dem Urlaub produziert habe! Und das Wasser, das ich beim Duschen verbraucht habe, weil man Temperatur und Strahlstärke nicht separat wählen kann! Ein dünner Strahl ist nur auf eiskalt überhaupt möglich zu bekommen. Mit ein bisschen mehr euröpäischen Ansatz könnte man dort im Alltag sooo viel Energie sparen... Ich hab schon immer abgelehnt, jedes Getränk in einem Becher randvoll mit Eiswürfeln zu bekommen. Viele Innenräume waren leider so kalt, dass man schnell auch selber zum Eiswürfel wurde, wenn man es wagte, in den draußen angemessenen Sandalen und kurzen Ärmeln das Gebäude zu betreten.
Hat aber vielleicht auch mit dem Rechtssystem zu tun. Die Warnhinweise "Vorsicht heiß", "Keine Haustiere in der Mikrowelle", "Warnen sie Ihre Kinder vor der Gefahr eines Elektroschocks vor dem Gebrauch dieses Föns" usw. müssen dort ja auch auf allem drauf sein.
Apropos Rechtssystem - ja, auch die Werbeschilder entlang der Autobahnen sind größtenteils von Rechtsanwälten in Beschlag genommen.
Dafür fährt ein Großteil der Amerikaner aber auch sehr vorsichtig und rücksichtsvoll. An Geschwindigkeitslimit hält sich zwar niemand außer uns blöden Touristen (und selbst das nicht immer, weil sie manchmal wirklich lächerlich niedrig sind), aber an Fußgängerüberwegen wird nicht mehr gefahren, wenn nur ein Mensch den Fuß auf das andere Ende der Fahrbahn gesetzt hat. Autos am Ende einer Spur werden auch gut reingelassen.
Die Rücksichtsnahme geht sogar so weit, dass ich vermutlich negativ aufgefallen bin: In beide Richtungen der Straße zwei breite Spuren, plötzlich werden alle ganz langsam und fahren auf den Seitenstreifen. Ich werde auch langsamer, kucke vor mich und in den Spiegel, sehe aber nichts Außergewöhnliches, keinen Stau, kein Rettungswagen o.ä. überholt, daher fahre ich auch nicht auf den Seitenstreifen. Irgendwann fahren auch die anderen weiter und ich hab immer noch keine Ahnung, was los war. Bis sich das Spiel wiederholt, da merke auch ich es: Drüben, etliche Meter weiter auf der Gegenfahrbahn, kommt eine Feuerwehr! Na ja, meine Begleitung dazu nur: "Du traust den Feuerwehrleuten wenigstens zu, dass sie es hinkriegen, auf ihrer Fahrbahn zu bleiben" :D
Straßen generell sind aber auch wirklich groß und breit. Sowohl die Spur an sich als auch die Anzahl der Spuren pro Richtung. Innerorts zumindest auf dem Festland meistens drei, auf den Autobahnen auch schon mal sechs. Und die Autobahnkreuze verdienen den Namen Verkehrsknotenpunkt. So was Verknotetes! :D
Bei Parkplätzen hat man mit einem Kleinwagen vorne und hinten noch jeweils 'nen Meter Platz und rechts und links auch noch einen halben Meter mehr als man gewöhnt ist. Die Einheimischen fahren gefühlt zu 30% Pickups (ein Teil davon so groß, dass ihre Motorhaube etwa auf meiner Augenhöhe liegt) und zu 60% andere in alle Richtungen dicke Autos, die müssen ja schließlich auch reinpassen. Also das Land ist wirklich ein Autoparadies.
Egal wo. Selbst wenn es voll zu werden droht.
Aber nicht nur der Autoverkehr ist spannend. Diesen und andere Zebrastreifen in L.A. fand ich hübsch - es müssen ja nicht immer bloß Streifen sein!Kalifornische Handymasten sind so viel origineller als bei uns, man integriert sie in die Landschaft:
Kirche scheint auch anders zu funktionieren. Häufig liegen mehrere Gemeindezentren direkt nebeneinander an der gleichen Straße, ohne dass ein Unterschied bei ihrer Religion oder Konfession erkennbar wäre. Ich habe mal gehört, man schließt sich dort der Kirche an, deren Prediger einem am meisten zusagt. Auf jeden Fall ist der Umgang mit dem Glauben um einiges offensiver, als wir es gewohnt sind.

Bei ihren Nahrungsmitteln scheinen sie auch immens stolz darauf zu sein, wenn echtes Essen drin ist. Wie oft man das liest: with REAL pineapple, with real cocoa, with real cheese, with real... Müsste es mir Sorgen machen, wie oft man es trotzdem auch nicht liest?
Erstaunlich fand ich es außerdem, dass es Schmerztabletten einfach so im Supermarkt im Tausenderpack gab.
Es gibt Kulturunterschiede, die waren mir vorher bewusst und trotzdem tat ich mich ein wenig schwer damit. Dass alle so freundlich sind, ist ja zunächst ganz nett, aber es grenzt an anstrengend. Ich wusste nie, ob die Menschen wirklich nett sind oder sich nur die Mundwinkel an den Ohren festkleben, egal, was sie in Wirklichkeit über dich denken. Im Restaurant wollen sie sich ihr Trinkgeld verdienen und fragen immer wieder, wie das Essen ist, ob sie noch helfen können, ob alles in Ordnung ist, ob wir noch was wollen... Ja, essen würd ich noch wollen. ;) Sobald man damit aber fertig ist, liegt klatsch auch schon die Rechnung auf dem Tisch. Auch wenn ich das vorher wusste - wenn man da als Europäer so sitzt und noch austrinken möchte, fühlt sich das schon gewaltig nach Rausschmiss an.
Apropos Trinkgeld. Auch nicht einfach. Im Restaurant, klar, wenn auch höher als in Deutschland, ist das Prinzip ja vertraut. Aber wo sonst überall? In der Strandbar, wo man selber hingeht und sich ein Getränk abholt? Bei einer Bootstour wird doch wohl nicht erwartet, dass man 20% auf den Gesamtpreis gibt? Der Crew ja, aber dem Boot und seinem Treibstoff würd ich doch kein Trinkgeld zahlen? Ich bekam den Eindruck, das wäre von uns erwartet worden.
Zur Zeit unseres Besuches war außerdem Halloween. Im Allgemeinen war es witzig anzuschauen, was alles an Deko in den Supermärkten, auf der Straße und an den Häusern aufgefahren wurde. Ein paar Dinge waren aber auch gewöhnungsbedürftig. Wer würde nicht sein Abendessen mit einem blutigen abgetrennten Fuß auf dem Tisch verbringen wollen?
| Halloween auf Hawaii, hübsch dezent und niedlich |
Was noch immer und überall auffällt, und dafür gibt es von mir ein fettes Thumbs Up, ist die Barrierefreiheit und vor allem ihre Selbstverständlichkeit. In Klamottenläden die rollstuhlgerechte Umkleidekabine, an Picknicksitzgruppen das überstehende Tischende, die Unmengen von Sonderparkplätzen und übergroßen Toilettenräumen. Menschen mit Handicap scheinen dort viel selbstverständlicher zu sein als hier. Ob es an den hochgeachteten Kriegsveteranen liegt oder einfach am Meltingpot schlechthin? Grund hin oder her, in der Hinsicht ist Amerika ein echtes Vorbild!

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