Es ist Anfang August und ich sehe meinem ganz persönlichen Highlight entgegen. Hiermit fing einmal alles an... Alles? Na ja, wie kommt man darauf, zwei Monate quer durch Afrika zu reisen? Wegen Wasserfällen? Ja, ernsthaft, egal wie seltsam das klingt.
Ich mag Wassserfälle. Deswegen formte sich vor mehreren Jahren irgendwo tief in mir drin der Wunsch, mal so richtig große zu sehen.
Der erste Name, der einem da in den Sinn kommt, sind die Niagarafälle. Aber das klang (für mich) irgendwie zu "abgedroschen". Es heißt, sie sind spektakulär und leicht zu erreichen, ja, aber wenn doch anderswo sowohl höhere als auch breitere auf mich warten...?
Heute kann ich mir nicht mehr erklären, warum sich dann ausgerechnet die Viktoriafälle in meinem Kopf festsetzten und nicht Iguazú, aber vielleicht war das nur, damit ich jetzt ein neues Ziel haben kann. ;) Jedenfalls ließ mich der Wunsch, sie eines Tages zu besuchen, nicht mehr los, auch wenn er auf meiner Reisewunschliste immer als "irgendwann mal, muss noch nicht sofort" kategorisiert war.
Je länger "irgendwann in der Zukunft" dauert, desto näher kommt sie aber! Und so suchte ich vor ein paar Jahren nach Reisen in die Gegend. Zwei, maximal drei Wochen schaute ich mir an, allerdings immer noch ohne zu buchen. Bis ich (nicht mal bei dieser Suche, sondern bei der nach einer Reiseversicherung!) auf eine Überlandtour stieß, die mich nicht mehr losließ. Quer durch Afrika... es klang nach einem Traum. Nie zuvor hatte ich davon gehört, dass es solche Touren gäbe. Und auch wenn ich es für unrealistisch hielt daran teilzunehmen, irgendwie war mir doch klar, dass wenn überhaupt Afrika, dann auch ganz und gar, eben so wie diese Tour... so lange die Viktoriafälle drin waren!
"Mosi-oa-Tunya" wird dieses Naturwunder sehr schön bildlich in einer lokalen Sprache genannt.
An der höchsten Stelle über hundert Meter Fallhöhe, die Gischt sieht man angeblich noch in 30 km Entfernung!
Verzeiht mir bitte die Fülle der Fotos, die vielleicht für jemanden, der nicht da war, alle viel zu ähnlich aussehen, doch meine Faszination kann ich einfach nicht mit einem einzigen Bild rüberbringen.
Zunächst besuchten wir die simbabwische Seite, hier der in Blickrichtung linke Anfang der Fälle:
Ein Stückchen weiter in Richtung Mitte und mit Wind aus der richtigen Richtung ging es nicht mehr ohne Plastikzwerg und teilweise machte ich mir bereits ernsthafte Sorgen um meine Kamera. Aber trotzdem, ich bin daaaaa! Yay! (Kein Wunder, dass hier ein Regenwald gedeiht!)
Die "Horseshoe Falls":
Man sollte meinen, dass zwei Stunden locker reichen sollten, die simbabwische Seite ausführlichst zu erkunden - doch für jemanden wie mich reichte das doch nur soeben und gerade haarscharf...
Mein Glück, dass ich am nächsten Tag den raren Luxus genoss, auf eigene Faust unterwegs sein zu können. Ein kompletter Tag für mich, im eigenen Takt. Jessss! :D
Mit noch nicht fertig durchdachtem Plan im Hinterkopf machte ich mich einfach mal auf den Weg, die berühmte Brücke zwischen Simbabwe und Sambia anzuschauen. Hmm, warum eigentlich nicht auch am anderen Ende an Land gehen, wenn ich doch eh ein Kombivisum habe...?
Diese Grenze ist zum Glück relativ harmlos, gerade als Fußgänger mit bereits vorhandenem Visum. Bei unserer Einreise nach Simbabwe hatten wir noch ganz anderes gesehen... Besonders für LKW-Fahrer, die im 4-Länder-Eck direkt von Botsuana nach Sambia übersetzen möchten, kann das schon mal etwas längeres Anstehen bedeuten. Damit ihr eine Vorstellung von "etwas länger" bekommt: bis zu einer Woche! Die Brücke ist im Bau, die Fähre fasst sage und schreibe einen Truck pro Überfahrt. TIA - this is Africa. Das war bestimmt die längste Schlange, die ich je an einer Grenze gesehen habe. Gut, dass wir nur nach Simbabwe mussten, auch wenn das nicht unbedingt ganz fix ging...
Nun also wirklich fix zwischen den LKWs durch, Stempel abholen und rein ins nächste Land.
Da ich noch nicht genug von den Fällen hatte und mir außerdem die sambische Seite sehr ans Herz gelegt worden war, kaufte ich mir spontan ein Ticket und ging hin.
Hier also gut 1700 m weiter rechts als gestern. Blick in die Schlucht und die Fälle "von hinten".
Auch wenn das Wasser gegenüber des Höchststandes schon wieder auf dem Rückzug war, noch war der Sambesi zu voll, um sicher hier oben rumzulaufen. Zumindest der "Devil's Pool" war noch nicht freigegeben, ein Ort, wo man bei Niedrigwasser quasi direkt an der Wasserfallkante baden kann. Nicht, dass inoffizielle Führer nicht versuchen würden, Touristen für ein Trinkgeld und über alle Verbote hinweg durch den Fluss zu geleiten... Wäre bestimmt eine tolle Sicht gewesen, aber an solchen Punkten sieht man inzwischen, dass ich alt werde. Dachte darüber nach, wie leicht ich im Fluss liegen könnte und dass ich meine Kamera noch fünf weitere Wochen brauche... Nein, vom Land aus ist auch schön, selbst wenn das Abenteuer an sich bzw. die Aussicht mich schon gereizt hätten.
Und da ich den Aussichtspunkt "The Brigde" von Simbabwe aus nicht mehr geschafft hatte, nun eben von Sambia. Über hundert Jahre alt, die Brücke. Links Sambia, rechts Simbabwe, hinter mir die Wasserfälle.
Nach einem ersten sehr bedeckten Tag schien heute die Sonne heiß vom leicht bewölkten Himmel. Ja, es hat sich definitiv gelohnt, noch mal herzukommen! Da oben links im rechten Bild stand ich übrigens gestern noch... :)
Auf der sambischen Seite hat man außerdem die Chance, bis in die Schlucht hineinzulaufen, durch die der Sambesi die Fälle am unteren Ende verlässt. Auf dem linken Bild unten Mitte-rechts stand ich, als ich das rechte aufnahm. Schöner Platz!
Ein kleines tierisches Abenteuer wartete allerdings auch hier auf mich, wenn auch dieses Mal "nur" in Form von Pavianen. Die meisten sind an Menschen so gewöhnt, dass sie einen gewähren lassen. Aber es gibt da diese äußerst frechen Ausnahmen! Dieser eine Pavian hatte sich so mitten auf den Weg gesetzt und beäugte mich, dass ich nichts Gutes ahnte. Um andere konnte ich ohne Weiteres herumgehen, aber dieser schien etwas auszuhecken... Und richtig, kaum war ich vorbei und drehte ihm den Rücken zu, sprang er mir auch schon auf selbigen. Vorsichtig, wie ich bin, hatte ich schon vor Abstieg in die Schlucht meine Jacke über Schultern und Rucksack gebunden, so war es nur eine kleine ruckartige Bewegung, die es brauchte, um ihn abrutschen zu lassen, woraufhin er sich ins Dickicht flüchtete. Danach war ich noch misstrauischer, doch die meisten Affen interessierten sich zum Glück überhaupt nicht für Besucher. Und diese Pavianbabies... fast wie kleine Monchichis!
Jetzt hatte ich wirklich eine große Dosis Viktoriafälle bekommen, also konnte ich den erstaunlich kleinen verbleibenden Rest des Nachmittags noch dazu nutzen, bei den lokalen Kunsthandwerkern mein Verhandlungsgeschick unter Beweis zu stellen und anschließend noch ein wenig mein Luxushotel genießen, bevor es in der Folgenacht wieder zurück ins Zelt ging.
Mit diesem Höhepunkt endete für mich eine kleine Reise innerhalb der großen Reise.
Wenn sich jemand wunderte, dass ich einen ganzen Tag zur freien Verfügung hatte: Das war der Tag zwischen den Touren.
Am Vorabend gingen wir als komplette Nomadenfamilie noch einmal zusammen sehr gut essen und feierten unter dem großen Rieddach des Restaurants eine gelungene Tour bei gegrilltem Warzenschwein (man konnte auch "Pumba" bestellen!), Krokodil und allerlei anderen vorzüglichen Speisen vom Buffet. Eine Unterhaltungstruppe sang und tanzte mit uns "The Lion Sleeps Tonight". Prima Stimmung. Tolle Gruppe. Super Guides. Und ein etwas seltsames Bauchgefühl, denn ab hier würde ich die einzige sein, die weiter in Richtung Ostafrika reiste. Fast alle Familienmitglieder machten sich auf den Heimweg, eine reiste auf anderer Route zurück nach Südafrika. Alle freuten sich auf ihre eigene Dusche, das eigene Bett und saubere Klamotten. Und ich? Noch nicht mal Halbzeit. Weitere fünf Wochen Zelt, Handwäsche und Straßenstaub...
Es fühlte sich seltsam an, "allein zurück zu bleiben" - auch wenn mir ja von Anfang an klar war, dass ich allein unterwegs war. Auch ich wäre gerne wieder dauersauber gewesen. Aber dann wieder war ich auch noch nicht bereit für den Rückflug, denn da draußen wartete ja noch mehr auf mich...
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