Donnerstag, 5. Januar 2023

Man kann gar nicht so dumm denken, wie's kommt

Nachdem man so einen neuen, kleinen Erdenbürger in die Welt gesetzt hat, ist einiges an Bürokratie fällig. Und ein Dokument, das man für wahrscheinlich alle Anträge braucht, nennt sich Geburtsurkunde.

Vorab hatte man uns informiert, dass das Krankenhaus einen Service anbietet, wo man einfach das entsprechende Formular ausfüllt, die nötigen Dokumente abgibt und das fällige Geld bezahlt, der Rest wird dann für einen erledigt, die Geburtsurkunden bekommt man zugeschickt. Super Sache!

Leider befinden wir uns immer noch in Zeiten von Corona. Das Standesamt war derart unterbesetzt, dass man leider für zwei Wochen diesen Service nicht anbieten konnte. Selber kümmern war angesagt.
Die Emailkommunikation lief auch gut, man schickte uns zu, was wir ausfüllen sollten und welche Dokumente beizulegen sind. Im Original übrigens, beglaubigte Kopien reichen nicht aus!

Also Dokumente sorgfältig in einer Schutzhülle in ein A4-Einschreiben gesteckt, Anschreiben dazugelegt, wie viele Exemplare der Geburtsurkunde wir brauchen und dass wir die Unterlagen gerne selbst wieder abholen würden und ab die Post Richtung Standesamt der Nachbarstadt, wo das Krankenhaus liegt.

Unsere Überraschung war recht groß, als wir einen A5-Umschlag in der Post fanden, Absender eben dieses Standesamt. Er enthielt neben unseren Originalen - natürlich ohne Schutzhülle und jetzt gefaltet und mit einigen zusätzlichen Knicken versehen - genau die drei Standardurkunden für vorgegebene Zwecke (Kindergeld, Elterngeld, Krankenkasse), aber keine weitere. Die müsse man gesondert per Email bestellen.
Diese Prozesse sind ein Fluch, warum war unser Papier nicht gut genug? Aber es ist, wie es ist. Digitalisierung in Deutschland! :P

Da ich den Umschlag nicht selbst geöffnet hatte, fragte ich: "Der Name stimmt aber? Ich habe nämlich geträumt, sie hätten sich da vertan." Trotz meiner Frage war ich auf die Antwort nicht gefasst: "Nein, der ist falsch." Was!?!?
Im Gegensatz zu meinem Traum, wo der Vorname falsch gewesen war, hatten sie dort keinen Fehler - aber unser Kind hatte meinen Nachnamen bekommen, obwohl wir explizit angegeben hatten, dass er den Namen meines Mannes bekommen sollte! Was für unkonzentrierte Experten arbeiten denn da? Überprüft man das nicht lieber drei Mal, bevor man was Falsches rausschickt?

Mussten wir also hinterhertelefonieren. Gar nicht so einfach, wenn ein Band einem bei einem ersten Versuch um 9.58 Uhr erzählt, sie wären Mo-Fr von 8-10 Uhr zu erreichen... Aber auch um kurz nach acht oder gegen neun oder wann auch immer in dem Zeitraum ging in den folgenden Tagen das gleiche Band ran. Gut, dass das Standesamt noch andere Nummern hat, wo man die Nummer der Chefin der Abteilung bekommt!
Die war betroffen, sehr konstruktiv und freundlich. Man schickte uns, quasi zum Ausgleich, neben den drei Standardexemplaren auch kostenfrei weitere, nicht zweckgebundene Urkunden mit dem korrigierten Namen zu und kontaktierte obendrein die ausstellende Behörde unseres Originals, ob wir ein neues bekommen könnten.

Zu dem Zeitpunkt glaubten wir noch, das Thema sei jetzt durch.

Etwas später allerdings erhielten wir von unserer Stadt eine Kinderbetreuungsnummer, ausgestellt für ein Kind mit meinem Nachnamen! Die Nachbarstadt hatte es also schon geschafft, die falschen Daten weiterzumelden und nicht zu korrigieren...

Weitere 20 unbeantwortete Anrufe bei dieser Stelle später ging tatsächlich jemand ran und nahm sich Zeit für unser Anliegen. Die nette Dame konnte den Namen für die Kinderbetreuungsnummer korrigieren, schaute dazu aber ins Melderegister (nur Lesezugriff!) und fragte: "Schreibt man Ihren Nachnamen denn ohne E?" Nein, mit!
Digitalisierung in Deutschland: Irgendwer meldet die Daten mit einer korrekten Geburtsurkunde ans Einwohnermeldeamt unserer Stadt und ein weiterer unkonzentrierter Experte tippt es von Hand ins System ein - mit Tippfehler. So freundlich die Frau war, am Melderegister konnte sie nichts ändern, da sollten wir mal direkt beim Einwohnermeldeamt anrufen.

Man ahnt es schon: Es vergehen eine Menge unbeantworteter Anrufe, bis man endlich jemanden dort an die Strippe bekommt. Aber mit Geduld schafft man auch das. Das Ergebnis ist allerdings ganz und gar nicht zufriedenstellend: Um diese Daten zu ändern, reiche ein Telefonat nicht aus. Nein, auch eine Email mit Scan der Geburtsurkunde nicht. Da müsse man persönlich vorsprechen, um den Antrag auf Änderung des Melderegisters zu stellen!
Termine für die folgende Woche werden immer freitags um neun freigegeben, also dann bitte nächsten Freitag morgens schnell die Terminvergabestelle anrufen oder eine Zeit im Internet buchen. Wenn beim Bürgeramt im benachbarten Stadtteil nichts zu bekommen ist, wahlweise auch in der Hauptstelle im Zentrum...
Da frage ich nur: WER hat denn hier den Fehler gemacht? Warum sollen wir unsere momentan ohnehin knapp bemessene Zeit mit einem Gang aufs Amt vergeuden, weil dort jemand nicht abtippen kann?

So lange unser Kind keinen Ausweis braucht, stört es uns jedenfalls nicht, dass der Name dort falsch registriert ist. Und um einen Ausweis zu beantragen, muss man sowieso persönlich vorsprechen, da kann man dann auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Bis dahin hat unser Kind jetzt eben, zumindest für unsere Stadt, einen anderen Nachnamen als wir beide…
… und inzwischen auch eine Steuernummer zum falschen Nachnamen.

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