Mittwoch, 20. März 2019

Echter Winter

Was im Ruhrgebiet wohl allgemein eher selten ist, war dieses Jahr zumindest gefühlt ferner denn je - wenn man mal von einer gewissen Halle in Bottrop absieht: ein dicke Schneedecke. Gut, dass ich mir meine Dosis Winter (ebenso wie zu anderen Jahreszeiten meine Dosis Mitternachtssonne, Mücken, beinahe-Polarnacht etc.) persönlich in Finnland abholen darf! Im hohen Norden würde es einen eher wundern, wenn gerade NICHT um die 60 cm lägen.

Das war nicht die ganze Zeit so. Der November war ungewöhnlich dunkel. Ein Café hat's mit Humor in einen Werbespruch verwandelt:


Auch ohne viel Schnee kann der Winter (Spätherbst) an einigen Orten sehr hübsch sein.


Anderswo aber auch leider sehr dunkel. So eine reflektierende Schneeschicht wirkt Wunder, was die Helligkeit angeht, eine dicke Wolkendecke sorgt dagegen gerade beim flachen Einstrahlungswinkel hoch im Norden für das Gegenteil. An einem Novemberfreitag bemerkte eine Kollegin mittags beim Gang zur Lunchbesprechung: "Heute ist die Sonne ja gar nicht aufgegangen!"

Zum Glück sorgt die Stadt zu dieser Jahreszeit anders für ihre Beleuchtung: Mit dem alljährlichen "Lumo" Lichterfestival, das auch diesen Winter wieder ein paar schöne sowohl temporäre als auch bleibende Lichtakzente setzte.
Hat jemand von euch schon mal eine 3D-Projektion gesehen? Für mich war es die erste Show dieser Art, bei der der Kirchturm von verschiedenen Mustern und Strukturen aus der Natur überzogen wurde und sich schließlich sogar selbst umbaute und in fliegende Steine zerfiel. Ziemlich cool, wie sie es schaffen, dass es wirklich dreidimensional wirkt!


Das Flussbett quer durch die City sowie die angrenzenden Bäume werden nun dauerhaft in gelbroten Farben erglühen, auch ein historisches Holzgebäude kommt durch neue Lichtakzente ab jetzt erst richtig zur Geltung.

Eine andere Form von Kunst, wieder einmal ein Werk mit UV-Licht, konnte man im gleichen kleinen Park bewundern wie damals die Ausstellung "Sie waren hier".



Weniger leuchtend, aber dennoch nicht weniger interessant zeigte sich der Mond, geschrumpft auf ein Format, das ins Einkaufszentrum passt. So bekommt man auch mal die erdabgewandte Seite zu sehen!


Besonders hervorhaben möchte ich noch das Projekt dieses Künstlers mit seiner Straßenlaterne. Mit ein bisschen Glück begegnete man ihm hier oder da in der City, wenn er sich gerade von seinem anstrengenden Job ein wenig ausruhte...



Zwei Monate später ist es dann doch weiß und sehr hübsch in Oulu und ich genieße wieder den Winter. Und Finnland an sich.



Wie immer bedeutet ein Aufenthalt in Oulu einen gewissen Zuwachs an Lebensqualität. Bisher war es mehr ein Bauchgefühl, aber dieses Mal wurde mir bewusst, welcher Grund abgesehen von der Nähe zu meinen Arbeitskollegen, einer immer verfügbaren Sauna und Joris fröhlicher Art ganz wesentlich mit daran beteiligt ist: Alles, wirklich alles, was ich im Alltag brauche (und sogar nicht brauche), findet sich (bis auf den Flughafen) mit dem Fahrrad in weniger als 3,5 km Entfernung von zu Hause. Die Arbeit, alle Arten von Geschäften, die Innenstadt mit Cafés und Restaurants, Bibliothek, Kirche, Schwimmbad, Kletterhalle, Strand...
Mal eben nach Feierabend noch ein neues Buch holen, nebenbei ein, zwei interessante CDs aufsammeln, dann mit Freunden auf 'nen Abend beim Inder oder auch nur eine Fichtenmilch treffen (jaja, die Finnen und ihre verzehrbaren Bäume) und schließlich über den Uferweg mit Panoramaausblick wieder nach Hause! :D
(Selbst wenn ich das alles total super finde, möchte ich der Fairness halber aber auch erwähnen, dass ich mich trotzdem die ganze Zeit über auch wieder sehr auf mein eigenes Zuhause gefreut habe! Man kann eben keins von beiden vollständig durch das andere ersetzen!)

Und das hier ist der echte Winter, von dem ich so schwärme - ist aber auch einfach schön, oder? ;)




Wenn alles glitzert oder ein bisschen verwunschen aussieht... Beim Samstagsspaziergang sieht man die Menschen auf der Ostsee flanieren, skifahren, kiteboarden, Huskyschlitten fahren, eislochangeln... und selbst um diese Jahreszeit spielen sie noch Frisbeegolf im Park!



(Diese Sportart hat sich dort schon viel stärker durchgesetzt als in Deutschland, nur zum Verständnis, das da ist die Frisbeeauswahl eines normalen größeren Supermarktes - kein Sportgeschäft!)

Vielleicht hat sich der eine oder andere Autofahrer unter euch schon mal geärgert, wenn er morgens zum Eiskratzer greifen musste. Ich weiß nicht, ob es euch trösten kann, aber so ein echter Winter bedeutet natürlich auch, dass man regelmäßig Menschen sieht, die zum Ausparken eine Schneeschaufel und noch mindestens ein, zwei Helfer bemühen müssen, da sind deutsches Matschwetter und ein Eiskratzer hin und wieder vielleicht doch ganz akzeptabel...?


Ich persönlich war ja froh, dass ich mein Fahrrad im November vorausschauend im Keller geparkt hatte...


Auch wenn für euch Temperaturen von um die minus zwanzig kalt klingen, bitte überlegt euch noch mal, ob ihr uns wirklich schon im Februar Plusgrade wünschen wollt! Die gehören in den April, nicht mitten in den Winter! Und zwar deshalb - Tauwetter ist da oben kein Spaß:


Wobei man ja zugeben muss, dass es ganz lustig aussieht, wenn alle Oberflächen, die eigentlich mattweiß sein müssten, plötzlich von einer glänzenden Kruste überzogen sind...


Ach, und für die Leute, die mich so gerne darüber informieren, wenn in Deutschland 40 Grad mehr als in Finnland herrschen: Das ist es doch wert, oder? ;P

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