Samstag, 9. Februar 2019

Andalusischer Herbst

Sooo, mit reichlich Verspätung dürft ihr doch noch an meiner Spanienreise teilhaben. Mein alter Computer war mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln leider nicht mehr zu retten. Nach über zwei Monaten ohne ist es nun also endlich so weit, der neue ist einigermaßen funktionstüchtig eingerichtet und obendrein sitze ich gerade im kalten Finnland, wo man sich abends gerne indoors beschäftigt. Momentan ist es zwar schon wieder viel wärmer als in den letzten Wochen, aber nachdem mich seit inzwischen fast einem Jahr das mitteleuropäische Klima verweichlicht hat, mag mir das Ganze trotzdem noch nicht sommerlich vorkommen. (Aber auch hier, der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Nach den ersten -20 sind auch -8 schon fast wieder frühlingshaft mild.)

Also nun ein paar warme Erinnerungen von einem Herbst, der für spanische Verhältnisse auch eiskalt war, aber Ende Oktober noch 14 bis 25 Grad finde ich trotzdem ganz ok, auch wenn das Baden im Meer ausfiel.

Erster Schock bei Ankunft in Málaga: Die erste (zum Glück wenigstens nicht fettgedruckte) Sprache der Beschilderung ist Deutsch! Wenn Mallorca das 17. Bundesland ist, ist hier dann etwa das 18.?



altes Stadttor, Granada
Damit hatte sich das mit dem Deutschen aber zum Glück erst mal wieder. Mit dem Mietwagen ging es zunächst für drei Tage nach Granada. Wenn dort der Einfluss einer anderen Kultur zu spüren war, dann der arabischen!

Granada hat mir sehr gut gefallen. Eine gemütliche Altstadt, architektonische Sehenwürdigkeiten und ein nettes kleines Hotel in fußläufiger Entfernung zu allem, was einem in drei Tagen Stadturlaub wichtig sein kann. Entspannen. Im Urlaub ankommen. Genießen.


Insbesondere die Tapasmeile war nicht weit... (und für die, die mich jetzt für eine Säuferin halten, das sind alkoholfreie Mojitos!) :D


Ein kleiner Bummel durch die Stadt. Überall sind schöne Gebäude, Gassen und Plätze zu finden.


Allen voran die Kirchen und da natürlich besonders die Kathedrale. Je nachdem, von wo aus man schaut, liegt sie etwas versteckt zwischen den Häusern, ihr Innenraum ist erstaunlich hell und voller Kunstwerke. Sie kostet zwar Eintritt, dafür bekommt man aber auch einen Audioguide und eine Menge zu sehen. Gerade wenn es regnet ein gutes Ausflugsziel, denn man bleibt bestimmt ziemlich lange drin! :)

 

Gleich um die Ecke ist auch der arabische Markt - allerdings wurde er nach einem Brand im 19. Jahrhundert wiederaufgebaut, ist also nicht im Original zu sehen und heutzutage außerdem voller Touristenläden. Ein Bummel durch die überaus engen Gassen kann aber trotzdem ganz nett sein.

Wenn schon shoppen, dann war es für mich eher zu Beginn des Albayzín/ Albaicín, dem maurischen Viertel. Auch dort sehen viele Souvernirs aus, als kämen sie direkt aus Indien, doch insbesondere die Keramikware hat mich begeistert - drei Tage lang haben wir überlegt, wozu man diese handbemalten Schüsseln denn sinnvoll nutzen könnte. Eine wirkliche Idee hatten wir bis zum Schluss nicht. Schließlich war mir ihr Sinn egal, sie machen sich dennoch gerade sehr hübsch im Wohnzimmer! :D

Das Viertel selbst lädt dazu ein, einfach der Nase nach kreuz und quer erkundet zu werden. Immer wieder tun sich neue Perspektiven in den verwinkelten Gassen auf und oben angekommen (und manchmal auch schon zwischendrin), belohnt einen der sagenhafte Ausblick auf die Alhambra, im Hintergrund die weißen Kuppen der Sierra Nevada. Grund genug, auch nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal den Weg auf sich zu nehmen. Na ja, für Fußfaule ist die Stadt vielleicht doch nix... ;)



Wo wir schon von ihr sprechen, die Alhambra ist natürlich Pflichtprogramm, wenn man schon mal in Andalusien weilt! Schon mein halbes Leben habe ich vor, sie selbst zu sehen und ich werde auch noch mindestens einmal wiederkommen, denn das Beste haben wir uns (gezwungenermaßen) bis zum Schluss - also dem in ein paar Jahren -  aufgehoben. Wenn man aber auch trotz Nebensaison schon sechs Wochen vorher einfach keine Karten mehr für ihr Herzstück bekommen kann... Für die Handvoll Restkarten früh morgens zwei Stunden vor Öffnung Schlange zu stehen, neee - es sollte schließlich Urlaub sein!
Tickets für die Gärten und alle anderen Gebäude waren ja auch noch zu kriegen gewesen und das alles war schon beeindruckend genug, wer weiß, ob wir es so hätten schätzen können, wenn wir noch einen Palast mehr gesehen hätten!





Von da oben hat man natürlich auch wieder eine tolle Aussicht auf Granada.





Die filigranen Details an jeder Ecke waren das wirklich Beeindruckende der Alhambra. Beim nächsten Mal sehen wir uns dann auch noch die Krönung des Ganzen an, so viel ist sicher!




Nach dieser kurzen Einstimmung auf Spanien ging es weiter in den Faulenzerurlaub. Ein Resort an der Küste mit vielen Annehmlichkeiten und sonst keinerlei Pläne, das sind doch schon mal gute Voraussetzungen für einen ruhigen, erholsamen Urlaub!

Olivenhaine unterwegs
Auf dem Weg dorthin auf der Route durchs Binnenland sah man noch vielerorts die Überbleibsel des kurz zuvor herrschenden Unwetters in Form von schlammgefluteten Straßen oder Seen auf Feldern. In Granada hatten wir nichts mitbekommen, doch weiter westlich standen ganze Landstriche unter Wasser.
Heute war am Wetter aber rein gar nichts zu meckern, weswegen wir es nutzten, dass Ronda fast auf dem Weg lag. (Falls ihr, S&K, hier zufällig noch mitlest, vielen Dank für den super Tipp! Wer weiß, ob wir ohne euch je dort vorbeigeschaut hätten. Der kleine Abstecher hat sich wirklich gelohnt!)

Schon der erste Eindruck war irgendwie hübsch, ein grüner Park...


...und dann auf seiner anderen Seite ganz unvermittelt die Aussicht! Von oben auf dieser steilen Klippe wird einem schon ein wenig anders, wenn man darüber nachdenkt, wie wenig Geländer einen vom Abgrund trennt. Wahnsinn! Und gerade bei diesem Wetter irre schön.


Berühmtestes Bauwerk der Stadt ist wohl die Puente Nuevo, "neue Brücke". Nicht ganz neu (18. Jh.), aber neuer als die älteren beiden. :D



Natürlich wollen entsprechend viele Touristen die Hauptattraktionen sehen. Umso erstaunlicher, dass man sich in der Altstadt nur ein paar Meter von den Sightseeingpfaden wegbewegen muss und schon die Heerscharen hinter sich lässt und beinahe allein durch die Gassen spaziert! Wir stießen sogar auf ein kleines Mittagstischrestaurant. Nicht sonderlich gemütlich oder die kulinarische Krönung, aber günstig, an einem ruhigen kleinen Platz gelegen und garantiert authentisch!

Die arabischen Bäder waren unwetterbedingt an diesem Tag nur durch den Zaun zu betrachten. Sah schon dramatisch aus, was für ein Glück, dass wir verschont geblieben sind!


Falls man länger als nur auf einen kleinen Abstecher nach Ronda fährt, gibt es auch noch einen Haufen Kirchen anzuschauen und ein neueres Stadtzentrum mit Geschäften und Cafés zur gemütlichen Einkehr, aber unser Spaziergang (inklusive verwilderter Trampelpfade, wer hätte es gedacht!) reichte uns für diesen Tag, wir mussten und wollten ja noch weiter.



Hier in der Nähe von Estepona haben wir es uns für die nächste Zeit gutgehen lassen:



Ganz vorbei war es mit dem Regen allerdings doch noch nicht. Und das da ist noch einer von den rücksichtsvollen Autofahrern, was man in Spanien längst nicht von allen behaupten kann! Es kam der Moment, wo ich mir wünschte, mich nicht an einer Haltestelle untergestellt zu haben, weil ich dann trockener (und vor allem sauberer) geblieben wäre...


Unverhofft kommt oft? Das ist die Sache, wenn man keine Pläne macht. Man kann mit Kleinigkeiten wie einem Mojito- oder Sprachkurs oder morgendlicher Wassergymnastik seinem Tag ein wenig Abwechslung verleihen, man kann aber auch... spontan nach Marokko fahren und sich Tanger anschauen. Das war zu verlockend, um es nicht zu tun, schließlich kannte ich den Norden Afrikas noch gar nicht (und wäre nebenbei bemerkt mittlerweile sogar wieder so weit, Mitte und Süden noch einmal zu besuchen!).
Das Einreiseverfahren ist zwar etwas seltsam - die Fähre verspätete sich deutlich, weil die mitfahrenden Grenzpolizisten aus der Gegenrichtung lange nicht eintrafen - aber das Warten hat sich gelohnt:

Blick in Richtung Europa
am Kap Spartel - nach dem südwestlichsten nun auch der nordwestlichste Punkt Afrikas
zwei Meere, die aussehen wie eins
"Kamele" - ich denke, es waren Dromedare
Die Herkuleshöhle haben wir auch besucht. Wenn die Höhle auch natürlich ist, ist sie durch den Abbau von Mühlsteinen doch noch beträchtlich gewachsen!


In Tanger selbst hat es mir in der Altstadt besonders gut gefallen. Gerne hätte ich noch ein wenig länger in die eine oder andere Gasse geschaut, aber es war halt wieder ein Rudelausflug, da bleibt dafür leider keine Zeit. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch viel wert, gerade bei einem kurzen Tagesausflug viele Informationen nebenher erzählt zu bekommen. Ich finde es super, dass die Stadt so multikulturell ist. Dort steht noch die Moschee neben der Kirche, ohne dass es deswegen Streit gibt! Wär doch schön, wenn das auf der ganzen Welt so funktionieren könnte...





Mittagessen mit Atmosphäre
Am Nachmittag besuchten wir, leider mit zu wenig Zeit, die Amerikanische Gesandtschaft, ein Stück Geschichte und heute ein Museum. Den Häusern sieht man von der Straße nicht an, was in ihnen steckt! (Der Gedanke dahinter ist wohl, dass man seinen Reichtum nicht zur Schau stellt und Nachbarn mit weniger schönen Innenhöfen nicht neidisch macht oder bloßstellt. Gutes Prinzip!)
Schöne Türen können sie übrigens überall.


Nicht nur Türen, auch Fliesen. Und das in Andalusien UND Marokko.


Bunte Märkte sind ja auch immer meins, auch ohne Kaufen, einfach für die Augen.


Für die gab es darüberhinaus in den Straßen auch die eine oder andere stylische Persönlichkeit - bestimmt liegt es nicht zuletzt an den vielen Kulturen zwischen Tradition und Moderne. Vom Urgestein im winzigen Antiquariat bin zum jungen Mann, der in Anzug und mit Riesenkopfhörern unseren Weg kreuzte war viel dabei, was mein Fotoherz höher schlagen ließ, aus Höflichkeit dann aber doch nur in meinem Kopf abgelichtet wurde.

Ausklang des Tages, Warten auf die Fähre auf einer Hotelterrasse am Hafen von Tanger

individuelles Detail der Stadtansicht

Zurück in Europa. Vom unserem Ferienort aus war es auch nicht weit nach Marbella. Wieder eine gemütliche Altstadt, war Anderes zu erwarten?


Krümelmonster! :O
Ein Name erinnerte mich irgendwie an Schottland, dennoch lag das "weiße Dorf" Benahavis sogar noch deutlich näher am Resort als Marbella. Was für eine aufwändige Ortseinfahrt! Und das ist nicht der erste Kreisverkehr, der auf dem Weg dorthin mit Namen und der Festung des Ortswappens dekoriert ist.



Hm, während ich dort war, hatte ich das Gefühl, von neun Tagen eine Woche lang so gut wie gar nichts zu tun, außer vielleicht mal essen zu gehen. Im Nachhinein muss ich einsehen, dass ich dafür wohl doch ziemlich viele Fotos von verschiedenen Orten habe. :D

Nicht fehlen darf dieses Restaurant, das einzige, wo wir zwei Mal waren. Bei Alfredo in San Pedro gibt es wirklich gutes Essen, netten Service und faire Preise, also wenn ihr mal in der Nähe sein solltet, nicht verpassen!


Aber manchmal schmeckt's auch im Zimmer...



Zwei Tage vorm Abflug ging es schließlich zurück nach Málaga.


Die Aussicht aus Zimmer eins hatte schon was zu bieten. Hier wurde mir mal wieder besonders deutlich, dass es auch noch diese andere Form von Reisen gibt, nicht nur die mit Trekkingschuhen, Rucksack und zweckmäßigen Übernachtungsstätten, sondern auch die Welt eines gewissen Luxus, die ich in den letzten Jahren zwar gar nicht für meine hielt, an die man sich aber doch für hier und da gewöhnen könnte...
Eigentlich war ich mit dem Zimmer schon vollauf zufrieden, aber als uns für Nacht zwei auch noch eine Suite angeboten wurde, siegte doch die Neugier über die Faulheit. Das extra Wohnzimmer hätte ich ja nicht gebraucht, aber in Puncto Badezimmer und Balkon war das tatsächlich noch mal eine Verbesserung!


Außerdem gab es auf der Dachterrasse neben einem Pool auch noch dieses Restaurant mit Ausblick und vorzüglichen Speisen... Also man hätte das Hotel nicht verlassen müssen, um es sich gutgehen zu lassen - aber wenn man schon mal da ist...

Links das Geburtshaus Picassos. Wenn man ein wenig von den eingetretenen Touristenpfaden abweicht, trifft man auch auf neuere Kunstwerke, siehe rechts.
 

Passend, nachdem Freunde mir ein Bild von einem rosa Gewässer in Australien geschickt hatten, nun auch hier Ausblick mit Rosastich im Meer. Außerdem links im Bild die Arena für einen Teil der örtlichen Kultur, an dem ich irgendwie kein Interesse entwickeln kann.

Auch wenn das Wetter nicht darauf schließen lässt, es geht bald auf Weihnachten zu. 
Und schade, dass die Markthalle um die Zeit schon geschlossen war.


Auf den Palmen an der Uferpromenade vorm Hotel machten Piepmätze ein Geschrei, das ich irgendwie mit kleinen grünen Vögeln in Verbindung brachte, auch wenn ich nicht hätte sagen können, wieso. Ein guter Zoom sagte mir, wieso. Natürlich: kleine grüne Vögel.


Also auch Málaga eine hübsche Stadt, wenn auch an mehreren Stellen nicht gerade fahrradfreundlich.


Und "gelernt" habe ich zwischendrin auch noch was:

:D

Keine Kommentare: