Donnerstag, 18. Oktober 2018

Tief im Osten

So langsam wird das Leben wieder ruhiger und meine Blogeinträge kommen allmählich mit weniger Zeitversatz. Nicht, dass die Wohnung schon fertig wäre, aber inzwischen hat auch die Küche fließend Wasser (man lernt wieder ganz neu, was für ein Luxus diese "Selbstverständlichkeiten" sind!) und der Rest folgt halt im Schneckentempo auch noch irgendwann. Regale für den Kisteninhalt, an den man bisher nicht ranmusste, wären zwar auf Dauer wünschenswert, aber wenigstens nicht mehr dringend.

Damit mich die verbleibenden tausend Kleinigkeiten und Pappkartontürme nicht gaga machen, muss ich ab und zu mal raus und das "Real Life" führen, auf das ich bei meiner Rückkehr doch so gehofft hatte: Mehr Zeit für Familie und alte Freunde zu haben.
Vor zwei Wochen habe ich dann auch eine Freundin aus frühen Dortmunder Zeiten besucht, die ich sage und schreibe sechseinhalb Jahre nicht gesehen hatte. Ist sie aber auch noch viel mehr als ich in der Welt unterwegs gewesen und wohnt nun am anderen Ende des Landes - in Cottbus!

Die Bahn scheint ihre Probleme des Frühjahrs auch wieder im Griff zu haben - oder vielleicht lief es nach Osten schon immer besser als nach Süden? Jedenfalls fiel nur ein einziger IC aus, den man auch noch mit einem RE kompensieren konnte! Und da ich an jeden einzelnen meiner bisherigen Berlinaufenthalte gute Erinnerungen habe, setzte beim dortigen Umsteigen auch gleich so ein Urlaubsgefühl ein...

In Cottbus, so fühlte es sich an, geht das Leben noch einen ruhigen Gang. Mir gefiel es, wie es hinter den Häusern (der nicht-Plattenbausiedlungen) noch große Gärten gab, wo ein jeder Bewohner, selbst die der oberen Geschosse, noch ihre Parzelle für Blumen und Gemüse bekommen können.
Im Nachbarsgarten hatten sie besonders schön herbstlich dekoriert!

Am Freitag haben wir das Wochenende mit einem ausgedehnten Spaziergang eingeläutet. Der Fürst-Pückler-Park in Branitz gehört, wie ich hörte, zum Unesco Weltkulturerbe und ich kann es verstehen - herrliche alte Bäume und eine im herbstlichen Sonnenlicht einfach schöne Anlage mit kleinem Schloss und den Wahrzeichen des Parks, der Wasser- und der Landpyramide.

 

Dann bekam ich eine Privatführung durch die Innenstadt von Cottbus - alles da, was man braucht, aber klein genug, um sie zu Fuß zu erreichen (warum noch mal bin ich in die Großstadt gezogen? Kleinstadt hat was!). Ein paar schöne alte Häuser und natürlich der berühmte Cottbuser Postkutscher!


Und nach dem Eis noch auf einen Schluck sahnig-karamelligen KiBa in ein gemütliches Café (so seltsam das klingt, es war wirklich lecker!). So kann man sich's gutgehen lassen!


Das war ja erst der Auftakt. Am nächsten Tag, ebenfalls bei bestem Wetter, ging es mit dem Zug in den nahegelegenen Spreewald zum Wandern. Oder einen laangen Spaziergang machen, wie man's nimmt. Das Land ist jedenfalls flach (gut für den Untrainierten) und trotzdem landschaftlich vielseitig.

Kreative Beeteinfassung
Die "ruhige Hälfte" des Hafens
Im ziemlich touristischen, dafür auch sehr gepflegten Lübbenau sind wir gestartet. Viele Menschen erleben den Spreewald vom Wasser aus, sei es vom Kanu oder auch von etwas größeren Holzkähnen aus - ein bisschen wie in Venedig, was bei dieser Landschaft voller sogenannter Fließe natürlich nahe liegt.

Wir ließen den Hafen trotzdem hinter uns und durchquerten viel Landschaft und die eine oder andere durchweg idyllische Zivilisation.


Spreewald, wie man ihn sich vorstellt:

 

Eigentlich war das Jahr ja recht trocken, doch so direkt am Fließ ist bestimmt ein guter Standort, um ein Riesenpilz zu werden! :)


Auf ca. halber Strecke in Leipe machten wir eine wohlverdiente Pause. Wunderbares Fleckchen, um sich im Hof des Gasthauses zu sonnen (es war herrlich warm!) und eine Limette-Gurkenlimo zu trinken. Gurke musste schon sein, wenn man schon mal im Spreewald ist!


Besonders gefallen haben uns die tierischen Gäste und ihre Behausungen!


Auf der zweiten Hälfte der Wanderung zeigte der Spreewald sein ganz anderes Gesicht aus vielen Feldern und deutlich weniger Wald. Besonders schön, dass es dort noch richtig ländliche Siedlungen gibt. Ein Traum, dort ein Häuschen zu haben... Aber das muss man sich erst mal leisten können. Und eigentlich wollte ich ja auch nicht so weit weg ziehen ;)


Unser Ziel des Tages lag in Burg, nicht zuletzt, weil ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit das Gurkeneis probieren wollte, von dem meine Freundin so geschwärmt hatte! Es ist aber auch wirklich richtig megagut! Noch besser allerdings die Sorte Mojito. Dafür fehlen mir jetzt die Worte, das muss man probiert haben! Und hätten wir mehr Zeit bis zum Bus gehabt, ich wäre in Versuchung gewesen, einfach mindestens sieben Kugeln zu bestellen... (Quark mit Leinöl ist übrigens eine regionale Spezialität! Bekommt man nicht nur als Eis, sondern auch zur Ofenkartoffel wie anderswo Kräuterquark. Andere Länder, andere Sitten, also ich hatte bisher ja bloß meinen Holztisch mit Leinöl gestrichen... :D Apropos, in der Gegend habe ich mich ja schon ein wenig wie in Finnland gefühlt. Wer hätte gedacht, dass man auch in Deutschland Birkensaft im Supermarkt kaufen kann! Da merkt man die Nähe zum Osten...)

Schade, dass am Sonntag das Wetter grauer war. Aber ich spürte eh die ungewohnte Menge an Schritten vom Vortag und fand einen etwas kürzeren, immer noch ausführlichen Spaziergang in und um Cottbus selbst die Spree entlang auch sehr schön.

 

Den Nachmittag verbrachten wir ganz gemütlich mit Freunden von Nadine beim "Sonntagstee" auf dem Sofa. Ganz klassisch, Goldrand-Blümchen-Service inklusive. Ich muss wirklich sagen, ein solches Wochenende hat mir richtig gut getan. Wenn du das hier liest, noch einmal ein herzliches Dankeschön für die schöne Zeit! :)

Zu den Kuriositäten anderer Regionen muss ich jetzt aus architektonischer Sicht noch eine Sache hinzufügen. Das platzsparende Badezimmer!
 

 Auf den ersten Blick schon kurios, aber es funktioniert erstaunlich gut... :D

1 Kommentar:

3K hat gesagt…

:-) Das architektonische Kuriosum ist bestimmt aus dem Camping-Möbelbau abgeguckt. In kleinen Wohnwagen und Wohnmobilen ist ein schwenk- oder klappbares Waschbecken Standard. :-D
Das schönste an deinen Berichten ist, dass man Reiselust auf immer neue Ziele entwickelt! :-)