Es war fast wie ein Urlaubstag. Die Sonne schien, Singvögel zwitscherten, Tauben gurrten und der Blütenduft des neuen Putzmittels erinnerte mich auch irgendwie an Frühling. Und dann sollte ja auch noch drüben in Edenkoben und Gimmeldingen mit den Mandelblütenfesten die Weinfestsaison eröffnet werden. Und zumindest die blühenden Bäume wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen!
Bei einem Blick auf die Karte schlich sich zwar kurz ein wenig "Angst" vor den Kilometern ein - doch bin ich etwa nicht im Training oder was? Mit dem Fahrrad würde ich so viel mehr sehen können und wäre auch nicht wesentlich langsamer als mit dem öffentlichen Nahverkehr (tja, bin halt auf'm Land gelandet). Außerdem war es ein einfach guter Tag für eine Radtour. Also Schiss hin oder her, sooo weit war's nun auch wieder nicht. ;)
Sobald ich durch Felder und Weinberge fuhr, wusste ich, dass ich mich richtig entschieden hatte. Die Sonne wärmte und es war einfach schön und friedlich da draußen. Und frische Luft! :)
An der Weinstraße liegen ein paar hübsche Pfälzer Örtchen. Die Fahrradroute führte mich durch Edesheim und Rhodt zu meiner ersten Station, der "Mandelmeile" Edenkoben.
Vor vielen Jahren habe ich schon einmal nach der Mandelblüte gesucht, damals auf Mallorca im Februar - nur um vor Ort festzustellen, dass ich für die volle Blüte und das beste Wetter leider etwa eine Woche zu spät dran war.
Nun, gestern ganz das Gegenteil, ich war bestimmt eine Woche zu früh!
Die für hiesige Verhältnisse so ungewohnte Eiseskälte hat das Blütenwachstum stark gehemmt, die meisten Blüten waren leider noch in Knospe... Das hat auch ein Veranstalter in Edenkoben gemerkt und schnell noch mal sein Schild korrigiert :D
Einzelne frühe Bäume zeigten allerdings schon ein bisschen ihrer baldigen Pracht. Und da ja neben Mandelbäumen auch eine Festmeile vieler Winzer für das leibliche Wohl sorgte, war der Ausflug nicht vergebens. So gute Reibeplätzchen habe ich mindestens ein Jahrzehnt nicht mehr gegessen!
Von hier aus versuchte ich, ein wenig dem "Mandelpfad", einem Wanderweg, zu folgen. Schöne Ausblicke über das vorgelagerte Flachland, wo ich nun mein vorläufiges Zuhause habe, oben am Berg das Hambacher Schloss und natürlich weitere kleine Pfälzer Ortschaften. An jeder Ecke wird für Gasthäuser und Ferienwohnungen geworben, ich bin tatsächlich in einer Urlaubsregion gelandet! Was mir noch einmal mehr am Ortsschild von St. Martin auffiel - erst letzte Woche drüber gesprochen, dass dort mal Verwandte ihren Urlaub verbracht haben!
Neustadt an der Weinstraße ist trotz des "romantischen" Namens kein Spaß mehr für Radfahrer. Fast hätte ich es mir mit Gimmeldingen noch mal anders überlegt und wäre umgekehrt, aber wenn man schon mal sooo nah dran ist...
Ich war gewarnt, dass es voll sein würde. Das Internet gab aber aufgrund des "kühlen" Wetters (um die zehn Grad, also ich finde das gerade ziemlich warm!) sowie der noch spärlichen Mandelblüten die Schätzung ab, dass nur etwa die Hälfte der Besucherzahlen des letzten Jahres erwartet würden. Also wie man bei doppelt so vielen Menschen noch einen Fuß an die Erde kriegen soll? Schon so wälzten sich dichte Menschenmengen im Schneckentempo durch die schmalen Gassen... Wein wollte ich auch nicht trinken, musste ja noch fahren, doch auch herrlichen Traubensaft gibt es! Und die salzigste Dampfnudel meines Lebens - die scheinen hier ein anderes Rezept zu haben als zu Hause...
Und auch in Gimmeldingen versprechen die Bäume einem Großartiges für die nächsten ein, zwei Wochen.
Nur dass ich dann vielleicht nicht dort sein werde, oder wenigstens
nicht mit dem Fahrrad. So schön es war, ich war auch froh, als ich nach
über 60 Kilometern (plus noch mal 5-6 km zu Fuß) wieder zurück in meinem Zimmer war... Der Rückweg war
leider nicht so eine entspannte Strecke. Und wenn dann die radweglose Bundesstraße plötzlich für 100 m zur "Autobahn" wird oder Autofahrer erst
zu faul zum Blinken sind, sich dann aber mit wüsten Handbewegungen über
mich beschweren, weil ich das Abbiegen ja hätte riechen müssen... sowas schlägt sich mir schon mal leicht auf die Stimmung. Aber auf Dauer überwiegen dann zum Glück ja doch die schönen Seiten des "Urlaubstages"!
Liebe Katja, es war wirklich schade, dass du nun doch nicht dabei sein konntest (auch wenn ich so wahrscheinlich sportlicher gewesen bin). Zu zweit wäre es noch mal viel schöner gewesen und den Sport hätten wir schon noch beim Wandern gemacht. Wird nachgeholt, ganz bestimmt!
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