Samstag, 23. September 2017

Rückmeldung

Hallo liebe Leser,

da bin ich wieder. Zurück im hohen Norden, wo die Blätter bunt sind und es im Sommer kälter war als im afrikanischen Winter...

Mitgebracht habe ich eine Menge Eindrücke: Landschaften, Tiere, Kultur. Festgehalten in meiner Erinnerung sowie in rund viereinhalbtausend Fotos, über 60 Kurzvideos und 155 engbeschriebenen Seiten Reisetagebuch.

Eine solche Reise ist dafür gemacht, viel zu sehen. Wenn sich aber zwei Monate lang ein Highlight an das nächste reiht, komme ich nach einigen Wochen mit der geistigen Verarbeitung des Gesehenen und Erlebten kaum noch mit. Das soll daher jetzt nachgeholt werden, indem ich so nach und nach meine Fotos sortiere, noch mal in meinen Notizen lese und irgendwann ein Fotobuch erstelle. Natürlich gehören auch wieder Reiseberichte in diesem Blog dazu, doch bitte habt ein wenig Geduld mit mir! Alles zu seiner Zeit...

Momentan habe ich das Gefühl, es lieber langsam angehen lassen zu wollen. Kein Stress. Ich freue mich schon darauf, diese Reise zusammenzufassen und sie dabei selbst noch einmal in Gedanken zu durchleben, doch hier vor Ort sind auch ganz akut viele andere Dinge zu erledigen. Eins davon: Ein neues Telefon kaufen. Und damit die Entscheidung treffen, ob ich bereit dafür bin, mich auf ein Smartphone mit all seinen Vor- und Nachteilen einzulassen, nachdem mein treues, über 12 Jahre altes, bislang unkaputtbares Nokia nun doch mitten in Afrika den Geist aufgegeben hat. Ob ich ihm da mit Staub/ Sand, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen vielleicht zu viel zugemutet habe? Oder war es einfach an der Zeit und ein Wink des Schicksals? Ich bin ziemlich traurig darüber, aber man muss ja nach vorne schauen...
Da dies aber mein einziger Verlust war, will ich mich auch nicht beklagen. Selbst das verschwunden geglaubte Paar Socken hat die Waschmaschine überraschender Weise wieder ausgespuckt! Krank geworden bin ich auch nicht, obwohl ich durchweg mit Leitungswasser die Zähne geputzt habe. Insofern einfach nur alles bestens!

Ich bin gefragt worden, ob ich diese Reise noch einmal machen würde. Das ist eine schwierige Frage. Wenn ihr schon immer mal Schloss Neuschwanstein von innen sehen wolltet oder den Kilimandscharo besteigen oder auf dem Nordpol stehen - wenn ihr das dann gemacht habt, würdet ihr es nochmal tun?

Ich würde definitiv noch mal nach Südafrika fahren, weil das eines der Länder ist, wo ich das Gefühl habe, viel zu wenig gesehen zu haben. Die paar Tage, die ich dort war, reichten bei Weitem nicht, um ihm gerecht zu werden. Allein in Kapstadt hätte ich locker ein paar Tage mehr verbringen können und dann ist die Garden Route noch völlig unbereist... Aber nun fühlt es sich erst mal nicht mehr so "dringend" an - wenn ich das erst in zehn Jahren mache, ist das auch ok. Auch an einigen anderen Orten hatte ich das Gefühl, dass ein paar Dinge aufgrund unseres schnellen Reisetempos unentdeckt blieben, aber das hole ich dann halt als Rentnerin nach oder so. Es gibt ja noch sooo viel mehr auf der Welt, wo ich noch gar nicht war und noch gerne hinmöchte! :)

Die Route: immer den Fußspuren nach.
Und darüber hinaus auch noch bis Ruanda,
bevor uns die -im Bild nicht vorhandenen-
Spuren wieder zurück nach Nairobi führten.
[Bildquelle: Der Rücken meines Souvenir-T-Shirts]
Wenn ihr mich nun aber fragt, ob ich froh bin, diese Reise gemacht zu haben, dann kann ich eindeutig mit JA antworten. Auf jeden Fall. Meine Neugier auf Afrika ist nun erst mal gestillt, aber wäre ich nicht hingefahren, hätte mich der Wunsch ja doch nicht losgelassen. Und was ich dort alles sehen konnte, das lässt einen doch wieder staunen, auf was für einem wunderbaren Planeten wir doch leben!
Endlose Wüste, gigantische Wasserfälle, traumhafte Strände, wilder Dschungel, Tiere über Tiere! Die orangerötesten Sonnenuntergänge, die ich je gesehen habe und ein Sternenhimmel, wie man ihn sonst nur in Lappland bei Minusgraden zu Gesicht bekommt. Ja, es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Anstrengend war es aber auch. Fast täglich ein Zelt auf- und wieder abbauen, das schon alleine deutlich mehr wiegt als all mein Gepäck zusammen. Etliche Stunden im Truck auf teilweise sehr schlechten Straßen ("afrikanische Massage"). Acht Wochen lang kein dunkles Brot und fast täglich angebrannten Toast zum Frühstück. Das Rudelleben als Tourist...

Nicht falsch verstehen, ich hatte drei Mal sehr großes Glück mit meiner Reisegruppe (meine Tour setzte sich aus drei einzeln buchbaren Stücken zusammen), habe viele nette Menschen getroffen und fähige Guides gehabt (auch wenn der Guide des zweiten Teils und ich leider rein menschlich einfach nicht zusammen passten, aber nichtsdestotrotz war er gut in seinem Job). Auch das Essen, mit dem wir versorgt wurden, wurde jeweils zum Abend hin besser und war in den meisten Fällen für das geringe Budget richtig gut (wenn ich auch innerhalb von zwei Monaten Fleisch für mehr als drei Jahre zu mir genommen habe - hätt' ich mich doch bloß als Vegetarier angemeldet!).
Es ist einfach nur so, dass ich mit Gruppenreisen meine ganz persönlichen Schwierigkeiten habe. Das wusste ich vorher und habe mich trotzdem dafür entschieden. Als Alleinreisende wäre ich doch ohne Gruppe niemals an all diese Orte gekommen! Ich hätte mir keinen Mietwagen genommen, um dann vielleicht ohne Hilfe mitten in der Wüste liegenzubleiben. Insofern war es schon gut so.
Aber immer nach der Uhr zu leben, kaum Möglichkeiten zu haben, mal auf eigene Faust im eigenen Tempo zu erkunden, teilweise gar abends, wenn man noch einen Spaziergang machen wollte, am Tor des Campingplatzes festzustellen, dass man eingeschlossen ist... nicht meins.

Vielleicht ist auch deshalb das Gefühl ausgeblieben, dass der Funke übergesprungen ist? Ich hatte im Vorhinein erwartet, dass mich Afrika ähnlich packen würde wie damals Nepal. Dieses Gefühl, noch während ich da bin, ich müsste einfach unbedingt wiederkommen. Immer wieder. (Nein, ich war auch noch nicht wieder in Nepal. Aber der Funke, der glimmt noch!)

Also kein Funke in Afrika. Trotzdem kann ich diese Reise jedem empfehlen, der mal Afrika mit eigenen Augen sehen möchte! Einfacher und komfortabler als selbstorganisiertes Reisen war es auf jeden Fall. Für das nächste Jahrzehnt dann als Konsequenz eben keine weiteren Gruppenreise mehr für mich. Aber all das, was ich gesehen habe, das war umwerfend schön und alle Kompromisse wert... Also seid gespannt auf meine Fotos und Berichte - vielleicht bekommt ja der eine oder andere doch Fernweh! :)

1 Kommentar:

3K hat gesagt…

Liebe Judith,

nur schnell zum Thema Smartphone: es ist gar nicht so schlimm, eins zu haben :D Die Dinger können auch praktisch sein. Ja, Du vermutest richtig, ich habe inzwischen eins, seit ca. zwei Wochen. :) Aber WhatsApp kommt mir da nicht drauf!!!!!!! Bei mir war der Anlass, dass meine Kompaktkamera kaputt ging. Deshalb habe ich nun ein Smartphone mit recht guter Kamera für die "Alltagsfotos". Trau' Dich ruhig mal ran, ist halb so schlimm ;)