Also habe ich die Osterfeiertage genutzt, um noch ein paar freie Tage dranzuhängen und habe ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten ein fertig geschnürtes Reisepaket gebucht - mit all seinen Vor- und Nachteilen.
Bequem ist es, sich um kaum etwas selber kümmern zu müssen. Für unsere begrenzte Zeit konnten wir unglaublich viel sehen und erleben!
Nur die wenige Zeit zur freien Verfügung und das vorgeschriebene (beinahe Eil-)Tempo beim Besuch der Sehenswürdigkeiten schlugen mir etwas auf die Travelerseele...
Gut, dass Architektur und Kultur dafür entschädigten. Diese Fülle an Sehenswürdigkeiten...Um ehrlich zu sein, ich glaube, noch mehr hätte ich im Moment gar nicht aufnehmen können.
Zusammenfassend muss ich sagen, das Land hat mich positiv überrascht. Überaus interessant und sehenswert - nur der Erholungswert blieb natürlich weit hinter dem eines Strand- oder Natururlaubs zurück. Aber dieses Mal ging es ja auch nicht um Sonne oder Landschaften sondern darum, etwas Neues zu sehen und diese der finnischen doch gar nicht mal so unverwandte Kultur zu entdecken. (Und irgendwie ist es ja auch eine Form von Erholung, dem Gehirn mal alternativen Input zu geben.)
Wir - das heißt Jori und ich. Ursprünglich wollte ich mich mit einer Freundin der Reisegruppe anschließen, für diese passte es dann aber leider doch nicht in den Zeitplan. Gut, dass Jori bestechlich ist! ;)
Zum Programm gehörte eine Gruppe traditioneller Musiker, die uns zwischen den Gängen sowohl mit russischen Volksliedern als auch Mitmachspielen unterhalten hat - als Programmpunkt zwar sehr organisiert, aber trotzdem irgendwie einfach schön.
Ostermontag reihten wir uns in die lange Warteschlange vorm Katharinenpalast ein. Aber alles ist relativ, der Palast ist noch länger! :) Beinahe hätte nicht mal die Panoramafunktion meiner Kamera ausgereicht!
Im wohl berühmtesten Raum überhaupt ist das Fotografieren ohnehin untersagt. Aber angeschaut habe ich es, so langsam wie möglich bin ich an den Wänden entlangspaziert, um wenigstens ein paar Details in meine Erinnerung aufzunehmen: Das Bernsteinzimmer.
Rekonstruiert nach alten Fotos und Zeichnungen des Architekten. Faszinierend. Wirklich.
Im Garten des Palastes sah es noch ein wenig graubraun-weiß aus, aber mit ein wenig Fantasie bekommt man schon einen Eindruck davon, wie es dort wohl im Sommer sein mag.
Nachmittags war einer der raren Zeitpunkte, um auf eigene Faust etwas zu unternehmen. In unserem Falle hieß das, mit zwei anderen aus unserer Gruppe ausführlichst essen zu gehen.
Danach blieb noch ein bisschen Zeit für Erkundungen, die wir zum größten Teil in einem Delikatessenladen verbrachten - für die anderen drei wohl mehr wegen der sowohl russischen als auch internationalen Spezialitäten, für mich mehr wegen des Jugendstilgebäudes an sich.
Abends ließen wir die erleuchtete Stadt vom Wasser aus auf uns wirken.
Wir hatten sogar das Glück, ein Feuerwerk zu sehen zu bekommen.
Und auch die "Eiffel-Brücke" glitzerte wie ein solches (ihren Spitznamen hat sie natürlich von einer gewissen funkelnden Sehenswürdigkeit in Paris).
Mehr Pracht und noch mehr Kunst. Gerangel vor den Werken Da Vincis. Gemälde so viele, dass man sie kaum noch anschauen, geschweigedenn mehr als ein paar eingehend betrachten kann.
Beeidruckende Geschichten - wie z.B. die Tatsache, dass die weit über 300 Portraits rechts oben von einem einzigen Künstler innerhalb eines Jahres angefertigt wurden!
Ein Museum für Holzarchitektur hat die Stadt ebenfalls zu bieten.
Von dort sind es "nur noch" schlappe fünfhundertsoviel Kilometer bis Moskau.
Nachdem unser erstes Ziel ja doch sehr europäisch anmutete, erwartete ich hier so ein bisschen, dem "typischen Russland" näher zu kommen. In Teilen wurde dies auch erfüllt, aber im Großen und Ganzen hat Moskau mich doch überrascht. Das, was ich mir unter Russland vorgestellt habe, findet man vielleicht doch nicht gerade in der Hauptstadt. (Einiges davon allerdings auf dem Weg dahin - wir kamen durch so manche Ortschaft, in der windschiefe Holzhäuser den Straßenrand säumten...)
Es war sehr nett, dass wir nach Ankunft mitten in der Nacht am nächsten Morgen vor der Stadtführung wenigstens einmal ausschlafen durften. Keine Frühstückskatastrophen wie am letzten Tag in Sankt Petersburg! (Da war Abfahrt um 8, das Frühstücksbuffet eröffnete aber erst um 7.30. Das ist schon mal deutlich weniger Zeit, als ich mir dabei normalerweise nehme und dann stürmten auch noch hungrige Menschenmassen das Buffet, so dass vor 7.45 gar nicht an Essen zu denken war - na ja, immerhin konnte ich so das ganze Frühstück lang meinen Teller bewachen und vermeiden, was an den Vortagen unabwendbar war: Einen halbvollen Teller Essen geklaut zu bekommen, weil man mal eben ein Getränk nachholt...)
Zurück von verschwenderischen Sitten in Russland im Allgemeinen zu Moskau im Speziellen.
Erst in den Geschichten der Stadtführerin findet man Klischeerussland wieder - zum Beispiel zum Geschäftsviertel (die Hochhäuser links im Bild), wo anscheinend mehrfach erst nach Baubeginn festgestellt wurde, dass der Standort nicht taugt und man mal eben noch mal woanders mit dem gleichen Bau anfängt... Oder der Tatsache, dass das Viertel nun mal so geplant wurde und deswegen auch so durchgezogen wird, auch wenn sich die Wirtschaftslage in der Zwischenzeit verändert hat und gerade keinen neuen teuren Büroräume mehr benötigt werden...
Die Metro hingegen funktioniert meiner Erfahrung nach einwandfrei. Für knapp 90 cent pro Fahrt kommt man überall im Minutentakt hin. Alte, kunstvoll gestaltete Stationen inklusive! Ob nun wie angepriesen die schönste U-Bahn der Welt, wage ich zwar zu beweifeln, Stockholm zum Beispiel war bunter. Aber edel auf jeden Fall!
Und dann war es so weit. Seit frühen Kindheitstagen wollte ich einmal diese Kathedrale sehen - habe mich schon im Kindergartenalter jedes Mal gefreut, wenn ich sie am Fernsehen sehen konnte (Russland war damals ja viel in den Nachrichten).
Und was mir vorher nicht bewusst war, die Basiliuskathedrale ist gar nicht eine große Kirche, sondern besteht aus mehreren kleinen Kapellen. Drin war ich leider nicht. Passte nicht zwischen all die anderen Pläne. Aber wenigstens von außen!
In Moskau schläft man ja wohl nicht, man kann angeblich rund um die Uhr einkaufen und in den Museen stehen die Leute nachts Schlange, weil man dann freien Eintritt bekommt. (Wir haben's nicht getestet.)
| Wachwechsel an der Ewigen Flamme - komische Schritte machen die |
| Es war Ostern - man sieht's! |
| Blick auf den Kreml |
Rechts im Bild eine weitere schöne Brücke (Brücken hat's viele! Natürlich noch mehr im "Venedig des Nordens" als in Moskau.) und die Erlöserkirche.
Es war wirklich schade, dass wir nicht mehr als nur knappe vier Stunden mit unserem Couchsurfer verbringen konnten. Aber da war ja noch der geheime Programmpunkt...
Vor Abreise war von all den optionalen Touren Joris Highlight der Zirkus gewesen. Schon klar, dass ihn ein unterhaltsamer Abend, der noch dazu Tiere enthalten würde, mehr locken kann als eine Überdosis Architektur. Umso enttäuschender war es, dass uns wenige Tage zuvor mitgeteilt worden war, ausgerechnet dieser Programmpunkt müsse gestrichen werden, da am vorgesehenen Abend überraschend die Vorstellung ausfallen würde. Am nächsten Tag überschnitt sie sich mit einer anderen Tour, die man für wichtiger erachtete...
Es traf sich nun aber, dass wir diese andere Tour gar nicht gebucht hatten. Und wenn dann doch eine Vorstellung stattfinden würde... Wir haben also alle Hebel in Bewegung gesetzt und siehe da... der Besuch ist uns doch noch gelungen! :)
Akrobatik und Zauberkunst finde ich ja sowieso immer sehenswert, aber bei den Tiernummern war ich vorab etwas skeptisch. Ist ja nicht gerade ihre natürliche Art zu leben... In der Show war ich dann aber zutiefst beeindruckt, was man ihnen alles beibringen kann. Und Spaß gemacht hat's obendrein - z.B. die nickenden bzw. kopfschüttelnden Robben, wenn sie gefragt wurden, ob sie selbst oder ihr Kamerad den Fisch bekommen sollen.:D
Ebenfalls Spaß hatten wir natürlich mit einem Clown. Und zwei Stunden gingen rum wie nix...
Diese führte uns noch einmal nach Sankt Petersburg, genauer gesagt ins Grand Maket Museum, das 800 m² große Modellrussland. Mit viel Liebe zum Detail werden die einzelnen Regionen des Landes im Maßstab 1:87 präsentiert.
Dampfende Loks, "echte" Feuer, Tag und Nacht, Stadtansichten, die wir teilweise schon live gesehen hatten und Alltag einmal quer durch's Land.
Und wen haben wir da? :D
Nach über 1700 km in anderthalb Tagen mit zwei Nächten im Bus war ich dann am Sonntag aber doch ganz froh, mein eigenes Bett wiederzuhaben. Ganz besonders die Grenzüberquerung war kein Spaß. Nachdem niemand uns die Duty-Free-Regeln genau erklärt hatte, unser Reiseleiter in Russland geblieben war und unsere Busfahrer selbst auf gezielte Fragen unzureichende bis inhaltlich falsche Antworten gaben, hingen wir drei Stunden in der Grenze fest - wohlbemerkt auf finnischer Seite, die angeblich die einfachere ist! Das volle Programm, inklusive Bus röntgen. Fühlte mich danach fast wie ein Schmuggler.
Aber Ende gut, alles gut.
Dass man kein Metall berühren darf, weil man sonst wo man auch geht und steht, einen gewischt bekommt.
Dass ALLES mit Schmand serviert wird - egal ob Suppe oder Käsekuchen.
Dass es zwei Nationalgemüse geben muss, rote Beete und Gurken. Und dass es deswegen alles mit Gurkengeschmack gibt, von Salatgurken-Sprite bis eingelegte-Gurken-Chips.
Aber wir haben ja das finnische Pendant:
2 Kommentare:
Noch mal: also deine Berichte machen soooo viel Lust auf mehr. Selbst eine geführte Tour klingt gar nicht so schlecht. Und St. Petersburg ist direkt auf die Liste gerutscht. Und Gurken Sprite würd ich gern mal probieren. Das schrägste hier im Spreewald ist Leberwurst mit saurer Gurke... auch interessant. Liebe Grüße, N.
Also, ich kann mir ja gut vorstellen, auf ein Brot mit Leberwurst zusätzlich noch eine Scheibe saure Gurke zu legen, aber du meinst wahrscheinlich in die Wurst integrierte Gurke? Ich fand's schon ziemlich schräg, dass du in Berlin eine einzelne Spreewaldgurke in der Dose bekommst, sozusagen als Snack für unterwegs! Deinen Bericht vom Gurkeneis fand ich zugegebenermaßen aber noch exotischer! :D Und gibt es trotzdem keine Gurkenchips im Spreewald, wo ihr doch so an der Quelle sitzt?
P.S.: Melde mich bald auch wieder länger bei dir, mir lief die Zeit in den letzten Wochen nur ein wenig davon...
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