Wir haben es geschafft, wir sind wieder
in der hellen Jahreshälfte angekommen!
So schön das ist und so
frühlingshaft gestern auch die Sonne schien, die Temperaturen
bleiben hartnäckig unter dem Gefrierpunkt und heute schneit es sogar
wieder... Also, alles richtig gemacht, als ich mich vor dreieinhalb
Wochen quasi in letzter Minute dazu entschied, einen lange gehegten
Traum in die Tat umzusetzen und dem Matschwinter zu entfliehen – in
den Frühling auf Madeira.
Also fix gebucht und eine Woche später
auf den Weg gemacht... Einen laaangen Weg, muss ich dazu
sagen. Als ich bemerkte, dass meine Anreise damals von Dortmund nach
Kathmandu weniger lange dauerte als nun von Oulu nach Funchal, musste
ich ja doch einmal schlucken. Was nützt es einem, in der Nähe des
zweitgrößten Flughafens des Landes zu wohnen, wenn alle, aber auch
wirklich alle Flüge an interessante Ziele einzig und allein am
größten abheben?
Genug beschwert, der Urlaub war es schließlich wert. Also haben wir uns am Samstagmorgen für acht Stunden in den Onnibus gesetzt ("Glücksbus" - heißt er so, weil er uns in einen glücklichen Urlaub bringt oder weil er glücklicherweise ein billiges Transportmittel in die Hauptstadt ist?)
| Sieht schon glücklich aus, oder? ;) |
In einem Vorort holte uns Joris Onkel vom Bahnhof ab und da ging der Urlaub dann richtig los! Ich bekam eine Einführung in das echte finnische Leben - so hatte ich mir immer einen Samstagabend in einer Dorfkneipe im tiefsten Lappland vorgestellt! Es sieht aber so aus, dass man dafür auch ebensogut eine Eckpizzeria in Malmi besuchen kann...
Als wir ankamen, war der erste Bekannte schon da und einige mehr, inklusive der schon leicht angeheiterten Lebensgefährtin des Onkels, kamen bald dazu. Ich war verwundert, wie viele von ihnen wenigstens ein paar Brocken Deutsch sprachen! Eine lebhafte Unterhaltung in mindestens drei Sprachen war schnell im Gange. Einer der Anwesenden präsentierte sogar ein paar uralte Schweizer Dokumente auf Deutsch - ich habe ja den schweren Verdacht, dass es kein Zufall war, dass er die in der Jackentasche mit sich herumtrug... Den Vogel des Abends schoss aber das Kostüm eines anderen Neuankömmlings ab: Ein knatschgrüner Anzug, von oben bis unten mit Spielkarten und -chips bedruckt, inklusive passender Krawatte. Hätte ich davon doch bloß ein Foto gemacht!
Wer gedacht hat, dass unser Aufbruch aus der geselligen Runde dort bedeutet hätte, dass wir die 300 m nach Hause in einem Rutsch zurücklegen, der irrte - eine so lange Strecke kann man schließlich unmöglich ohne Zwischenpause in einer weiteren Kneipe bewältigen! :)
Nach einem äußerst lustigen Abend galt es also, früh ins Bett zu gehen, um noch vier Stunden Schlaf und dann den Flieger am frühen Morgen zu bekommen, der uns nach Lissabon brachte. (Direktflüge? Aber doch nicht im Winterhalbjahr!)
Halb eins mittags, portugiesische Zeit: Geschafft! Wärme, Blumen, Sonnenschein! :)
Ab da haben wir es uns richtig gutgehen lassen. Erst mal einen kleinen Erkundungsstadtbummel gemacht, Parks besucht, Tiere beobachtet...
Und dann in der Altstadt ein Plätzchen zum Abendessen gesucht.
Hach, was ist Urlaub schön! Besonders, wenn man ihn mit gegrilltem Fisch und frischgepresstem Orangensaft garniert! ;)
Für zu Hause haben wir uns eine kleine Maracuja-Testreihe mitgenommen. (Und das sich noch nicht einmal alle Sorten, die es gibt, wer hätte das geahnt!)
Im Anschluss daran machten wir uns an einen steilen Aufstieg - über den botanischen Garten nach Choupana und entlang unserer ersten Levada bis nach Monte (über 600 Höhenmeter in der prallen Sonne, das war mehr als nur warm!).
| Auf dem Weg - im Hintergrund Kreuzfahrtschiffe |
| niedlicher Krachmacher |
| Und Blumen, überall Blumen. Hier im Botanischen Garten, aber auch sonst überall: |
| I'm still a tree-hugger! ;) |
| Wandern im Grünen |
| Der berühmte Toboggan-Run |
Nach so viel Laufen sind wir am nächsten Tag in der Stadt geblieben und haben "nur" Informationen zu allerlei Aktivitäten für den Rest des Urlaubs eingeholt und, wie immer, die Wärme genossen. Erstaunlich, wie schnell auch ein solcher Tag vorbeigeht! Den Höhepunkt dieses Tages gab es am Abend - Wiedersehen mit alten Freunden! Wir hatten natürlich vorher NICHT verraten, dass wir zur gleichen Zeit dort sein würden, aber irgendwas scheinen sie doch geahnt zu haben...
Für die folgenden Tage hatten wir Fahrräder gemietet. Genauer gesagt e-Bikes, damit wir ein bisschen Unterstützung beim Erklimmen der Hügel hatten. Das nimmt einem die körperliche Arbeit zwar nicht ab, macht es aber doch erträglicher ;)
| Besuch im malerischen Fischerort Câmara de Lobos |
| Fahrt auf gewundenen Straßen bis zum laut Reiseführer vierthöchsten Kliff Europas |
| 580 m üNN: Cabo Girão - da oben bei der Wolke waren wir |
Das war erst mal genug Sonne, also ging es am nächsten Tag zur Abwechslung mal in den Wald.
| Ausblick in Portela |
| Rhöni war auch da! |
| praktische Levada |
Ab und zu machten wir noch einen kleinen Umweg - versehentlich und doch sehr lohnenswert, sahen wir doch so mehr von kleinen Dörfern auf dem Weg...
Alles in allem würde ich sagen, der schönste Tag der ganzen Reise und eine dicke Empfehlung an alle Naturliebhaber, die einen Urlaub dort noch planen! Hinunter nach Funchal allerdings dran denken, alle zwei Minuten abzusteigen und die Bremsen wieder abkühlen zu lassen!
In Garajau waren wir auch noch - also fast in Rio! ;)
Der Vorteil einer früheren Rückkehr in die Stadt ist, dass man noch einen abendlichen Stadtbummel genießen kann und nicht sofort nach dem Essen todmüde ins Bett fällt...
Nun, eigentlich sind die Levadas ja berühmt, weil man an ihnen entlang so schön wandern kann. Und genau das taten wir dann auch dort, wo man mit dem Rad nicht so gut hinkommt:
| Levada-Kriechen |
An diesem Tag sind wir direkt in der Stadt gestartet und dann einer Wanderbeschreibung gefolgt. Hätten wir mal nur nicht der Karte vertraut und unsere eigene Version der Tour entwickelt (Rundweg statt gleicher Hin- und Rückweg) - laut Karte ging das, die Realität sah aber anders aus. Mitten im Nichts endete Levada Nummer eins vor einem Absperrgitter (wohin bloß die Einheimischen verschwunden sind, die wir kurz zuvor noch gesehen hatten? Doch nicht etwa ums Gitter herum?) und wir mussten umdrehen... Einserseits sind wir so vermutlich um die 30 km gewandert und hatten Abends mächtig wehe Füße, andererseits haben wir die spektakuläre Schlucht nun aus zwei Perspektiven erlebt!
Nach so viel Fußarbeit wurden wir fauler. Auf den dritthöchsten Berg der Insel, den Pico do Arieiro, sind wir bequem mit dem Auto gelangt und lediglich eine halbe Stunde tiefer in die beeindruckende Felswelt hinein gewandert.
In Santana gab es traditionelle Häuser zu bekucken - sowohl für Touris zurechtgemacht als auch "echt":
Nicht weit von dort (natürlich wieder ein paar hundert Meter höher und nur über eine äußerst enge, steile Straße zu erreichen) fanden wir einen kurzen Wanderweg im (Ur-)Wald und sogar einen Azaleen-/ Rhododendronpark. (An dieser Stelle, liebe Susi, herzlichen Dank, dass du uns überall hin kutschiert hast, selbst an solche Orte!)
Von unterwegs lassen sich immer wieder Aussichten genießen und in Porto Moniz war die Brandung an den Meerwasserpools besonders beeindruckend.
Richtig gelohnt hat sich aber der Weg durch die westliche Mitte der Insel. Hier blüht es überall golden, die Kühe leben in freier Wildbahn und am Horizont ist so gut wie immer das Meer zu entdecken.
Auf diesem Weg kommt man auch nach Rabaçal - oder wenigstens fast. Noch einmal sind wir wandern gewesen, zu den 25 Fontes, Quellen, die wunderschön liegen, aber eher wie Miniwasserfälle als wie Quellen aussehen.
Nach so viel Grün musste ein Tag Blau her. Wenn ich schon die Chance hatte, mal wieder zu tauchen, musste ich die doch auch nutzen! Mangels Unterwasserkamera keine Fotos hiervon, aber lasst euch gesagt sein, dass ich unter anderem einen Oktopus in seinem Zuhause besucht habe! Cool, oder? :)
Am Nachmittag sind wir noch zu den Delfinen gefahren und dabei beinahe Columbus begegnet.
Vor der Wasserschildkröte ist es mir nicht gelungen, ein Foto zu knipsen, also kriegt ihr diese stattdessen:
Am letzten Tag hat es leider geregnet, so dass wir die spektakulären Aussichten im Curral das Freiras mehr erahnen als wirklich sehen konnten. Ersatzweise saßen wir lange in einem Tourifängercafé, wo wir uns durch verschiedenste Liköre probieren konnten. Den Grund, warum Jori und ich zusammen nur drei, die beiden anderen alleine aber jeweils vier Liköre hingestellt bekamen, überlassen wir mal der Spakulation... :D
Also, alles in allem: Eine wunderbare Pause vom Winter, die ich jedes Jahr wieder machen werde, wenn es die Projektlage denn erlaubt. Hach, neben der Wärme, dieses Essen, frisch aus dem Meer...
Einen neuen Nachtisch musste ich auch mal testen:
Ein paar Dinge sind in Portugal jedoch ein bisschen seltsam. Straßenmarkierungen zum Beispiel. Neben der verwirrenden Tatsache, dass in eine Spur so lange Geradeauspfeile gemalt werden, bis man sie nicht mehr wechseln darf, dann aber ein Abbiegerpfeil, fanden wir auch diesen Zebrastreifen:
Und das meistgeklaute Gut der Insel scheint Toilettenpapier zu sein.
Na ja, andere Länder, andere Sitten.
Jetzt bin ich wieder im Lande des Schneesturms angekommen (sieht gerade nicht gut aus für die bis gestern noch freien Radwege, verdammt!). Hier noch ein letzter Eindruck von Freitag Mittag. Kamera und dunkle Scheibe waren nicht ganz kompatibel, aber man erkennt's wenigstens in der Reflektion, oder?
| SoFi |
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