Dienstag, 16. Dezember 2014

Mein Rhönrad

Nicht bloß, wie man es umgangssprachlich sagt, eins in meiner Größe, nein: Meins! :)

Vor über zwei Jahrzehnten habe ich mir schon mal eins gewünscht, aber meine Eltern konnten mich damals überzeugen, dass ich doch erstens bald rauswachsen würde und es sich außerdem nicht lohnte, bei uns im Flur auf und ab zu turnen. Zumindest das erste Argument habe ich schweren Herzens eingesehen.
Von da an hielt ich es immer für selbstverständlich, dass, wo ich auch bin, in halbwegs vernünftiger Entfernung ein Verein zu finden sei, der mir ein Sportgerät zur Verfügung stellen kann und sich der Besitz eines eigenen damit erübrigt hätte.

Bis ich nach Oulu zog. Das nächste Rhönrad 220 km weit weg, das nächste in meiner Größe noch schlappe 400 km mehr.

Seit mehreren Monaten habe ich nun schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, um meinen Lieblingssport auch an meinem neuen Wohnort einzuführen. Es scheiterte nicht daran, einen grundsätzlich interessierten Verein zu finden, sondern an der Beschaffung eines Rades, denn mit ihren geringen Mitteln war die Investitionsbereitschaft der Zirkusschule gering. Und obwohl ich beim Verein in Turku einige Tipps zur Beantragung von Fördergeldern einholte, tat sich hier über einige Monate nichts.
Ich wollte aber nicht aufgeben, habe Freunde und Bekannte in Deutschland gefragt, ob sie von gebrauchten Rädern wissen, die zum Verkauf stehen... Und es gab sogar eins! Nicht im besten Zustand hörte ich, es müsse geschweißt werden, aber immerhin! Also ran an die Transportfrage.

Etliche Speditionen antworteten mir entweder überhaupt nicht oder, dass sie nicht für Privatkunden transportieren. Über den offiziellen Rhönradhersteller wusste ich, dass ein Speditionstransport für ein 2-teilbares Rad (wie das gebrauchte) ohnehin das Doppelte eines 4-teilbaren kostete und damit den Eigenwert des Rades um ein Vielfaches überstiegen hätte.
Daraufhin versuchte ich es über unkonventionelle Wege wie Couchsurfing, denn es kann ja immer mal sein, dass jemand gerade plant, mit einem Kombi in einen Finnlandurlaub zu starten. (Es trifft trotzdem auf mein vollstes Verständnis, dass ich damit kein Glück hatte. Wer schon die lange Reise auf vier Rädern auf sich nimmt, der tut das für gewöhnlich zur freundlicheren Jahreszeit.)
Letzte und ernsthafte Hoffnung war die Aufgabe von Übergepäck, wenn ich selbst aus Deutschland wieder zurück fliege. Eine online-Vorabanfrage sah ganz gut aus. Buchen musste ich das Ganze aber per Telefon.

Nach 27 Minuten Telefonat mit Finnair (ein RHÖNRAD!?!?) hatten wir es geschafft, die offizielle Anfrage aufzugeben (und natürlich sieht ein Formular keine Packgrößen wie einen Halbkreis vor). 24-48 Stunden später sollte ich wieder anrufen, ob es genehmigt oder abgelehnt sei. Eine andere Kontaktaufnahme sei nicht drin. 72 Stunden später war immer noch kein Bescheid da, doch weitere 18 Minuten Telefonat, größtenteils in Warteschleifen verbracht, klärten: 
Meins! :D

Das Flugzeug ist zu klein.

Schade.

Spontan hatte ich die Nase gestrichen voll vom Organisieren und hab einfach ein neues Rad inklusive Anlieferung beim Hersteller bestellt. Das ist zwar deutlich teurer, kostet aber auch deutlich weniger Nerven und bietet die eindeutig höhere Qualität!
Jetzt hoffe ich auf jede Menge Spaß und dass mein (in den letzten zwei Jahren sehr zu meinen Ungunsten veränderte) Fett-Muskel-Verhältnis wieder auf das alte Niveau kommt!

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