Samstag, 31. Mai 2014

Wandern im Regen

Bevor ich euch allen schon wieder eine Wochenendgeschichte erzähle, mal die ernsthafte Frage an euch: Wen interressiert das eigentlich noch? Ihr erlebt zu Hause doch auch schöne Sachen - manchmal sicher noch viel Berichtenswerteres als ich - und schreibt trotzdem nicht gleich eine Bildergeschichte darüber!
Ach so, ihr sucht nur Ausflugsanregungen für eure nächste Finnlandreise? Na gut, so lange ihr nichts Weltbewegendes erwartet... ;)
Eine schöne Touranregung kann ich euch hiermit mal wieder geben. Vielleicht landschaftlich nicht gaaanz so beeindruckend wie Oulanka, aber auch ganz anders und sehr schön! Und noch dazu nicht allzu weit weg von Oulu.

Vor einer Woche suchte ich mal wieder fieberhaft nach einer Ausflugsmöglichkeit. Langes Wochenende - und ich muss zugeben, ich fühle mich mal wieder (trotz eines grundsätzlich äußerst angenehmen und überstundenarmen Jobs) ziemlich urlaubsreif. Mir war also klar, ich muss weg. Aber auch mal was Neues sehen. Und wenn möglich nicht ganz oben in Lappland, wo es schwer hinzukommen ist und außerdem noch Schnee liegt.
Ca. 100 km südlich von Oulu liegt Finnlands kleinster Nationalpark, Rokua. Ein Zug hält ca. 20 km von dort, der Rest ist mit dem Fahrrad locker zu schaffen. Also am Dienstag vor dem Fahrkartenkauf die Wettervorhersage befragt und wunderbarsten Sonnenschein mit um die 15 Grad versprochen bekommen. Vorfreude!

Wetter ändert sich. Was will man machen? Hoffen und sich sagen, es sind ja nur zwei Tage, falls es zu schlimm werden sollte und trotzdem hinfahren. Und weiter hoffen. Schließlich hab ich zuvor noch keinen von morgens bis abends komplett verregneten Tag in diesem Land erlebt, vor allem nicht dieses Jahr. Doch irgendwann ist immer das erste Mal...
Also saßen wir Freitag Morgen um sechs im Zug und hofften, dass der leichte Regen da draußen bald aufhören würde.
Viertel nach sieben in Vaala - immer noch leichter Regen. Na, wir sind ja nicht aus Zucker. Auf geht's, je eher wir die Wanderung starten, desto eher kann der Regenschirm zum Einsatz kommen!

Doch aus leichtem Regen wurde stärkerer Regen, der Waldweg war schlammig und wir bald - trotz recht vernünftiger Kleidung - ziemlich nass. Bis zum Besucherzentrum des Parks klitschnass. Das sind die Momente, wo man sich fragt, ob man wirklich die nächste Nacht auf einer Isomatte in einer Offenen Hütte verbringen möchte, ohne sich auch nur deren Ausstattung sicher zu sein...

Das Besucherzentrum war noch geschlossen, aber wenigstens die Kota (lappländische Hütte mit Feuerstelle) war offen. Die nächsten anderthalb Stunden haben wir damit verbracht, uns notdürftig am Feuer zu trocknen und schon mal zum Trost ein paar Würstchen zu grillen.
Danach waren wir uns sicher: Wenn wir eine luxuriösere Variante als die Hütte im Wald bekommen können, dann nehmen wir die. (Und wir wussten natürlich genau, dass in nur 2,5 km Entfernung das Rokua Health&Spa liegt!)

Ausblick vom Hotel
Die 2,5 km reichten zwar, uns wieder triefnass zu machen, aber mit der Hoffnung auf ein trockenes Hotelzimmer hält man leichter durch! ;)
Nun, wir waren zwar nicht die übliche Klientel dort - weder nach Outfit, noch nach Alter - aber immerhin war ein Zimmer frei (und aufgrund einer glücklichen Fügung zum Sommeraktionspreis sogar bezahlbar!). YAY!
Den Rest des Tages sind wir also anstatt im Wald im Spa nass geworden und ein sehr gutes Abend- und Frühstücksbuffet gab's inklusive. Alles richtig gemacht! :D

Heute ging es sogar mit Sonnenschein los. Also wenigstens doch noch ein bisschen wandern!

Die Landschaft ist ganz anders als in Oulu, obwohl es nicht weit weg ist - sehr hügelig. Dünen! Sie bleiben inzwischen am gleichen Fleck und sind bewaldet, aber sandig nach wie vor und erstaunlich hoch. Der Boden ist großflächig mit der hier typischen Flechte bedeckt, die ich früher für Moos gehalten hatte. Weil in Rokua keine Rene leben, wird sie nicht weggefuttert, daher wächst hier weitaus mehr als in Lappland. Was ich auch vorher nicht wusste: Sie braucht ein ganzes Jahr, um 1 mm zu wachsen, ist also erst nach 60 Jahren ausgewachsen!
Wir haben eine schöne Tour bergauf und bergab gemacht, durch den Wald und an Seen vorbei (insofern sah es aus wie überall in Finnland) und sogar einen Aussichtsturm gab es auf der höchsten Erhebung. Nebenbei noch das größte Kesselloch Finnlands gesehen, ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit.

Und dann fing es doch wieder an zu regnen. Na ja, wir hatten jedenfalls einen sehr schönen Ausflug und können uns sogar noch beim Wetter für dieses ungeplante Erlebnis bedanken!

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