Wenn ihr dieses Jahr meine Ostergrüße vermisst habt, tut es mir Leid, aber ich war - nun ja, die Überschrift sagt es - in der Wildnis. So fern ab der Zivilisation, dass Stellen mit Handyempfang Seltenheitswert hatten. So fern, dass flüssiges Wasser ein Luxusgut war. So weit, dass wir uns immer wieder gefragt haben, warum wir uns das eigentlich antun. Besonders in den Momenten, wo man sich fast sicher ist, dass man es einfach nicht zum Etappenziel schafft.
Natürlich sind wir trotzdem weitergelaufen, auch wenn das Ankunft um kurz vor 11 Uhr nachts bedeutete. Schließlich ist Aufgeben absolut nicht unsere Art. (Und außerdem mangelte es an Alternativen.)
Und auch wenn wir im Nachhinein sagen "genau so nie wieder", wissen wir doch, weshalb wir uns das angetan haben. Weil es umwerfend schön ist, atemberaubend, großartig!
Nun, wo waren wir? Im Nationalpark Oulanka. Dort sind wir einen Großteil des Karhunkierros, der Bärenrunde, auf Schneeschuhen gewandert. Nicht, dass wir so heiß auf Schneeschuhe wären, aber auch wenn die Fotos es nicht vermuten lassen, die paar Mal, die wir es ohne versucht haben, standen wir mehr als knietief im Schnee. Kurzum, es ging nur so. Im Schneckentempo von Ristikallio bis Juuma.
Und wer sind überhaupt wir? Wir drei Mädels. Eine von uns auf vier Beinen. Hilde, Inuq und ich.
Eigentlich wollten wir ja Ende Mai wandern. Aber da fanden wir kein Datum. Also ging es bereits am Gründonnerstag los. Zuerst mit dem Bus bis Kuusamo, von dort weiter zu dem Parkplatz, auf dem unser Abenteuer beginnen sollte. Die frühlingshaft warmen Temperaturen am Donnerstagmittag in Oulu ließen nicht vermuten, wie es in Oulanka aussehen würde. Auf dem Weg dorthin fragten wir uns kurz, ob wir es mit den Schneeschuhen nicht etwas übertrieben hätten. Wie falsch man liegen kann! :)
Um viertel nach fünf haben wir unseren Ausgangspunkt erreicht. Los geht's! Die erste Herausforderung wartet gleich am Anfang - eine ganz normale Treppe. Im Nachhinein betrachtet noch eine der einfacheren...
Es folgen drei Stunden Wanderung bei noch ziemlich grauem Himmel. Aber die Landschaft ist trotzdem herrlich.
Gegen halb neun haben wir die ersten 4,7 km geschafft. Das ist selbst mit Schneeschuhen recht langsam, aber die Wegeverhältnisse waren wirklich alles andere als gut. Die Entscheidung, bereits in dieser Hütte zu bleiben, fällt relativ leicht.
Holz hacken, Feuer machen, Schnee schmelzen, Essen kochen. Wildnisroutine. ;)
Die Nacht ist ein bisschen zu kurz, aber wir haben ja was vor. Rund 21 km bis zur nächsten Hütte (von der in 4 km mal abgesehen).
Aber bereits nach 4 km tun die Füße unglaublich weh und der Hunger ist groß. Mittagspause.
Schnee schmelzen, Essen kochen. Selten hat was so gut geschmeckt!
Das Wetter ist nicht ganz auf unserer Seite, aber zum Glück ist der Regen nicht zu stark und wir erfinderisch genug.
Und noch ein weiteres ganz besonderes Highlight hat der Wald für uns bereitgehalten: Einen Elch. Rentiere gibt's in Lappland ja wie Sand am Meer, aber die Elche verstecken sich so gut, dass man echtes Glück haben muss, außerhalb eines Zoos welche zu sehen. Und da war er! Unglaublich! Spätestens da wussten wir (eigentlich) schon, warum wir das machen!
Mit späterer Uhrzeit allerdings zweifelten wir das doch wieder an. Nachmittags um vielleicht fünf erreichten wir total erledigt das Besucherzentrum, einziger (und leider geschlossener) Ort von Zivilisation. Erst knapp mehr als die Hälfte geschafft... Kalt, hungrig, ... Warum noch mal...?
Darum:
Nach der Überwindung, weiterzugehen, wurden wir so richtig mit Sonnenschein und Landschaft belohnt und plötzlich fiel es gar nicht mehr so schwer. Und falls wir es nicht bis zur Hütte schaffen
sollten, hatten wir ja immer noch ein Zelt dabei.
Nur, dass sich das vor lauter Schnee nirgends ohne größeren Aufwand aufstellen ließ. Und, ganz ehrlich, ich bin ja schon ein bisschen 'ne Luxusgöre. Ich bevorzuge auch einfach eine Hütte mit Holzofen gegenüber einem eiskalten Zelt, in dem wir vermutlich nicht mal ohne größere Gaszufuhr Trinkwasser erzeugt bekommen hätten.
Spät, aber nicht zu spät erreichen wir unseren 20-Personen-Palast. Karfreitag ist auf Finnisch eben Pitkäperjantai, "langer Freitag".
Erst am nächsten Morgen im Sonnenschein stellt sich heraus, wie schön wir es haben!
Nun folgt ein läppischer 8 km-Tag bei herrlichem Sonnenschein. Wenn da nicht die Erschöpfung wäre... :) Aber es ist einfach toll da draußen! Das habe ich in einem langen Winter vermisst bei all dem Stubenhocken!
Der Versuch, Mittagessen zu machen. Schließlich klappt's doch.
Das übliche Bild beim Schneeschuhwandern. Einsinken, umfallen, aufrappeln... Und natürlich vieeel Natur.
Bereits am frühen Abend erreichen wir unsere nächste Hütte. Nach dem anfänglichen Schreck, dort auf Menschen zu treffen (eigentlich dürfen Hunde nicht in die Hütten), merkten wir dann aber unser Glück. Die anderen waren zum Angeln da, hatten also einen Eisbohrer dabei und wir konnten Wasser direkt aus dem See holen! Und dann hatte die Hütte sogar noch einen (funktionierenden!) Gaskocher. Und wir durften trotz Inuq drinnen schlafen. Perfekt!
Am Sonntag hatten sich die Muskeln dann auch wieder etwas erholt und außerdem war es kälter und damit der Schnee nicht mehr so nass. Ein weiterer wunderschöner Tag mit nur kleinen Herausforderungen!
Aus Versehen sind wir nicht dem Wanderpfad, sondern dem Skipfad gefolgt - unter anderem auch, weil der Wanderpfand völlig unberührt und damit viel zu schwierig gewesen wäre. Früher als erwartet erreichten wir den Teil, der als Pieni Karkunkierros bekannt ist, die kleine Bärenrunde also. Und der ist tatsächlich sehr touristisch und damit ohne Schneeschuhe machbar! Der Rest ist daher die reinste Erholung und auch landschaftlich wieder abwechslungsreich.
Es könnte keinen schöneren Platz geben, um den letzten Urlaubsabend zu genießen als eine Hütte am See.
Wir angeln Wasser, sitzen in der Sonne und schauen uns den noch gefrorenen Wasserfall gegenüber an. Ein toller Platz! (Obwohl das Feuerholz nass ist und die Tür nicht richtig schließt.)
Die letzten drei Kilometer am Montag sind ein Klacks. Irgendwie ist es traurig, dass wir wieder nach Hause müssen. Aber auf eine heiße Dusche freuen wir uns auch! Eins steht fest, ich war garantiert nicht zum letzten Mal dort! Nächstes Mal dann aber zu einer Zeit, wo die Schneeschuhe zu Hause bleiben können!
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