Freitag, 26. Oktober 2012

Manaslu Circuit und Tsum Valley

Bevor ich mich entschlossen habe, meine Plaene in die Tat umzusetzen, habe ich sehr intensiv darueber nachdacht, ob es wirklich das Richtige ist. Es ist mir bei vielen Dingen nicht leicht gefallen, sie aufzugeben (und bei ein paar wenigen sogar wirklich sehr schwer).
Aber nach dem ersten Monat weiss ich: Das hier ist das Grossartigste, was ich je erlebt habe und ich wuerde es um keinen Preis missen wollen!

Erzaehle ich euch also ein bisschen von meiner Trekkingtour.

Am 3. Oktober ging es los, zunaechst mit dem oeffentlichen Bus von Kathmandu nach Gorkha. Selbst wenn die Busse hier so klein sind, dass sogar ich Schwierigkeiten mit der Beinfreiheit habe, war es eine ansonsten bequeme Busfahrt. Weiche Sitze, Asphaltstrasse... (Fuer die Zukunft habe ich gelernt, dass Ohrenstoepsel ins Handgepaeck gehoeren. Die Unterhaltungsmusik wird in einer Lautstaerke abgespielt, dass ich mich frage, ob eigentlich alle Busfahrer nach ein paar Wochen taub sind.)

Eine Busfahrt, die ist lustig...
Dann mussten wir umsteigen und Mingma, unser Porterguide, hat es geschafft, die letzten Sitze im naechsten Bus zu ergattern - gut, dass wir nicht zwei Stunden warten mussten, doch bald war klar, warum es die letzten Sitze waren. Nachdem wir ueber ein paar Getreidesaecke gekrabbelt waren, konnten wir in der letzten Reihe Platz nehmen - bei 35 Grad im Schatten ist das zu sechst ganz schoen kuschelig und noch gefuehlte 15 Grad waermer.
Dann noch eine Strasse, die in Deutschland diesen Namen nicht haette - Staub und Dreck, knietiefe Spurrillen, unzaehlige Schlagloecher, wuerfelkopfkindgrosse Steine in Haufen... Von Fahrtwind war jedenfalls nichts zu spueren, waehrend ich mich drei Stunden lang wunderte, wie stabil diese Busse doch sind und wie das Gepaeck es bloss schafft, auf dem Dach zu bleiben. Billiger, laenger und genauso effektiv wie ein Kirmesfahrgeschaeft! :)

Aber dann hatten wir Arughat, unseren Startpunkt erreicht und am naechsten Tag ging es richtig los.
Wer heatte gedacht, dass ausgerechnet mein Schirm zum wichtigsten Utensil der ersten Tage werden wuerde? Anders war es in der Hitze einfach nicht auszuhalten.

Die Landschaft dagegen entschaedigte fuer alles: Traumhaftes Gruen, Reisfelder, immer wieder Wasserfaelle...
Viiieeel Wasser!

Am Nachmittag des ersten Wandertages wurde aus der "Strasse" dann auch ein echter Fussweg. Und der wurde bald ziemlich steil. Aber da ich kaum alles in Worte fassen kann, seht ihr am besten selbst einfach ein paar Eindruecke meiner Tour:
Treppauf, treppab... Wenn Alex und Benni wuessten, wie gut mich ihr Umzug auf diese Tour vorbereitet hat! ;)
Beste Aussicht, die ich je beim Waeschewaschen hatte! Und unsere Unterkunft hier in Lapubesi hatte sogar noch eine Dusche! (=Gartenschlauch mit kaltem Wasser im Kloraum)
Die Schluchten wurden immer spektakulaerer.

Eins der richtig schoenen Doerfer unterwegs, sogar mit gepflasterten Wegen!
Tag vier - Waschtag. Unser erster Tag im Tsum Valley. Im Hintergrund traditionelle und moderne Gebetsfahnen ;)
Tiefer im Tsum Valley - bunte Felder in Chumling
Wir durfen ein kleines Gompa (Kloster) besichtigen. Wirklich sehr klein, man haette es fuer eine Kapelle halten koennen. Aber eine wirklich schoene Gebetsmuehle hatten sie dort!
Und die Kinder waren suess - dieses hier hat mir Blumen und eine Walnuss geschenkt! Andere Kinder allerdings konnten zur Begruessung nur zwei Worte: Namastepen oder Namasteballoon. Und es gibt wirklich Touristen, die fuer solche Faelle Kulis und Luftballons in die Berge mitnehmen!
Choerten bei Chhokang Paro. Man merkt nun wirklich, dass die Bewohner des Tsum Valley zu 90% tibetisch sind. Unglaublich viel buddhistische Kultur!
Und dann, dritter Tag im Tsum Valley, aenderte sich innerhalb eines Tages die Landschaft komplett. Nie zuvor haette ich gedacht, dass ich, die ja total auf ueppiges Gruen in allen Schattierungen steht, diese karge Landschaft so unglaublich schoen finden koennte! Wundervolle Berge!
Im Mu Gompa (3700 m, damit nachts inzwischen ganz schoen kalt) haben wir uebernachtet und konnten auch an der abendlichen puja, der Zeremonie der Moenche, teilnehmen. Ein unglaubliches Erlebnis!

Mu Gompa, unser Endpunkt im Tsum Valley
Auf dem Rueckweg aus dem Tal: Besuch im Rachen Gompa - Judith zwischen all den noch ziemlich jungen Nonnen!
Und dann der Aufstieg zum Gompa Lungdang. Die weissen Siebentausender des Ganesh Himal fast zum Greifen nah! Umwerfende Aussicht! Das Geruecht besagte, es gaebe dort oben einen Schlafsaal fuer Trekker. Der stellte sich als alter Gebetsraum heraus (im heiligsten Raum durfte dann doch niemand uebernachten), so schliefen wir auf dem Boden zu Fuessen von Statuen und Gebetsmuehlen. Und die dortige puja der Nonnen war sogar noch feierlicher als die der Moenche im Mu Gompa.
Zurueck auf dem Hauptpfad. Hier hat garantiert niemand die Anpralllasten berechnet. Und es funktioniert trotzdem, wahrscheinlich schon seit Jahren! (Aber ein gewisser T.R. wuerde erst gar nicht bis hierhin kommen...)
Wieder fast dschungelartig...
Samagaon, ein sehr schoener Ort, wo das Leben auch (teilweise) noch ohne Touristen funktioniert. Wir haben sehr viele Menschen Getreide dreschen gesehen. Und das irgendwo auf dreieinhalbtausend Metern Hoehe!
Tagesausflug zum Manaslu Base Camp. Inzwischen von allen Expeditionen verlassen, wahrscheinlich seit dem Lawinenunglueck. Wir hatten trotzdem eine Wahnsinns-Aussicht von dort oben!
Und da ist er, der achthoechste Berg der Erde: Der Manaslu.
Tagesausflug von Samdo aus: Mal eben zum Lunch nach Tibet. Ja, so sieht China aus...
...und so Nepal, wenn man auf dem Grenzstein am Rui La (4998 m) steht.
Zwei Tage spaeter: Larkya La. Auch nicht mehr viel hoeher, aber dafuer viel windiger und wirklich eisig. Wir sind noch im Dunkeln losgegangen (umwerfender Sternenhimmel!), dafuer ist uns aber auch das Wasser in unseren Trinkflaschen gefroren.
Und nach einem Ruhetag dann der Abstieg in den Herbst hinein.
Und aus Bequemlichkeit haben wir heute den Jeep genommen. Die Strecke hier ist laengst nicht mehr so unberuehrt und auf ein paar Tage Laufen auf der Strasse hatten wir dann doch keine Lust. Die Schaukel da haette ich uebrigens gerne bei mir im Garten, sobald ich einen solchen besitze! :)

Nun bin ich also nach einem langen Tag und einer wieder mal sehr beengten Fahrt (ja, man kann 17 Leute mit einem Jeep transportieren. Und auch in die Busse mit ca. 35 Sitzplaetzen passen, wenn es drauf ankommt, ueber 100 Leute rein) in Bandipur angekommen. Schoene kleine Stadt mit unglaublich vielen Blumen!
Nach all der geistigen Erholung der letzten Wochen werde ich mich nun erst mal koerperlich entspannen. Bis die Tage mal!

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